Berliner Immobilienkongress: Aktuelles aus den einzelnen Assetklassen

Berliner Immobilienkongress: Aktuelles aus den einzelnen Assetklassen

Berliner Immobilienkongress: Aktuelles aus den einzelnen Assetklassen
Im Architektur-Panel spielte Künstliche Intelligenz eine große Rolle. Quelle: IMMOCOM

IMMOCOM lädt die führenden Player der Immobilienbranche zu zahlreichen Diskussionen ein. Die Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen und Thesen in den einzelnen Panels.

Einladung zur Real Estate Mitteldeutschland

Führende Player der Immobilienbranche haben beim Berliner Immobilienkongress miteinander diskutiert und das Publikum mit verschiedenen Theorien, News zu verschiedenen Assetklassen und Einschätzungen zur aktuellen Lage versorgt. IMMOBILIEN AKTUELL hat eine Auswahl an Zitaten zusammengestellt.

Gesetzes-Fülle: Theorie und Praxis mit Juristen und Landentwickler

Dr. Simon Kempf, Geschäftsführung DLE Land Development: „Wir brauchen eine Verlässlichkeit. Wenn die Bezirke das nicht gewährleisten können, dann sind wir froh, wenn der Senat bestimmte Verfahren an sich ziehen kann.“

Dr. Mathias Hellriegel, Rechtsanwalt Verwaltungsrecht HELLRIEGEL RECHTSANWÄLTE: „Wir erleben aktuell, dass häufig mit den Bezirken nicht weiterkommen, obwohl Baurecht besteht. Zudem kommt es oft vor, dass das Baurecht direkt vor Ort mit der Politik und der Nachbarschaft diskutiert werden muss. Oft fehlt es an Mut bei den Entscheidern.“

Jakob Hans Hien, Rechtsanwalt Öffentliches Baurecht Umwelt- und Planungsrecht, Partner KNAUTHE Rechtsanwälte Partnerschaft mbB: „Das Schneller-Bauen-Gesetz sehe ich sehr positiv, da wird viel aufgeräumt, was die Zuständigkeiten anbetrifft.“

Theorie und Praxis wurden in dem Rechts-Panel behandelt. Quelle: IMMOCOM

Gesellschaftsimmobilien: Problem unter dem Radar? Wie Senioren in Berlin leben können

Alexander Fröse, Geschäftsführender Gesellschafter DLE LIVING: „Die starke Regulatorik auf dem Pflegemarkt ist problematisch. Pflegeplätze müssen beispielsweise in gut aufgestellten Heimen aufgrund von Einzelzimmer-Quoten reduziert werden – obwohl die Warteliste riesig ist. Ich wünsche mir von der Politik weniger Bürokratie und dafür mehr Fokus auf die Pflege. Denn da wird persönliches Engagement für die Pflegebedürftigen dringend benötigt.“

Jens Nagel, Geschäftsführer Hemsö: „Wir haben ein eingebautes Problem, das heißt Demographie. Die Verwunderung, dass es viele Pflegebedürftige mehr gibt, ist Bullshit. Die Nachfrage des Endnutzers kann man auf die Kommastelle genau vorhersagen. Dazu kommt der Fachkräftemangel, die Belastung der Kommunen wird immer größer. Der extrem fragmentierte Markt wird sich in einen wandeln, in dem große Betreiber unterwegs sind.“

Caroline Oelmann, Geschäftsführerin Berlinovo Immobilien Gesellschaft: „Wir habe in Berlin eine große Chance, weil die Regierung das Problem erkannt hat. Wir bauen bis 2028 1.500 Wohnungen, können aber selbst nicht in die Pflege einsteigen.“

Alexander Fröse eröffnete das Panel mit den wichtigsten Fakten zum Markt und zu den Wünschen der Investoren. Quelle: IMMOCOM

KI, neue Ästhetik, kaum Projekte: Das Berufsbild Architektur im Wandel

Theresa Keilhacker, Präsidentin Architektenkammer Berlin: „Wir haben sehr enge Kontakte zu Hochschulen und müssen die Lehre ändern. Es wird noch gelehrt wie vor vielen Jahren, es hat sich aber sehr viel geändert.“

Christoph Kohl, Geschäftsführer CKSA | Christoph Kohl Stadtplaner Architekten: „Als Architekt bin ich jetzt verantwortlich für das, was ich mir 2012 ausgedacht habe. Das kann nicht sein.“

Eike Becker von Eike Becker_Architekten: „Wir müssen uns mit Bestand und Neubau beschäftigen. Günstig wird das im Bestand meist nicht, weil eben einfach beispielweise die Stahlkonstruktion nicht mehr zu den heutigen Anforderungen passt.“

Stephan Schütz, Executive Partner bei gmp International: „Wir haben uns mit der Nachnutzung des Flughafens hier in Berlin schon vor über 15 Jahren beschäftigt. Da sagte der damalige Regierende Oberbürgermeister, dass es keiner Wohnungen bedürfe. 2012 wandelte sich dann das Bild. Vorausschauend sein würde uns allen helfen.“

Raus aus Berlin: Wartet im Speckgürtel das Paradies?

Gerhard Janßen, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Dahme-Spreewald: „Der Büromarkt in Schönefeld ist nicht wirklich im Gesamtgebilde implementiert, also welche Art Gewerke und Industrie sucht die Nähe eines Flughafens.“

Ilona Koch, Bereichsleiterin Commercial & Real Estate Management Flughafen Berlin Brandenburg GmbH: „Wir haben allerdings, das gehört auch zur Wahrheit, ein riesiges Verkehrsprojekt zu stemmen. Der Akzeptanz-Radius der Pendler ist mittenweile größer geworden. In Paris oder London sind zwei Stunden ganz normal, hier wird schon bei einer Stunde der Kopf gehoben.“

Silvana Eva Falk-Ott, Project Director Development Stadtquartiere pwr development GmbH: „Wir haben unseren Fokus nun eher in Brandenburg statt in Berlin. Das ist nicht weniger komplex, die Aufgaben und Herausforderungen sind andere.“

Michael Schirm, Vertriebsmanagement Immobilienwirtschaft Stadtwerke Leipzig GmbH: „Geothermie-Projekte sind im Speckgürtel besser.“

Dr. Johanna Sonnenburg, Researcher Center for Metropolitan Studies TU Berlin, Beirat BER+: „Die Gemeinde Schönefeld hat vermutlich genauso viele B-Pläne wie die Stadt Leipzig, ist aber vielmals kleiner.“

Kai-Uwe Tank, Geschäftsführender Gesellschafter TAMAX Grundinvest GmbH: „Wir hatten mit dem Hochhaus in Schönefeld-Nord eine Idee entwickelt und mit dem Bürgermeister damals einen Mehrheitsbeschluss erzielt. Neun Jahre später ist das Projekt in der Schublade, wir forcieren nun einen anderen Plan, der Sinn macht. Die komplette Kommunikation zu diesem Projekt fand später hinter verschlossenen Türen statt, was natürlich eine Unzufriedenheit entstehen lässt.“

Abgehängt und ausgebremst: Wie kommt der Berliner Officemarkt wieder in Schwung?

Alexander Lackner, Managing Partner, CEO neworld GmbH: „Wir merken bei Scalling Space einen Trend zu kleineren Einzelbüros und kleineren Gruppenräumen."

Dr. Andreas Muschter, CEO EDGE Technologies GmbH: „Es gibt unendlich viele Zertifikate, die über die Nachhaltigket einer Immobilie nichts aussagen. Für uns sind die Carbon-Zertifikate die objektivsten Kriterien. Es gibt einige Nutzer, die das Thema nicht interessiert, aber es gibt eine wachsende Gruppe, für die das ein absolutes Muss-Kriterium  ist."

Nick Puschkasch, Geschäftsführung Sonar Real Estate GmbH: „Berlin ist weiterhin stark nachgefragt, Großmieter wird es immer geben. Aber solange so viele Fragenzeichen zum Thema Finanzierung vorhanden sind, werden wir keine Developments sehen."

Anja Schuhmann, Regional Manager Berlin und Leipzig Jones Lang LaSalle SE: „Wir sehen einen Nachfrage-Überhang, der nicht nur durch den Neubau gedeckt werden kann. Berlins Wettbewerbsvorteile werden auch in Zukunft bestehen bleiben, ein Grund dafür ist, dass die die Stadt Venture Capital-Hauptstadt ist."

„Im ersten Quartal haben wir sogar eine minimale Steigerung bei den Mieten zu verzeichnen. Während die Untermietflächen in der Coronazeit monatlich stark gewachsen sind, sehen wir jetzt schon relativ stabile Anteile der Untermietflächen."

Stadt der Wohnungssuchenden: Pech für Mieter, Glück für Investoren, Sprengstoff für die Gesellschaft?

Marcus Becker, Geschäftsführer Kondor Wessels Bouw Berlin: „Wir haben in Berlin eine sehr trübe Situation, die einzigen die in Berlin aktuell investieren sind eher Wohnungsunternehmen."
 

Saidah Bojens, Niederlassungsleiterin Berlin und Sachsen Instone Real Estate Development: „Wir nehmen eine leichte Beruhigung wahr. Das Hauptprobleme der letzten zwei Jahre war die Unruhe, Stichwort Zinsmarkt. Mittenweile merkt man die Zinsstabilität, damit kann man planen."


Michael Brand, Head of Residential BlueRock Group AG: „ In Berlin ist definitiv noch etwas zu holen. Es fehlen Wohnungen , die Nachfrage wird kontinuierlich weiter steigen. Die Politik hat dafür gesorgt, dass die Nachfrage steigt, die internationalen Investoren freut es. Wir sind sehr große Fans von Berlin, im internationalen Vergleich ist die Hauptstadt sehr günstig."


Christian Crain, Regional Director DACH/CEE, Managing Director PriceHubble Deutschland: „Seit Juni 2023 ist keine Wohnung unter 20 Euro zum Erstbezug auf den Markt gekommen."


Florian Färber, Geschäftsführer The Base: „Wir glauben, dass junge Menschen bereit sind sich zu verkleinern, wenn man ihnen etwas gibt als Co-Fläche, was Sie sich sonst nicht leisten können, zum Beispiel eine große Terrasse."


Sascha Nöske, Geschäftsführung STRATEGIS AG: „Das Produkt Immobilie steht ganz anders im Fokus: Für acht Euro schaut keiner genau hin, man hat aber locker 200 Bewerber. Wenn ich etwas für 25 Euro anbiete, wird sehr genau hingeschaut."


Jan-Felipe Salzmann, Director Investment Germany Greystar Real Estate Partners: „Zeitgemäßes Wohnen schafft immer Nachfrage."

Von allen gewollt und doch ohne Lobby? Wie Stadtentwicklung funktioniert

Matthias Eisentraut, Immobilienleitung Portfoliomanagement Lidl Immobilien Dienstleistung: „Wir als Händler sehen die Stadt als Handelsmetropole, als Handelskern, wir sehen keinen Überkonsum. Wir versuchen unsere Märkte in unterschiedlichen Lagen zu platzieren. Hier geht es aber immer um das richtige Konzept."


Mark Hädicke, Projektleitung CIMA Beratung + Management GmbH: „Berlin ist, was das Thema Handel angeht, schon sehr viel weiter. Hier ist es ganz normal, dass man fußläufig einkaufen gehen kann. Das sieht im Umland ganz anders aus."

Sebastian Klatt, Geschäftsführung pwr development: „Ich glaube, dass alle Themen zur Stadtentwicklung erkannt sind. Es mangelt an aber immer an der Durchsetzungsfähigkeit."


Dr. Bastian Lange, Gründer Multiplicities: „Die 15-Minuten-Stadt ist konzeptmäßig angelegt und klar, allerdings verschlingt die Umsetzung viel Zeit und kann nicht direkt umgesetzt werden. Der Raum ist ja auch sehr umkämpft.

Simon Margraf, Bereichsleitung Wirtschaft & Politik Industrie- und Handelskammer zu Berlin: „Die Friedrichstrase ist ein gutes Beispiel: Die Autofreiheit wurde von der Politik experimental gewollt und getestet, später aufgedrückt. Ich würde mich, wenn es um Mobilität geht, nicht prinzipiell auf das Auto konzentrieren, sondern auf die gesamte Mobilität."


Benjamin Röber-Rathay, Director International Campus: „Wir gehen hier einen noch anderen Weg, indem wir mit der Nachbarschaft zusammenarbeiten, nachbarschaftliches Co-Working also. Wir wissen natürlich, dass das alles auch betriebswirtschaftlich sein und trotzdem mit der Umgebung im Einklang sein muss."

Im Panel Stadtentwicklung spielten Themen wie Handel, Mobilität und Studierendenwohnen eine Rolle. Quelle: IMMOCOM

Das Heißeste vom Heißen: Wie Bestand und Nachhaltigkeit sich gegenseitig brauchen

Peyvand Jafari, Vorstandsvorsitz PREIG AG: „Wir kaufen im Altbauten in Berlin und wollen sie transformieren. 40 Prozent unserer Wohnungen haben Ofenheizung und das sind genau diese Mieter die seit  20 oder 30 Jahren da drin wohnen. Mit Sicherheit entsprechen diese Wohnungen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Wenn die zu groß, der Partner ausgezogen oder gestorben ist, die Kinder sind raus, würden sich nicht Wenige eine neue Wohnung suchen. Die finden sie aber nicht. , aber finden nichts. Und das führt im Umkehrschluss dazu, dass sie weiterhin in dieser unsanierten Wohnung mit Ofenheizung wohnen und jdem gewünschten Ziel entgegenstehen."


Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.: „Ich würde mir von der Politik und von den Kommunen mehr Vertrauen in unsere Branche wünschen. Wir haben sehr oft eine Art Angst-Regulatorik, heißt: Es wird immer reguliert, weil man Angst davor hat über den Tisch gezogen zu werden. Da brauchen wir einen Haltungs-Switch."


Hanna Ritter, Director ESG REICON Consulting: „Ich glaube das Wichtigste ist der absolute Willen und der ist halt noch nicht bei allen da und ohne den wird das auch nichts. Da wir jetzt schon 2024 haben und 2045 nicht mehr so lange hin ist, wäre es jetzt allerdings höchste Eisenbahn wirklich in die Vollen zu gehen und das vermisse ich noch oft. Das ist auch nicht immer nur eine Geldfrage. Das wird gerne vorgeschoben."


Majd Zughaibi, Equity Partner UNDKRAUSS Bauaktiengesellschaft: „Mein Ziel ist es, dass wir nicht in diesem klassischen getrennten Modell denken: Der Architekt denkt sich was aus und der Bauunternehmer führt es aus. Ich glaube, dass die Herausforderungen, vor denen wir stehen, für einen alleine gar nicht mehr händelbar sind. Alle gemeinsam an den Tisch zu bringen und zu motivieren im Team gemeinsam zu arbeiten und Lösungen zu finden und somit tatsächlich die Ziele einzuhalten, die für den Investor relevant sind, das ist entscheidend."