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Steiniger Weg zum Wohnen am Elbufer

Die Firma USD Immobilien GmbH plant unweit vom Dresdner Stadtzentrum ein neues Viertel mit Wohnungen, Büros und Gewerbe.

Unweit vom Dresdner Stadtzentrum entsteht ein neues Viertel
Von Bettina Klemm, 11.04.2018

Wohnungen am Wasser sind begehrt. Warum also sollte nicht auch Dresden seine Hafencity erhalten? Ein Baubeginn rückt jetzt in greifbare Nähe. Doch bis dahin war es ein steiniger Weg. 2009 hatte die Stadt mit ersten Plänen und Modellen für ein Hafencity genanntes neues Stadtviertel auf der Immobilienmesse EXPO REAL in München geworben und nach Investoren gesucht.

Drei Jahre später passierte der Masterplan für Dresdens Hafencity den Stadtrat. Auf dessen Grundlage plante die Firma USD Immobilien GmbH auf einer etwa 43.000 Quadratmeter großen Fläche zwischen Leipziger Straße und Elbufer.

Wie ein weißes Blatt Papier

Doch während die Pläne öffentlich auslagen, kam es 2013 wieder zu einem extremen Hochwasser. In der Folge gab es Innehalten, Verzögerungen, ein erneutes Werkstattverfahren und zahlreiche Umplanungen. Alles kostete Zeit, Nerven und Geld. Dennoch sagt Sebastian Forkert, Projektleiter bei USD, rückblickend: „Bei der Hafencity handelt es sich um eines der wenigen noch in Dresden vorhandenen Areale, welches wie ein weißes Blatt Papier begonnen wird, neu zu beschreiben. Für die USD ist gerade dieser Aspekt eine wunderbare Herausforderung. Gemischt mit der fantastischen Lage direkt am Hafen gehört das Areal zu den Filetstücken der USD.“

Die historische Innenstadt ist von dem Gelände im Elbbogen gut sichtbar und in etwa 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Etwa ebenso weit ist die Dresdner Neustadt mit ihren Bars und Szenecafés entfernt. Ende des Jahres hofft Sebastian Forkert, mit dem Bauvorhaben beginnen zu können. Zwei bis drei Jahre dauert es, bis das Ensemble mit etwa 280 Wohnungen komplett ist. Die Investitionskosten werden auf circa 80 Millionen Euro geschätzt. Mit etwa 60 Prozent soll das Wohnen an der Elbe den Schwerpunkt bilden, 30 Prozent sind für Gewerbe vorgesehen und zehn Prozent für Läden und Gastronomie.

Melkus-Villa bereits saniert

Der Bau hat mit zwei vorgezogenen Projekten begonnen. Im vergangenen Jahr konnte die USD die Sanierung der denkmalgeschützten Melkus-Villa an der Leipziger Straße abschließen. Im Rohbau befindet sich das Kreativzentrum. Es entsteht als langgezogener, in vier Teilabschnitte untergliederter Gebäuderiegel mit drei separaten Treppenhäusern nahezu senkrecht zwischen Elbe und Leipziger Straße. Der viergeschossige Komplex bietet insgesamt 2.800 Quadratmeter Fläche, aufgeteilt in Lofts für Ateliers, Praxen und Büros mit Einzelflächen zwischen 67 und 186 Quadratmetern.

Quelle Visualisierungen: USD

Zum Komplex gehört ein großes Restaurant, von dessen Terrasse sich den Besuchern ein freier Blick auf die Elbe und das entstehende Hafenareal bietet. Nach USD-Angaben sind etwa 70 Prozent der Flächen vergeben, je nach Wunsch der Nutzer als Miet- oder Kaufobjekt. Das Kreativzentrum dient neben dem Arzneimittelwerk zugleich als Schallschutz für die geplante Wohnbebauung.

Auf den Zehngeschosser wird komplett verzichtet

Zurück zu den Neuplanungen: Nach einem Werkstattverfahren hatte die Jury die Entwürfe des Dresdner Büros Rohdecan Architekten GmbH gemeinsam mit den Freilandplanungen von QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur empfohlen. Die Grundidee besteht darin, drei unterschiedlich große Quartiere mit einer ruhigen und geordneten Struktur zu entwickeln. In diesem Zusammenhang wurden Bebauungsdichte und Gebäudehöhen reduziert.

Auf das anfangs geplante Gebäude mit bis zu zehn Geschossen wird nun vollständig verzichtet. Maximal sechs Geschosse sollen die Häuser entlang der Leipziger Straße haben.

Geländekante für Wohlfühlcharakter

Die Freiräume wurden ebenfalls verändert. So entstehen ein öffentlicher Stadtplatz und private Grünflächen zwischen den Häusern. Damit die Hafencity nicht abgeschottet ist, gibt es zudem eine zusätzliche Grünachse von der Straßenbahnhaltestelle Leipziger Straße zum Stadtplatz und zur großzügigen Hafenpromenade.

Zum Hafen hin entsteht entlang eines neu geschaffenen Rad- und Wanderweges eine durch Pavillons und Treppenanlagen mit Sitzstufen gegliederte Geländekante. In den Festlegungen für die Hafennutzung sind neben Hafenmeisterei und Gastronomie kleine Souvenirshops möglich. Die Erschließung des Gebietes beschränkt sich auf drei Stichstraßen, die von der Leipziger Straße abgehen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird es keine parkenden Fahrzeuge im Gelände geben. Dafür sind Tiefgaragen unter allen Gebäudekomplexen geplant. Aufsteigend von der Hafenpromenade schließen sich fünf viergeschossige Punkthäuser an. Für deren Gestaltung gab es ebenfalls ein Werkstattverfahren mit zehn beteiligten Büros, bei dem das Büro WEINMILLER ARCHITEKTEN aus Berlin überzeugte.
 

Die zur Elbe hin offeneren Bauformen finden entlang der Leipziger Straße mit einer relativ kompakten Bebauung ihren Abschluss. Diese soll die Höhen der gründerzeitlichen Häuser in Pieschen aufnehmen und damit fünf- bis sechsgeschossig werden. So entsteht zugleich eine Abschirmung der Hafencity von dem Lärm der stark befahrenen Leipziger Straße. Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung des Dresdner Stadtrates wünschen sich dort auch mietpreisgebundene Wohnungen. Dazu gibt es Gespräche, aber noch keine Verträge. Im Norden des Gebietes an der Leipziger Straße 31 ist ein Sport- und Freizeitbereich vorgesehen. Angrenzend kann ein Hotel entstehen. Dieses als Mischgebiet festgelegte Areal sichert auch den Bestand des dort ansässigen Steinmetzes.

Hochwasserschutz hat Priorität

Im Überschwemmungsgebiet liegend, hatte der Hochwasserschutz von Anfang an Priorität. Die Tiefgaragen werden so gestaltet, dass sie im Extremfall durchflutet werden und die Wassermassen zwischenstauen. Doch nach dem Hochwasser 2013 stellte sich heraus, dass dies nicht ausreicht. So haben USD und Stadtverwaltung in aller Ruhe nach weiteren Möglichkeiten gesucht. Als Grundlage zur Beurteilung für das Plangebiet wurde ein Hochwasser der Elbe von HQ 100 festgelegt. Damit gehen die Umweltexperten bei einem hundertjährlichen Hochwasser von einem Stand von 111,50 Metern über Normalhöhe aus.Um die geplanten Baugebiete hochwassersicher zu gestalten, werden sie nun um etwa einen Meter auf rund 112 Meter über Normalhöhennull aufgeschüttet. Dann ragt das neue Stadtgebiet wie eine kleine Insel heraus.

Selbst die erneuerten Radwege, die sich auf der Höhe der Tiefgaragendecke befinden, sollen bei Hochwasser noch nutzbar sein. Im Gegenzug muss aber mehr Überschwemmungsfläche entstehen. Da die in dem Areal nicht zu schaffen ist, wurde eine Fläche außerhalb des Plangebietes in Dresden-Übigau gefunden. Auf Kosten des Investors wird dort der erforderliche Retentionsraum geschaffen. Als der Stadtratsausschuss im Herbst 2017 mit deutlicher Mehrheit den Plänen und einer Offenlegung zustimmte, zeigte sich USD-Sprecher Ulf Mehner sehr erfreut: „Wir bedanken uns sowohl bei den Ämtern als auch den Dresdner Stadträten für die stets konstruktive Zusammenarbeit.“ Auf dem benachbarten Grundstück kam es zu keiner Einigung zwischen Bauherrin und Stadt, dort eskalierte der Streit und wird nun vor Gericht ausgetragen.

Die Abkürzung USD steht für „Unser schönes Dresden“. Das ist für das Unternehmen Programm. Zunächst sanierte es insbesondere denkmalgeschützte Villen und Wohnhäuser. Das Kurländer Palais am Neumarkt, zugleich der Firmensitz, ist ein Beispiel dafür. Zunehmend befasst sich die USD mit Neubauprojekten wie an der Freiberger Straße, den Seidnitzer Gärten und dem Komplex City one am Dresdner Neumarkt. Die Hafencity soll nun ein weiteres Schmuckstück werden.

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