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Turbo für alle?

Der Büromarkt in Mitteldeutschland zeigt sich ähnlich dem der Metropolen: Es gibt einen hohen Bedarf und zu wenig Flächen. Die Digitalisierung treibt diese Entwicklung weiter voran – bei immer noch relativ moderaten Preisen.

Der Büromarkt in Mitteldeutschland zeigt sich ähnlich dem der Metropolen: Es gibt einen hohen Bedarf und zu wenig Flächen
Von Ivette Wagner, 15.04.2019

Eine Vollbremsung ist nicht zu befürchten, mal wieder bestimmt Leipzig in Mitteldeutschland die Schlagzeilen. Es klingt ein wenig wie Selbstbeweihräucherung, allerdings: Die Messestadt zieht mit der Hauptstadt gleich, wenn es um den Ausbau digitaler Kompetenz geht. Dynamische IuK-Unternehmen machten 2018 gut 18 Prozent des Flächenumsatzes aus – ein Spitzenwert. „Insgesamt wurden 2018 in Leipzig 135.000 Quadratmeter Bürofläche umgesetzt, was dem zweitbesten Ergebnis aller Zeiten entspricht. Vor allem moderne Büroflächen sind stark nachgefragt“, erläutert Stefan Sachse von BNP Paribas Real Estate.

Im Vergleich zum Vorjahr sank der Leerstand auf 6,2 Prozent. Natürlich wirkt sich diese Situation auf die Mieten aus: Die Spitzenmiete stieg im Vorjahresvergleich um knapp acht Prozent auf aktuell 14 Euro, und auch die Durchschnittsmiete zog um fast sechs Prozent auf jetzt 9,10 Euro an.

Aber: Mit 25.000 fertig gestellten Quadratmetern im Jahr 2018 hält man den Turbo nicht wirklich am Arbeiten, für das laufende Jahr wird mit 28.000 Quadratmetern gerechnet. „Davon ist der allergrößte Teil außerdem bereits vorvermietet. Leipzig muss also zwingend etwas tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben, da vereinzelt bereits Interessenten aufgrund des geringen Angebotes an modernen Flächen auf andere Standorte ausweichen“, analysiert Stefan Sachse. Zur Alternative Dresden können Experten nicht raten. Dort sucht selbst die Verwaltung nach modernen Büros. Zuwenig auch hier von allem bei steigenden Mieten und sinkendem Leerstand. Gern genommen wird das Bild der Überlaufwelle, die von Berlin hinüber schwappt. So ganz richtig kann diese Entwicklung aber keiner messen, geschweige denn belegen.

Andreas Schulten, Generalbevollmächtigter der bulwiengesa AG, der im Frühjahrsgutachten unter anderem die Entwicklung der Büroimmobilien in kleineren Städten analysiert hat, geht von einem anhaltenden Trend aus: „2019 wird sich die Flächenverknappung vor allem bei Büros über fast alle Standorte fortsetzen. Trotz leicht steigender Fertigstellungsvolumina wird die hohe Nachfrage kaum zu bewältigen sein. Besonders die stark nachgefragten, kurzfristig bezugsfähigen Neubauflächen stehen nicht ansatzweise in dem Maße zur Verfügung, wie sie benötigt werden. Die Situation in den Städten mit sehr geringen Angebotsvolumen dürfte sich noch stärker zuspitzen und es müssen an einigen Standorten Unternehmensabwanderungen in Kauf genommen werden.“

Transparenz wichtig

An Jena geht diese Entwicklung wohl vorerst vorbei. Dort wird neu gegründet (zwischen 25 und 30 Unternehmen pro Jahr), der Anteil der unter 30-Jährigen liegt bei 35 Prozent, die Carl Zeiss AG baut für 300 Millionen Euro ihren Firmensitz. Die Wirtschaftsförderung legte 2018 bereits zum dritten Mal einen eigenen Büromarktbericht vor, um Transparenz zu schaffen, Investoren den Zugang zu dieser außergewöhnlichen Stadt zu erleichtern.

Die Zuwächse konzentrieren sich auf einzelne, stark nachgefragte Teilräume, im Gegensatz zum Vorjahr aber verstärkt auf die Zone Lobeda und City. Das stärkste Plus ist so in Lobeda (plus 3.910 Quadratmeter) zu verzeichnen, was auf die Ansiedelung des Universitätsklinikums zurückgeht. Doch auch hier herrscht Verknappung, vor allem wenn es um kurzfristig verfügbare Flächen geht. Das Mietpreisspektrum zeigt sich sehr breit: von vier Euro in peripheren Lagen bis hin zu 18 Euro pro Quadratmeter für Neubauflächen und bedarfsgerechte Ausstattung in Toplage.

Chemnitz rückt ebenfalls in den Fokus von Investoren: So erwarb die DVI-Gruppe 2018 ein Büro- und Geschäftshaus. Das Multi-Tenant-Objekt Am Rathaus umfasst rund 9.000 Quadratmeter. Das 1996 erbaute Gebäude weist eine Vermietung von fast 95 Prozent auf. Diese Situation will DVI nun weiter optimieren, die Zentralität der Immobilie ist dabei entscheidend. Für Jungunternehmer, die sich niederlassen wollen, sorgt die Kommune ebenfalls: mit dem Programm Kreativraum Chemnitz, kurz „Krach“. Damit sollen Ansiedlungen von Unternehmen und Projekten der Kultur- und Kreativwirtschaft in Chemnitz gefördert werden.

Die Stadt sowie der Branchenverband Kreatives Chemnitz suchten auch 2019 wieder Ideen, die eine Förderung bekommen. Sechs Preisträger wird es nach dem Auswahlverfahren geben: Sie erhalten 5.000 Euro Unterstützung sowie Räume, die bis zu drei Jahre mietfrei genutzt werden können. Die Gewerbeflächen, die zwischen 25 und 260 Quadratmeter groß sind, befinden sich in der Schönherrfabrik, im ehemaligen Wirkbau sowie im Kreativhof auf dem Sonnenberg.

 

Foto: Shutterstock.com, Olivier Le Moal

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