Welche Folgen hat der Ukraine-Krieg für die Immobilienbranche in Deutschland?

Welche Folgen hat der Ukraine-Krieg für die Immobilienbranche in Deutschland?

Welche Folgen hat der Ukraine-Krieg für die Immobilienbranche in Deutschland?
Eine Studie untersuchte die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Immobilienbranche in Deutschland. Copyright: Muhammad Imran auf Pixabay

Das B2B-Proptech-Unternehmen PriceHubble, das sich der Entwicklung innovativer digitaler Lösungen und Analysen für Wohnimmobilien widmet, hat eine aktuelle Studie veröffentlicht: „Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Immobilienbranche in Deutschland“. Die wichtigsten Erkenntnisse ...

Immobileros

79 Prozent der Immobilienfachleute, welche an der Studie teilgenommen haben, sind der Meinung, dass sich die Ukraine-Krise in den nächsten zwölf Monaten negativ bis sehr negativ auf ihr Unternehmen auswirken könnte. 19 Prozent finden, dass sich keine Auswirkungen abzeichnen werden. Lediglich zwei Prozent der Antwortenden sehen demgegenüber eine leicht positive Entwicklung für ihr Geschäft.

79 Prozent befürchten negative Auswirkungen des Ukraine-Krieges

Gründe für eine Veränderung sind, laut der Befragten, vor allem die Unsicherheiten im Markt, die zu einem deutlichen Nachfragerückgang potenzieller Käufer führen. Ein Makler kommentiert: „Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist um 30 bis 40 Prozent eingebrochen.“ Weitere viel genannte Gründe sind die steigenden Zinsen, steigende Baukosten und Rohstoffpreise, sowie die steigende Inflation, die zu weniger Wohlstand führt und die Nachfrage damit zusätzlich dämpft. Ein Makler und Asset Manager resümiert: „Investoren sind nicht mehr bereit oder können nicht mehr die Spitzenpreise zahlen. Vor allem ausländische Investoren sind zögerlicher in Deutschland zu investieren, aufgrund der starken Abhängigkeit des Landes im Energiesektor. Alternative Anlagen werden damit zunehmend attraktiver.“

Projektverschiebungen um bis zu zwei Jahre erwartet

Generell sehen die Mehrheit der Immobilienfachleute - nämlich 54 Prozent - einen Rückgang in der Anzahl der Mandate in den nächsten zwölf Monaten - einen Anstieg dagegen nur 17 Prozent. 29 Prozent der Befragten rechnen mit keiner Veränderung in der Anzahl der Mandate. „Mehr Mandate sind jetzt bereits zu verzeichnen. Verkäufer sehen den Zug der hohen Preise aus dem Bahnhof fahren und möchten noch mitfahren“, so ein Makler und Asset Manager.

Nur 22 Prozent der Antwortenden sind der Meinung, dass Projekte aufgrund des Ukraine-Krieges nicht verschoben werden. 15 Prozent rechnen mit einer Verschiebung um bis zu sechs Monate, 19 Prozent mit einem Aufschub von sechs bis zwölf Monaten, 26 Prozent von zwölf bis 18 Monaten, vier Prozent mit einer Verschiebung der Projekte um 18 bis 24 Monate und weitere 15 Prozent sogar um bis zu 24 bis 30 Monaten.

Erschwinglichkeit von Immobilien sinkt

88 Prozent der Personen haben die Frage, ob sich die steigenden Hypothekarzinsen auf ihr Geschäft ausgewirkt haben, mit „Ja“ beantwortet. 12 Prozent sind der Meinung, dass sich bisher keine Wirkung gezeigt hat.

In den Kommentaren meinen die meisten, dass die Nachfrage sinkt, weil Käufer abspringen, die sich aufgrund der gestiegenen Zinsen die Immobilie nicht mehr leisten können. Einige rechnen daher damit, dass die Preise sinken müssen und werden. Ein Makler erklärt: „Der Erschwinglichkeitsindex verschlechtert sich deutlich.“ Projektentwickler sehen bereits, dass sich einige Projekte nicht mehr rechnen werden, weil die Renditen durch die gestiegenen Kosten zu gering seien.

Mieten für Wohnimmobilien werden steigen

Laut Meinung der Mehrheit der Befragten (53 Prozent) werden die Mieten für Wohnimmobilien steigen, da die Nachfrage nach Mietwohnungen aufgrund unattraktiver Preise für Eigentum steigen werde. Ein Makler fasst zusammen: „Die Mieten müssen und werden weiter steigen. Es wird weniger gebaut aber die Nachfrage bleibt hoch.“


Christian Crain, Geschäftsführer PriceHubble Deutschland: „Wenn der überhitzte Wohnungsmarkt abkühlt, bricht er deswegen nicht sofort ein. Wir werden in Zukunft vermehrt ehrliche Marktpreise statt Vermarktungspreise sehen. Die Seitwärtsbewegung in der Immobilienwirtschaft unterstreicht, dass die Branche auch auf Normaltemperatur funktioniert.“


Betongold bleibt wichtige Anlage

38 Prozent der Befragten geben an, dass die Preise für Wohnimmobilien in den nächsten zwölf Monaten fallen werden. Während 44 Prozent der Meinung sind, dass die Preise steigen werden. 27 Prozent gehen sogar von Preiserhöhungen von über zehn Prozent aus. Nur 19 Prozent geben an, dass keine Veränderung der Preise stattfinden wird.

Als Gründe für einen möglichen Preisanstieg werden genannt: Inflation, Baukosten und steigende Hypothekarzinsen. Diejenigen, die sinkende oder stagnierende Preise prognostizieren, sehen darin vor allem eine Marktbereinigung und das Ende der Preisübertreibungen. Einige sehen sogar Preissenkungen um 20 bis 25 Prozent. Ein Makler, der leichte Preissenkungen annimmt, differenziert: „Städte bleiben unverändert, Umland wird sich verändern.“

Das gleiche gilt aber nicht für den Luxusimmobiliensektor. Dort gehen 73 der Befragten davon aus, dass die Preise entweder gleich bleiben oder steigen, getreu dem Motto „Luxus geht immer“, wie ein Makler die Frage kommentiert. Einige Befragte rechnen, wenn dann nur mit einer leichten Senkung. Grundsätzlich sei “Betongold” für diese Käuferschicht immer noch eine wichtige Anlage.

Energieeffiziente Objekte werden langfrisitig die Gewinner sein

Mit Blick auf Immobilien mit einer hohen Energieeffizienzklasse (A oder A+) rechnen gut zwei Drittel der Befragten mit einer stärkeren Veränderung der Kaufpreise und gut die Hälfte auch mit einem stärkeren Veränderung der Mietpreise. Auf die Frage, ob sich die Nachfrage nach Wohnungen oder Häusern mit einer hohen Energieeffizienzklasse seit Beginn der Krise verändert habe, antworteten nur 21 Prozent mit ja. Vor allem langfristig sehen einige Teilnehmer aber einen positiven Trend für diese Immobilienklasse. „Besonders energieeffiziente Immobilien werden die Gewinner sein“, kommentiert ein Makler.

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