Architekturbüros: Auftragslage stabilisiert sich, Stimmung fällt auf tiefsten Stand seit 2009

Architekturbüros: Auftragslage stabilisiert sich, Stimmung fällt auf tiefsten Stand seit 2009

Architekturbüros: Auftragslage stabilisiert sich, Stimmung fällt auf tiefsten Stand seit 2009

Der Geschäftsklimaindikator für deutsche Architekturbüros ist im Januar 2026 auf minus 10,0 Punkte gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni 2009. Zwar verbesserten sich die Auftragsbestände und die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im Verlauf des ersten Quartals leicht, von einer Trendwende kann jedoch keine Rede sein. Vor allem die Geschäftserwartungen bleiben von Pessimismus geprägt. Zusätzliche Unsicherheit brachte zuletzt der Krieg im Iran, der Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung erneut dämpfte. Auch das wird Thema bei NEW bauhaus am 2. und 3. September in Weimar sein.

Agentur

Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Münchner ifo-Instituts hervor, die im Auftrag der Bundesarchitektenkammer durchgeführt wird. Nachdem der Geschäftsklimaindikator zu Jahresbeginn massiv eingebrochen war, zeigte sich im Februar zunächst eine Erholung. Im März verschlechterte sich die Stimmung jedoch erneut. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage entwickelte sich etwas stabiler. Nach einem Langzeittief im Januar bewerteten die Architekturbüros ihre laufenden Geschäfte in den Folgemonaten wieder etwas positiver. Dennoch liegt der Lageindikator weiterhin deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt.

Auch die Zahl der Büros, die von Einschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit berichten, bleibt hoch. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der Unternehmen, die mangelnde Nachfrage als wesentliches Problem nennen. Die Geschäftserwartungen entwickelten sich dagegen deutlich schwächer. Nach einer kurzfristigen Aufhellung im Februar nahmen die pessimistischen Einschätzungen im März wieder spürbar zu. Das ifo-Institut verweist dabei ausdrücklich auf die zusätzliche Unsicherheit infolge des Iran-Krieges. Positiver entwickelte sich die Auftragslage. Während zu Jahresbeginn noch häufiger rückläufige Auftragsbestände gemeldet wurden, waren entsprechende Meldungen im März nur noch vereinzelt zu beobachten. Auch die Umsatzentwicklung stabilisierte sich etwas, nachdem der Umsatzrückgang im Januar besonders stark ausgefallen war. Die Erwartungen für die kommenden Monate blieben jedoch zurückhaltend. Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Personal. Die Architekturbüros meldeten auch im ersten Quartal 2026 einen fortgesetzten Beschäftigungsabbau. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen, die über Fachkräftemangel klagen. Dies deutet weniger auf eine Entspannung am Arbeitsmarkt als vielmehr auf die zurückhaltende Geschäftsentwicklung vieler Büros hin.

Die aktuelle Entwicklung steht in bemerkenswertem Kontrast zu den Erwartungen, die Ende 2025 in vielen europäischen Märkten vorherrschten. Das Europäische Architekturbarometer von USP Research hatte damals trotz zahlreicher Belastungsfaktoren eine vorsichtig optimistische Stimmung registriert. Hohe Finanzierungskosten, verschobene Projekte und eine schwache Neubautätigkeit prägten zwar bereits die Lage in vielen Ländern. Gleichzeitig rechneten zahlreiche Architekturbüros für das Jahr 2026 mit einer Belebung des Baugeschehens. Die Zahlen aus Deutschland zeigen bislang jedoch ein anderes Bild. Statt einer nachhaltigen Erholung dominieren weiterhin Unsicherheit, schwache Erwartungen und Personalabbau.

Die Situation in Europa stellte sich Ende 2025 sehr unterschiedlich dar:

Als Gründe für die damalige Zuversicht nannten die Autoren des Architekturbarometers insbesondere eine erwartete Stabilisierung der Zinsen, eine rückläufige Inflation sowie die Aussicht auf die Wiederaufnahme verschobener Projekte. Zudem entwickelte sich der Sanierungsmarkt vielerorts zu einer wichtigen Stütze der Branche. Energetische Modernisierungen, Investitionen in den Gebäudebestand und Anpassungen an neue Klimaanforderungen sorgten für zusätzliche Planungsaufträge. Die aktuellen Zahlen des ifo-Instituts zeigen jedoch, dass sich diese Hoffnungen zumindest in Deutschland bislang nicht erfüllt haben. Zwar hat sich die Auftragslage zuletzt etwas stabilisiert. Die Stimmung in den Architekturbüros bleibt jedoch deutlich schlechter als im langjährigen Durchschnitt. Vor allem die Erwartungen für die kommenden Monate sprechen bislang nicht für eine rasche Erholung des Marktes.

Architektur bei NEW bauhaus am 2. und 3. September in Weimar

Die angespannte Lage der Architekturbüros und die Frage, wie Planen und Bauen unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelingen kann, zählen auch zu den Themen von NEW bauhaus. Das Festival beschäftigt sich unter anderem mit den Folgen steigender Kosten, der Zukunft des Wohnungsbaus, der Transformation des Bestands sowie neuen Ansätzen für Planung, Architektur und Stadtentwicklung. Vertreter aus Architektur, Bauwirtschaft, Immobilienwirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutieren dabei, welche Impulse erforderlich sind, um Investitionen wieder anzuregen und die gebaute Umwelt zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Informationen zu NEW bauhaus gibt es hier