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Perfekt, prächtig, Potsdam

Das Berliner Unternehmen TROCKLAND realisiert auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) sein erstes Projekt in der brandenburgischen Landeshauptstadt.

Das Berliner Unternehmen TROCKLAND realisiert sein erstes Projekt
in der brandenburgischen Landeshauptstadt
Von Ivette Wagner, 19.06.2018

Es war einmal ein wirtschaftlicher Hotspot in Potsdam: Noch 1989 arbeiteten etwa 1.350 Arbeiter auf dem Gelände des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW). Knapp 2.000 Eisenbahnwaggons durchliefen die Werkhallen. Nach der Übernahme durch die Deutsche Bahn erfolgte eine schrittweise Reduzierung von Arbeitsplätzen und Produktion, 1999 die endgültige Stilllegung.

Immerhin wurde 1997 die „Neue Halle“ unter Denkmalschutz gestellt. Doch auch das nützte nichts. Ideen für das Gelände direkt am Hauptbahnhof gab es immer wieder, sogar ein Investor fand sich. Doch es passierte nichts. Nun hat eine Investorengruppe um den Berliner Projektentwickler TROCKLAND das Areal erworben.

„Die Absicht, mit dem Erwerb der neuen RAW-Halle einen Innovationshub, also einen Kompetenzort in Sachen IT und Innovation zu schaffen, in dem Gründer und junge Unternehmen Tür an Tür mit gestandenen Unternehmen und Institutionen optimale Rahmen- und Arbeitsbedingungen finden werden, hat meine volle Unterstützung“, äußerte sich Oberbürgermeister Jann Jakobs zu diesem Coup. Das Vorhaben füge sich in die bisherigen Entwicklungen und die weiteren Ziele für den Wirtschaftsstandort ein.

Erste Mietanfragen

Mit TROCKLAND fand sich zudem ein Unternehmen, dass die Verbindung von Altund Neubau sensibel und modern interpretiert. Beispielhaft stehen dafür die PARAGON APARTMENTS. Im Stadtteil Prenzlauer Berg wurde ein 1912 erbautes Krankenhaus zum Ersten ertüchtigt, zum Zweiten mit zwei Neubauten ergänzt. Dafür gab es den FIABCI Prix d’Excellence 2016 in Bronze.

Oder die ehemalige Kunsteisfabrik am Holzblockufer: Hier soll ein urbanes Zentrum entstehen. Das denkmalgeschützte ehemalige Kühlhaus und das Wohngebäude werden vollständig saniert. Zwei Neubauten erhalten die moderne Formensprache des Architekturbüros GRAFT.

Doch zurück nach Potsdam und zu einer gewaltigen Aufgabe: Mindestens 20.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sollen auf dem rund 25.000 Quadratmeter großen Grundstück entwickelt werden. Viele können die Fertigstellung im Jahr 2021 gar nicht erwarten: „Wir haben bereits die ersten Mietanfragen“, sagt Sebastian Molina, Senior Project Manager bei TROCKLAND. Die Palette reiche dabei von Startups bis hin zu etablierten Unternehmen. „Momentan eruieren wir die Lage auf dem Markt. Danach werden sich Ankermieter herauskristallisieren.“ Einheimische erfragen die Angebote des neuen Standortes für Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft genauso wie Unternehmen aus Berlin.

Doch erst einmal stehen die ganz „normalen“ Aufgaben eines Projektentwicklers an. „Wir haben einen Pool von Architekten erstellt, die sich in Potsdam auskennen, Erfahrungen mit Denkmalsanierung genau wie im IT-Medien-Kreativbereich haben“, so Sebastian Molina. In einem geschlossenen Verfahren wird diese Auswahl verkleinert, danach erfolgen intensive Gespräche.

Der Anspruch lautet: Das Potsdam von Morgen soll das RAW werden. Dazu gehört auch die Entwicklung eines Logos, eines Namens für das Projekt. Heskel Nathaniel, CEO und Geschäftsführer von Trockland, drückt es wie folgt aus: „Das Projekt ist ein Juwel, welches hervorragend in unser Portfolio passt. Die Entwicklung von historischen Ensembles durch die Verschmelzung von denkmalgeschütztem Bestand und ausdrucksstarker Neubau-Architektur ist für uns immer wieder ein besonderer Ansporn.“ Zudem sieht er mit aufgeschlossenen Institutionen und Behörden, erstklassigen Bildungseinrichtungen, etablierten Technologieunternehmen, kurzen Wegen, schnellen Entscheidungen die Grundvoraussetzungen für diese Entwicklung mehr als erfüllt. Perfekt, prächtig, Potsdam eben!

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