Nachrichten | Sachsen-Anhalt

Verwunschenes Dornröschen-Projekt

Im Herzen Magdeburgs wird eine Liegenschaft zu neuem Leben erweckt: das Areal des Altstadtkrankenhauses.

Im Herzen Magdeburgs wird eine
Liegenschaft zu neuem Leben erweckt
Von Christian Wohlt, 11.04.2018

Es klingt wie aus einem Märchen. Mehr als zehn Jahre schlummerte im Herzen Magdeburgs das Areal des Altstadtkrankenhauses vor sich hin. Es schien verwunschen. Viele Ideen entstanden, was daraus werden könne, und manch einer versuchte sich daran vergeblich. Umgeben von einer Hecke dämmerte die Immobilie im Dornröschenschlaf vor sich hin, bis ein mutiger Investor kam und den Fluch des Leerstands überwand.

Karl Gerhold ist nicht nur Gründer und Chef der in Magdeburg ansässigen GETEC Gruppe, einem großen Player der Energiedienstleistungsbranche, sondern als Gesellschafter der GRUNDTEC Bauregie GmbH auch in der Immobilienbranche aktiv. Für Karl Gerhold war es bei dem eigentlich unattraktiven Haus Liebe auf den ersten Blick – verbunden mit einem großem Interesse dort zu investieren.

So erinnert sich zumindest Projektleiter Andreas Ache. Das habe bei den Verantwortlichen die Lust geweckt, sich dafür zu engagieren. „Nach der ersten Begehung ist die Begeisterung rasant gestiegen“, sagt er. Zuvor hatten sich schon andere an der Aufgabe versucht, das nach dem Auszug des Krankenhauses seit 2007 brachliegende Areal zu entwickeln. Letztlich wollte das Land Sachsen-Anhalt der Stadt Magdeburg die Liegenschaft für 5,5 Millionen Euro abkaufen und für insgesamt 95 Millionen Euro umbauen, um dort die Polizeidirektion der Landeshauptstadt unterzubringen. Kabinett und Landtag hatten bereits grünes Licht gegeben. Ende 2013 platzte der Deal in letzter Minute.

Endlich hat sich für das lange brachliegende Gelände eine Idee gefunden, die Arbeiten haben begonnen. Foto: ct-pressUnterschiedlich große Wohnungen entstehen in dem neuen Quartier. Quelle Visualisierung: GRUNDTECJahrelang umrankte eine Hecke das Areal. Foto: ct-press144 Zimmer soll das Hotel im Altstadtquartier haben. Quelle Visualisierung: GRUNDTEC

Für die GRUNDTEC ist es nicht das erste Dornröschenprojekt in der Stadt. Das jahrzehntelang ungenutzte Haus Domplatz 5 hatten die Magdeburger schon fast als unrettbarabgeschrieben. Heute lädt dort das Hotel Motel One die Besucher ein. Ein Hotel im gleichen Segment – für Touristen und Geschäftsreisende – entsteht nun auch im Altstadtquartier.

Mit 144 Zimmern, einem Frühstücksrestaurant, Bar und Tiefgarage wird das ibis Styles Hotel Magdeburg den Standort in unmittelbarer Nähe von Hauptbahnhof und Stadtzentrum beleben. Das mehrgeschossige Haus mit einer Gesamtnutzfläche von knapp 5.700 Quadratmetern soll im vierten Quartal 2019 seine Pforten öffnen.

In diesem ersten Bauabschnitt entstehen auf rund 4.300 Quadratmetern auch 50 neue barriere- und familienfreundliche Zwei- bis Fünf-Zimmer-Mietwohnungen im gehobenen Ausstattungssegment. „Junge Leute, Familien und Ältere sollen sich gleichermaßen dort wohlfühlen“, sagt Andreas Ache. Ganz wichtig sei dafür der grün gestaltete Innenbereich zwischen den Gebäuden.

Die Schaffung eines ambulanten Therapie- und Gesundheitszentrums mit Arztpraxen bestehend aus einem Medizinischen Versorgungszentrum, Facharztpraxen, einer Radiologie (CT und MRT), Unfallchirurgie, Tagesklinik und einer Sport- sowie Physiotherapie ist im zweiten Bauabschnitt, ebenfalls bis Ende 2019, geplant.

Damit knüpft das Projekt an die langjährige Nutzung an und schließt eine Bedarfslücke in der Innenstadt. Die größte bauliche Herausforderung dürfte die denkmalgerechte Sanierung des alten Krankenhausgebäudes werden. Auf 4.000 Quadratmetern Nutzfläche sind dort ein Service-Wohn-Konzept sowie Büro- und Dienstleistungsflächen vorgesehen.

Ergänzt wird das Angebot durch eine Cafeteria mit Außenbereich, die nicht nur Patienten und Bewohnern zur Verfügung steht, sondern das Gastronomieangebot in diesem Bereich der Otto-von-Guericke-Straße bereichert. Im vierten Bauabschnitt steht der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses an.

Als Abschlusstermin für das Gesamtprojekt nennt Andreas Ache das Jahr 2020. Er ist zuversichtlich, dass daraus etwas wird. Bisher laufe alles nach Plan. Einen solchen hat er auch schon für das benachbarte Grundstück in der Tasche. Die seit dem Krieg brach liegende Ostseite des Universitätsplatzes soll neu gestaltet werden und auf der Grundlage eines Architektenwettbewerbes eine Bebauung mit großstädtischem Flair erhalten. Ein bisschen Potsdamer-Platz-Atmosphäre mitten in Magdeburg. Derzeit klingt das noch wie ein Märchen. Die GRUNDTEC hat das Gelände bereits gekauft.

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