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Aktives Entwicklungsgebiet

Christian Graf von Wedel realisiert einen Bürokomplex in Jena und spricht über die Internationalität der Stadt und einen angemessenen Standard.

Christian Graf von Wedel realisiert einen Bürokomplex in Jena
Von Ivette Wagner, 03.10.2018

Acht Etagen hoch, 10.000 Quadratmeter vermietbare Fläche für Büros und ein wenig Gewerbe, Tiefgarage und Fahrradstellplätze: Das sind die Grunddaten für den Jenaer Bürokomplex am Steinweg / Ecke Inselplatz, der sich durch Investor Christian Graf von Wedel und Architekt Matthias Waldhelm in der Realisierung befindet. Einziehen wird dort die Intershop AG, im Erdgeschoss findet ein Supermarkt Platz. Bis Anfang 2020 soll alles fertig sein.

Im neuen Büromarktbericht der Stadt Jena* ist nachzulesen, wie notwendig Büros sind, sinkt doch der Leerstand, der unter zwei Prozent liegt, immer weiter. „Zum Glück hat die Stadt das schon sehr zeitig wahrgenommen und arbeitet kontinuierlich daran“, sagt Christian Graf von Wedel. „Jena wird als aktives Entwicklungsgebiet gesehen, das macht sich bezahlt.“

PropTechs, Pharmaindustrie, eine florierende Universität, ein expandierender IT-Markt machen die thüringische Stadt zu einem wichtigen Anker. „Nun muss es gelingen, dass die Unternehmen hier gehalten werden. Die Anzeichen stehen auf Wachstum, für eine erfolgreiche Entwicklung braucht es nun aber eine Infrastruktur mit Kitas, Schulen, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten.“

Die riesige Investition von ZEISS – das Unternehmen baut seinen Firmensitz für 300 Millionen Euro in Thüringen – sei ein Segen für Jena. „Damit kommen viele Geschäftspartner in die Stadt, auch aus dem Ausland. Dafür müssen die Angebote beispielsweise im Hotelbereich stimmen.“ Firmen, die sich ansiedeln, kommen mit Vorstellungen, sind bestimmte Standards gewohnt.

Wie jede andere Stadt hat Jena leerstehende Büroflächen zu bieten, allerdings sind das viel zu wenige und viel zu kleine Flächen, die meist in keiner Weise den Vorstellungen genügen. Und so gibt es bereits Unternehmen, die mit Blick in die Zukunft momentan verfügbare Flächen anmieten und diese erst einmal leer stehen lassen. So können sie den Zeitpunkt ihrer Expansion selbst festlegen.

Unter dem Motto „Never change a winning team“ nimmt Christian Graf von Wedel auch das zweite Großprojekt mit Architekt Matthias Waldhelm in Angriff, den zweiten Bauabschnitt in der Frauengasse. Auf einem 2.700 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Hochhaus mit 20 Stockwerken entstehen. Dafür ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan notwendig. „Um diesen Antrag stellen zu dürfen, brauchen wir einen Stadtratsentscheid, den wir bereits haben“, so Christian Graf von Wedel. Gemeinsam mit dem Büro AS + P Albert Speer + Partner GmbH aus Frankfurt am Main arbeitet er weiter daran.

In dem Hochhaus plant er ein Hotel und natürlich wieder Büroflächen. Dazu kommen in einem Seitengebäude etwa 50 kleinere Wohneinheiten. Ein Fassadenwettbewerb soll bei einer genauen Abstimmung helfen. „Es ist wichtig, dass wir hier finanziell bereits abstecken, was möglich ist und was nicht“, sagt Christian Graf von Wedel. „Es macht keinen Sinn der Öffentlichkeit Entwürfe zu präsentieren, die nicht umsetzbar sind. Das hilft keinem.“

Baubeginn wird nach jetziger Planung im dritten Quartal 2019 sein, zwei Jahre Bauzeit sind angedacht. Der Bauherr zeigt sich optimistisch, dass der Zeitplan hält: „Die Stadtverwaltung hier in Jena kann natürlich nicht die Gesetze außer Kraft setzen. Sie arbeiten aber immer lösungsorientiert. Man merkt, dass hier alle an einem Strang ziehen, da macht das Arbeiten wirklich Spaß. Deshalb habe ich überhaupt keinen Zweifel daran, dass Jena weiter sehr erfolgreich sein wird.“ Wenn beide Projekte vollendet sind, hat Christian Graf von Wedel etwa 100 Millionen Euro investiert.


*Bereits zum dritten Mal hat Jena einen eigenen Büromarktbericht erstellt. Kaum Leerstand, hohe Nachfrage und richtungsweisende Neubauprojekte: So fasst Wilfried Röpke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Jena, die Ergebnisse zusammen. Die anhaltend hohe Nachfrage der wissensintensiven Branchen, insbesondere im Bereich Digitalwirtschaft, ist eine wesentliche Ursache für den erneut gesunkenen Leerstand 2017. Die aktuelle Leerstandsquote liegt bei 2,1 Prozent. Insbesondere Flächen ab 500 Quadratmeter mit gehobener Ausstattung und bedarfsgerechter Lage sind auf dem Markt nur noch schwer zu finden. Der Flächenumsatz nahm 2017 mit insgesamt 21.500 Quadratmetern gegenüber dem Vorjahr um 2.700 Quadratmeter noch einmal deutlich zu. Die Spanne der Mieten reicht von vier bis 18 Euro. www.jenawirtschaft.de/bueromarkt 

 

Visualisierung: Waldhelm Architekten

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