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Negativbeispiele ohne Differenzierung nicht zielführend

Dr. Carsten Brückner, Vorsitzender Haus & Grund Berlin, spricht über Renditegier, private Eigentümer in Not und eine immer stärker um sich greifende Verunsicherung.

Interview mit Dr. Carsten Brückner, Vorsitzender Haus & Grund Berlin
Von Ivette Wagner, 13.03.2019

IMMOBILIEN AKTUELL (IA): Große Investorengruppen stehen im Mittelpunkt der Vorwürfe, wenn es um Renditegier geht. Sie fordern, dass private Eigentümer oder lokale Investorengemeinschaften mehr Beachtung finden. Wie sollte das aussehen?

Dr. Carsten Brückner (CB): Es ist nicht zielführend, wenn Negativbeispiele ohne Differenzierung verallgemeinert werden. Der Vorwurf der Renditegier trifft jedenfalls auf private Eigentümer mit geringem Immobilienbestand nicht zu. Hier steht vielmehr das traditionell gute Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter sowie der Erhalt des Immobilieneigentums im Vordergrund, das oftmals im Familienbesitz über mehrere Generationen befindlich ist. Ziele und Verhaltensweisen der Immobilienbewirtschaftung dieser Eigentümergruppe können nicht mit denen von Großinvestoren verglichen werden.

IA: Wie wirkt sich die momentane Stimmung auf dem Markt auf die „kleinen“ Besitzer aus?

CB: Die momentane Stimmung führt zu einer sehr starken Verunsicherung der privaten Eigentümer. Forderungen nach Begrenzungen der Möglichkeiten zur Mieterhöhung sorgen für ein investitionsfeindliches Klima. Das gilt sowohl für Instandhaltungen und Instandsetzungen als auch für Modernisierungsmaßnahmen. Der Erhalt und die Fortentwicklung des Immobilienbestandes verlangsamt sich dadurch oder kommt zum Stillstand. Die in Berlin offen geführte Diskussion um die Enteignung der Immobilieneigentümer lässt diese darüber nachdenken, der Enteignung zuvor zu kommen und die Immobilie noch zu einem guten Preis abzugeben. Hierdurch würde sich der Anteil der privaten Eigentümer, die aufgrund des geringen Besitzes allein keine beherrschende Marktstellung haben, erheblich reduzieren.

IA: Welche städtebaulichen Missstände sehen Sie derzeit in Berlin?

CB: Es fehlt weiterhin an ausreichendem Neubau in Berlin. Die in öffentlicher Hand befindlichen Flächen werden gar nicht oder nur zögerlich frei gegeben. Initiativen der privaten Eigentümer werden durch langanhaltende Genehmigungsverfahren (Bauordnung, Milieuschutz, Brandschutz) ausgebremst. Dachgeschossausbauten erfolgen eher zufällig denn koordiniert und flächendeckend.

IA: Welche Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht effektiv, wenn es um die Bezahlbarkeit von Wohnraum geht?

CB: Vorhandene Ressourcen müssen besser genutzt werden, Bauvorhaben sind unbürokratischer und schneller zu ermöglichen und genauer aufeinander abzustimmen. Hemmnisse müssen abgebaut werden, dazu zählen auch kostentreibende Auflagen in der Gebäudetechnik. Der Staat kann durch steuerliche Anreize zu weiteren Investitionen in das Immobilieneigentum motivieren.

 

Foto: © Haus & Grund

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