Während die Angebotsmieten in den deutschen Metropolen durchschnittlich bei fast 14 Euro pro Quadratmeter liegen, bleiben zahlreiche Städte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen deutlich günstiger. Eine aktuelle Auswertung von ImmoScout24 zeigt: Chemnitz ist bundesweit die preiswerteste Großstadt für Bestandsmietwohnungen, auch Halle (Saale), Magdeburg und Leipzig liegen unter der Zehn-Euro-Marke. Die Zahlen verdeutlichen jedoch nicht nur die Attraktivkeit vieler mitteldeutscher Standorte, sondern auch die wachsende Herausforderung, Investitionen in Wohnungsbestände wirtschaftlich darzustellen.
Chemnitz, Halle (Saale), Magdeburg und selbst Leipzig zeigen, wie stark sich der deutsche Mietmarkt inzwischen ausdifferenziert hat. Während in den großen Metropolen Angebotsmieten von fast 14 Euro pro Quadratmeter inzwischen zum Normalzustand gehören, bleiben zahlreiche Städte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen deutlich unter der Marke von zehn Euro. Die aktuelle Auswertung von ImmoScout24 für das erste Quartal 2026 rückt damit genau jene Regionen in den Fokus, die in der bundesweiten Debatte über Wohnraummangel, Mietpreisbremsen und Wohnungsknappheit oft nur eine Nebenrolle spielen.
Besonders auffällig ist Sachsen. Chemnitz führt das bundesweite Ranking der günstigsten kreisfreien Großstädte an. Die durchschnittliche Angebotsmiete für Bestandswohnungen liegt dort bei lediglich 6,27 Euro pro Quadratmeter. Für eine Wohnung mit 70 Quadratmetern ergibt sich daraus rechnerisch eine monatliche Kaltmiete von rund 439 Euro. Keine andere Großstadt in Deutschland weist derzeit niedrigere Angebotsmieten auf.
Dass Chemnitz an der Spitze dieser Statistik steht, überrascht dennoch nur auf den ersten Blick. Die Stadt profitiert seit Jahren von vergleichsweise niedrigen Wohnkosten, während gleichzeitig erhebliche Investitionen in Stadtentwicklung, Kultur und Infrastruktur erfolgen. Mit Blick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025 und die damit verbundene internationale Aufmerksamkeit hat sich die Wahrnehmung der Stadt zwar verändert. Die Mieten bewegen sich jedoch weiterhin auf einem Niveau, das bundesweit nahezu konkurrenzlos ist.
Auch Leipzig taucht in der Liste der Großstädte unter zehn Euro pro Quadratmeter auf. Das ist bemerkenswert, weil Leipzig mittlerweile offiziell zu den acht deutschen Metropolen gezählt wird. Mit durchschnittlich 8,90 Euro pro Quadratmeter bleibt die Stadt dennoch unter der psychologisch wichtigen Zehn-Euro-Grenze und landet im bundesweiten Vergleich auf Rang 21. Gleichzeitig zeigt sich dort ein anderer Trend als in Chemnitz: Die Angebotsmieten sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen. Laut aktuellen Auswertungen gehört Leipzig bundesweit zu den Städten mit den höchsten Mietsteigerungen der vergangenen Dekade.
Die Zahlen machen deutlich, dass Sachsen inzwischen zwei sehr unterschiedliche Wohnungsmärkte vereint. Auf der einen Seite stehen Städte wie Chemnitz mit sehr niedrigen Mieten und vergleichsweise hohen Leerständen. Auf der anderen Seite befindet sich Leipzig, das zwar weiterhin günstiger als Berlin, Hamburg oder München ist, dessen Dynamik jedoch zunehmend an westdeutsche Wachstumsstandorte erinnert.
Noch deutlicher fällt die Situation in Sachsen-Anhalt aus. Magdeburg erreicht mit 7,39 Euro pro Quadratmeter Rang fünf der bundesweit günstigsten Großstädte. Halle (Saale) folgt mit 7,71 Euro pro Quadratmeter auf Platz acht. Beide Städte liegen damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 9,00 Euro pro Quadratmeter und sogar weit unter dem Niveau der deutschen Metropolen, die im Durchschnitt 13,95 Euro erreichen.
Für Sachsen-Anhalt ist diese Entwicklung wirtschaftlich ambivalent. Niedrige Mieten gelten einerseits als Standortvorteil für Unternehmen, Studierende und Zuziehende. Andererseits begrenzen sie die finanziellen Spielräume vieler Wohnungsunternehmen. Die durchschnittlichen Angebotsmieten im Land liegen laut ImmoScout24 derzeit bei lediglich 6,58 Euro pro Quadratmeter. Gleichzeitig steigen Baukosten, Sanierungsaufwendungen und energetische Anforderungen kontinuierlich.
Genau darin liegt eines der zentralen Probleme vieler ostdeutscher Wohnungsmärkte. Während in München, Frankfurt oder Hamburg über Mietpreisbremsen diskutiert wird, kämpfen zahlreiche Wohnungsunternehmen in Mitteldeutschland mit der gegenteiligen Herausforderung: Die Mieten sind vielerorts zu niedrig, um umfangreiche Modernisierungen wirtschaftlich darstellen zu können. Verbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weisen seit Monaten darauf hin, dass energetische Sanierungen, altersgerechte Umbauten und die Instandhaltung großer Bestände unter diesen Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger werden.
Thüringen taucht in der aktuellen Großstadt-Auswertung zwar weniger prominent auf, weil mit Erfurt, Jena und Gera nur wenige größere Städte in die Betrachtung fallen. Dennoch zeigt sich auch dort ein vergleichsweise niedriges Mietniveau. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis im Freistaat liegt laut ImmoScout24 bei 6,89 Euro und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig entwickeln sich die Städte sehr unterschiedlich. Während Jena weiterhin als teuerster Standort Thüringens gilt und sowohl bei Grundstücks- als auch Immobilienpreisen eine Sonderrolle einnimmt, bleiben andere Regionen des Landes deutlich günstiger.
Die aktuelle ImmoScout24-Auswertung zeigt damit mehr als nur ein Ranking günstiger Mietstandorte. Sie verdeutlicht die zunehmende Spaltung des deutschen Wohnungsmarktes. Während die Metropolen immer höhere Mietniveaus erreichen und dort Wohnungssuchende unter erheblichem Druck stehen, existiert in Mitteldeutschland weiterhin ein breites Angebot an vergleichsweise günstigen Wohnungen. Gleichzeitig entstehen daraus neue Herausforderungen für Eigentümer, Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen, die notwendige Investitionen finanzieren müssen, ohne die soziale Bezahlbarkeit zu gefährden.
Gerade Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stehen damit exemplarisch für eine Entwicklung, die in der bundesweiten Diskussion häufig untergeht: Nicht überall lautet die zentrale Frage, wie Mieten begrenzt werden können. In vielen ostdeutschen Städten geht es vielmehr darum, wie bezahlbares Wohnen erhalten werden kann, obwohl die Einnahmen aus Vermietung oft deutlich geringer ausfallen als in den wirtschaftlich starken Zentren West- und Süddeutschlands.


