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Großprojekt mit Potenzial

Die Baywobau entwickelt in der Nähe des halleschen Riebeckplatzes ein neues Wohnkarree. 50 Millionen Euro sollen investiert werden.

Die Baywobau entwickelt in der Nähe des
halleschen Riebeckplatzes ein neues Wohnkarree
Von Steffen Höhne, 11.04.2018

Am zentralen Verkehrsknoten, dem Riebeckplatz, drehen sich demnächst viele Baukräne. Nachdem bereits Ende 2017 der Baustart für einen großen Hotel- und Wohnkomplex in Halle (Saale) vollzogen wurde, soll nun auf dem sogenannten RFT-Gelände hinter dem ehemaligen Maritim-Hotel ein neues Wohnkarree entstehen. Die Baywobau plant einen Neubau mit 250 Wohnungen.

Auch der Leipziger Immobilien-Entwickler hat die Saale-Stadt für sich entdeckt, in der es derzeit einen regelrechten Bauboom gibt. Bereits im Juni 2017 erwarb die Baywobau das 10.000 Quadratmeter große Grundstück vom langjährigen Eigentümer, der BAG Bankaktiengesellschaft. „Es handelt sich dabei um das letzte große unbebaute Areal in der halleschen Innenstadt – für uns ein Glücksfall“, erklärt Enno Müller, Leiter der Baywobau Baubetreuung GmbH Niederlassung Leipzig.

Rund 50 Millionen Euro wird nach aktuellem Stand der Gebäudekomplex Riebecks Gärten kosten. Der Name verweist auf das Ziel: Die Häuser sollen die Urbanität des Riebeckplatzes aufnehmen, Gärten und Spielplätze im Inneren des Karees der Erholung dienen. Der Immobilien-Entwickler nimmt derzeit mit den Architekten die detaillierte Planung vor. Fest steht bereits, dass fünf- bis sechsgeschossige Neubauten entstehen. „Nach Möglichkeit soll es keine einheitliche und durchgehende Fassade geben“, so Enno Müller. Die Wohnungen werden zum Großteil vermietet.

„Wir planen einen Mix aus größeren und kleineren Einheiten, die jeder Lebensphase der Bewohner entsprechen können.“ Daneben wird geprüft, ob ein Hotel- und Bürokomplex integrierbar sei. Auch Eigentumswohnungen seien möglich. Die Baywobau setzt dabei eine Studie von däschler architekten & ingenieure gmbh fort, die bereits Ende 2015 einen Bebauungsentwurf für das Areal vorgelegt hatte. Der Immobilienmanager schätzt, dass Anfang 2019 der Bau beginnen wird.

Lange Zeit machten Investoren um das Quartier rund um den Riebeckplatz einen Bogen. Der Platz verbindet Hauptbahnhof und Innenstadt, seine Beton-Architektur lädt trotz eines großen 35 Millionen Euro teuren Umbaus 2005 / 06 bisher Hallenser und Besucher nicht unbedingt zum Verweilen ein. Doch inzwischen gibt es bei den Bauherren ein Umdenken. Zwei Vorhaben werten das Tor zur Innenstadt auf. So baut die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) für 20 Millionen ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Das Bauunternehmen Papenburg errichtet für 20 Millionen Euro ein neues Hotel mit 180 Betten und ganz in der Nähe hat die Hallesche Wohnungsgenossenschaft FREIHEIT eG bereits 2016 das Wohnquartier Königsviertel errichtet.

Ein Großprojekt könnte den Platz jedoch komplett umgestalten: Die Stadt Halle sucht aktuell Investoren, die einen Abriss des ehemaligen Vier-Sterne-Hotels Maritim vornehmen und dort ein großes Kongress- und Hotelcenter errichten. Mögliche Modelle wurden bereits im Stadtrat vorgestellt. Sollten diese Pläne des Kongresscenters tatsächlich realisiert werden, würde das auch Riebecks Gärten noch einmal stark aufwerten.

Für Enno Müller spricht für das Grundstück bereits jetzt seine zentrale und verkehrsgünstige Lage. Zudem sieht er Halle und Leipzig inzwischen als einen Wirtschaftsraum, der zu den „wachstumsstärksten Regionen Ostdeutschlands gehört“. Nach seinen Worten sind die Mietpreise in Leipzig und Halle vergleichbar. Eine Studie des Immobiliendienstleisters PlanetHome in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut bulwiengesa belegt, dass Immobilienverkäufer derzeit in Halle Preise von bis zu 2.700 Euro pro Quadratmeter im Neubau erzielen, im Schnitt sind es 2.300 Euro pro Quadratmeter.

Die durchschnittliche Kaltmiete für Neubauwohnungen beträgt 7,50 Euro. „Der Immobilienmarkt in Halle zeichnet sich durch eine langfristig stabile Wohnungsnachfrage sowie ein in den letzten Jahren stark gestiegenes Preisniveau aus“, teilt Thorsten Herr, Regionalleiter Halle bei PlanetHome, mit. Die Baywobau besitzt jahrzehntelange Erfahrungen. Das familiengeführte Unternehmen aus München ist seit 1991 in Leipzig aktiv und hat dort ähnlich große Quartiere bereits entwickelt. Ein Beispiel sind die THALYSIA HÖFE in Leipzig-Connewitz.

Riebecks Gärten ist das erste Großprojekt in Halle. Das Unternehmen folgt damit dem Beispiel des Leipziger Entwicklers Stadtbau AG und der Magdeburger MCM AG, die vor einigen Monaten auch große Wohnbauprojekte in Halle in Angriff genommen haben.

 

Visualisierung: däschler architekten & ingenieure gmbh

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