Nachrichten | Berlin

Vorsorge unabdingbar

Der Logistikmarkt boomt. Goodman baut spekulativ in Großbeeren und appelliert an die Kommunen.

Der Logistikmarkt boomt. Goodman baut spekulativ in Großbeeren
und appelliert an die Kommunen
Von Ivette Wagner, 26.02.2018

Viele Kunden haben alles – nur keine Zeit. So kurz fasst Christof Prange, Head of Business Development von Goodman Germany, eine der Herausforderungen der Logistikbranche zusammen. „Es lohnt sich spekulativ zu bauen und zu investieren, damit wir kurzfristig reagieren können.“

Genau das hat Goodman getan: 13.500 Quadratmeter entstehen bis März 2018 in Großbeeren. Der Standort habe viele Vorteile: etabliert, nah an der Stadtgrenze, günstig gelegen am Berliner Ring, Regionalbahnhaltestelle. „Gerade mit letzerem gelingt es sehr gut, Menschen zur Anreise zu motivieren. Damit stehen in Großbeeren auch Arbeitskräfte zur Verfügung.“ Genau die werden auch gebraucht in der sehr beschäftigungsintensiven E-Commerce-Branche, die immer weiter wächst.

Es könnte also alles perfekt sein. Aber: „Dieses Areal ist nahezu durchentwickelt, es gibt kaum noch Flächen“, sagt Christof Prange. Daraus lässt sich schließen, dass die spekulativ gebauten Flächen nicht lange leer bleiben werden. Die Voraussetzungen dafür schafft Goodman: Die neue Immobilie erfüllt alle Umweltstandards der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), die für ein Zertifikat in Gold erforderlich sind.

Die Logistikfläche kann entweder komplett genutzt oder in 6.550 Quadratmeter große Einheiten untergliedert werden. Sie bietet elektrisch betriebene Ladetore, eine Hallenhöhe von zwölf Metern und eine Mezzaninebene, auf der zusätzliche Büroflächen realisiert werden können. Die Immobilie ist mit einer energieeffizienten LED-Beleuchtung ausgestattet, die über Bewegungsmelder gesteuert wird. „Da wir die Immobilien langfristig im Bestand halten, spielt die Qualität der Ausstattung für uns eine große Rolle, damit wir langfristig Rendite bekommen“, sagt Christof Prange. Eine aktuelle Studie von Cushman & Wakefield listet die Ergebnisse einer Befragung von Kreditgebern auf. In dem „EMEA Lending Trends Report“ vom Herbst 2017 gehen 62 Prozent der Befragten von wachsenden Kreditbeständen in den kommenden sechs Monaten aus.

Großbeeren ist für das Unternehmen Goodman ob seiner Zentralität und der Verfügbarkeit von Arbeitskräften ein idealer Standort.

James Spencer-Jones, Head of EMEA Debt and Structured Finance von Cushman & Wakefield, sagt: „Wenn wir in die Zukunft blicken, sehen die Kreditgeber die größten Zuwachsraten im Neugeschäft im Bereich Wohnen und Studentenwohnheime, was von 28 Prozent der Befragten hervorgehoben wird. Ein Viertel der Befragten benannte zudem noch den Logistiksektor. Damit rücken diese Assetklassen näher an die traditionell starken Büro- und Handelsimmobilien heran, die weniger als ein Drittel aller Antworten auf sich vereinen konnten. Die Konzentration auf Wohnen und Logistik spiegeln die kurzfristigen Erwartungen von höheren Wachstumsraten und Renditen wider.“

Eine ähnliche Einschätzung liefern die Experten von Colliers International: Der Industrie- und Logistikimmobilienmarkt in Deutschland verzeichnete in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 ein Transaktionsvolumen von insgesamt rund 6,2 Milliarden Euro und positionierte sich mit einem Marktanteil von rund 16 Prozent am gesamtgewerblichen deutschen Immobilienmarkt auf dem dritten Platz nach Büro (46 Prozent) und Einzelhandel (20 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Investitionsvolumen von Industrie- und Logistikimmobilien von 3,2 Milliarden Euro auf 6,2 Milliarden Euro.

„Der deutsche Industrie- und Logistikmarkt ist so dynamisch wie nie zuvor und wird für viele Investoren, die bislang Industrie- und Logistikimmobilien skeptisch gegenüberstanden, immer attraktiver. Dies macht sich auch im starken Anteil am gesamtgewerblichen Immobilienmarkt bemerkbar“, sagt Peter Kunz, Head of Industrial & Logistics bei Colliers International. „Gegenüber dem Vorjahr konnten Industrie- und Logistikimmobilien ihren Marktanteil von zehn Prozent auf nun 16 Prozent steigern. Investoren sehen der Entwicklung des Onlinehandels langfristig positiv entgegen, da immer mehr Handelskonzerne auf den Online-Zug aufspringen, um ihre Waren im Internet anbieten zu können.“  So wachse das Paketvolumen in Deutschland in bislang ungekannte Dimensionen und in der Folge auch der Bedarf an neuen und am Markt verfügbaren Logistikflächen in Ballungsgebieten. Das wiederum komme den Investoren zugute, die durstig nach neuen Anlagemöglichkeiten seien.

Für den Markt rund um Berlin zeigt sich auch Christof Prange von Goodman optimistisch. „Der Vorteil ist, dass es entlang des Berliner Rings noch verfügbare Flächen gibt. Rund um München beispielsweise findet man keine so großen Flächen.“ In den Jahren nach 1989 wurden in der Region offensiv Gewerbegebiete erschlossen. „Trotzdem darf nicht aufgehört werden, an die Zukunft zu denken“, so der Logistikexperte. Die Kommunen müssten weiter Land zur Verfügung stellen, die Versorgung mit Breitband sowie Anbindungen an öffentliche Verkehrsmittel weiter vorantreiben. „Wenn eine Kommune einem potenziellen Kunden sagt, dass er irgendwann in drei Jahren eine Fläche bekommen kann, dann ist er weg. Bisher hat Berlin immer davon profitiert, dass es vorgesorgt hat.“ Man könne Kommunen nur motivieren, diese Entwicklung weiter zu gehen, alles andere wäre ein großer Fehler.

Quelle Visualisierungen: Goodman

Zurück