Dresden steckt 8,4 Millionen Euro in sichere Wege – und folgt einem bundesweiten Trend

Dresden steckt 8,4 Millionen Euro in sichere Wege – und folgt einem bundesweiten Trend

Dresden steckt 8,4 Millionen Euro in sichere Wege – und folgt einem bundesweiten Trend

Dresden will 2026 quer durch die Stadt Gehwege, Zebrastreifen und Radrouten ausbauen, mit Schwerpunkt auf Schulwegen. Die Maßnahmen fügen sich ein in eine Entwicklung, die auch bundesweite Mobilitätsdaten zeigen: mehr Wege zu Fuß und mit dem Rad, weniger Dominanz des Autos.

Agentur

Die Landeshauptstadt Dresden plant im Jahr 2026 Investitionen von rund 8,4 Millionen Euro in den Fuß- und Radverkehr. Das geht aus einer städtischen Mitteilung hervor, in der der Schwerpunkt ausdrücklich auf der Sicherheit von Schulwegen und dem weiteren Ausbau des Radverkehrsnetzes liegt. 3,8 Millionen Euro sind demnach für Radverkehrsmaßnahmen vorgesehen, 4,6 Millionen Euro für den Fußverkehr, ergänzt um Mittel in komplexen Straßenbauprojekten. Die Stadt verweist zugleich auf bundesweite Entwicklungen, nach denen der Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr an Bedeutung gewinnt.

Die Maßnahmen in Dresden fallen in eine Phase, in der sich die Alltagsmobilität in Deutschland laut der Studie „Mobilität in Deutschland 2023“ spürbar verschoben hat. Die bundesweite Haushaltsbefragung im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zeigt, dass täglich rund 249 Millionen Wege zurückgelegt werden – drei Prozent weniger als 2017 – und dass vor allem der motorisierte Individualverkehr zurückgegangen ist. Der Modal Split verschiebt sich: In Großstädten werden 31 Prozent der Wege zu Fuß zurückgelegt, nahezu so viele wie mit dem Auto (33 Prozent), der Radverkehr erreicht einen Anteil von 15 Prozent, der öffentliche Verkehr 21 Prozent. Der Bund wertet die Zahlen als Hinweis auf eine stärkere Nutzung von Fuß- und Radverkehr insbesondere in urbanen Räumen.

Parallel hat die Bundesregierung 2025 die erste nationale Fußverkehrsstrategie beschlossen, die der zu Fuß gehenden Bevölkerung mehr Gewicht in der Verkehrsplanung geben soll. Grundlage ist unter anderem die Erkenntnis aus der MiD, dass über 80 Prozent der Menschen in Deutschland regelmäßig Wege zu Fuß zurücklegen. Die Strategie empfiehlt Kommunen, bei der Aufteilung des Straßenraums künftig „von außen nach innen“ zu planen – zuerst ausreichend breite Gehwege, dann Flächen für den Radverkehr, zuletzt Fahrbahnen für den Autoverkehr. Dresden setzt mit den angekündigten Investitionen Leitlinien dieser Strategie praktisch um, indem neue Querungsstellen, verbreiterte Gehwege und Gehwegvorstreckungen einen Schwerpunkt bilden.

Im Zentrum der Dresdner Planungen steht die Schulwegsicherheit. Grundlage ist ein Stadtratsbeschluss von 2021, auf dessen Basis alle Grundschulen systematisch untersucht wurden. Fünf Standorte mit besonders hoher Gefährdungslage – unter anderem die 4., 8., 35., 95. und 103. Grundschule – sollen bereits ab Frühjahr 2026 kurzfristige Verbesserungen erhalten. Geplant sind dort markierte Gehwegvorstreckungen, gesonderte „Elterntaxi“-Haltestellen und zusätzliche Radabstellanlagen, bauliche Umbauten und neue Fußgängerüberwege sollen ab 2027 folgen. Auch an weiterführenden Schulen wie dem Gymnasium „LEO“ sowie an der Freien Evangelischen Schule sind breitere Gehwege, neue Querungshilfen und Ampelanlagen vorgesehen.

Der zuständige Verkehrs­bürgermeister Stephan Kühn begründet den Fokus auf Kinder und Jugendliche mit deren Mobilitätsverhalten: Laut städtischen Angaben entfallen 55 Prozent ihrer Wege auf das Zufußgehen oder Radfahren. Dieser Wert passt zu bundesweiten Befunden aus einer Grundlagenstudie der ADAC-Stiftung zur Mobilität junger Menschen, wonach Jugendliche in hohem Maße zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem ÖPNV unterwegs sind und Sicherheit im Straßenraum als zentrales Kriterium benennen. In der Dresdner Mitteilung wird zudem darauf verwiesen, dass Geschwindigkeitskontrollen zeigen, wie auch vor Schulen und Kindergärten Tempolimits häufig nicht eingehalten werden. Die Stadt setzt daher neben Kontrollen verstärkt auf bauliche Eingriffe wie zusätzliche Querungsstellen, Zebrastreifen und gesicherte Radwege.

Auch jenseits der Schulstandorte sind für 2026 mehrere Eingriffe in das Fußwegenetz geplant. Insgesamt sieben neue Fußgängerüberwege sollen im Stadtgebiet entstehen, etwa an der Ecke Dammweg/Lößnitzstraße, an der Glacisstraße in Höhe des Heinrich-Schütz-Konservatoriums und an der Schönfelder Landstraße. Ergänzend sind weitere Querungshilfen, Mittelinseln und Gehwegvorstreckungen vorgesehen, beispielsweise auf der Münchner Straße und der Pappritzer Straße. Bestehende Gehwege sollen saniert und barrierefreier gestaltet werden, 1,5 Millionen Euro fließen in moderne Straßenbeleuchtung, darunter LED-Umrüstung und intelligente Steuerungen.

Beim Radverkehr setzt Dresden auf ein Netzkonzept mit benannten Hauptrouten. Die Radroute Dresden Ost befindet sich in der letzten Bauphase. Bereits 2025 wurden dort an sechs Kreuzungen Gehwegvorstreckungen umgesetzt und eine neue Verbindung zwischen der Canalettostraße und dem Straßburger Platz als kombinierter Geh- und Radweg hergestellt. 2026 soll der östliche Abschnitt auf der Kipsdorfer Straße zwischen Altenberger Straße und Schulcampus Tolkewitz folgen, inklusive Einrichtung einer Fahrradstraße. Laut städtischen Angaben haben Verkehrszählungen gezeigt, dass sich die Route etabliert hat; sie wird demnach ähnlich intensiv genutzt wie der Elberadweg.

Parallel beginnt die Stadt mit ersten Abschnitten der Radroute Dresden Süd. Zunächst werden Anbindungen von der Budapester Straße in die Wielandstraße und die Hohe Straße hergestellt, die perspektivisch zu Fahrradstraßen umgewidmet werden sollen. Darüber hinaus sind neue Radverkehrsanlagen an der Reicker Straße/Altreick/Mügelner Straße, Fahrbahnsanierungen mit Radverkehrsbezug an der Heidestraße sowie weitere Schutzstreifen und Radfahrstreifen – etwa an der Kesselsdorfer und Blasewitzer Straße – geplant. An elf Standorten sollen Rotmarkierungen die Sichtbarkeit von Radverkehr erhöhen, außerdem sind neue Fahrradabstellanlagen mit rund 200 Einstellmöglichkeiten sowie Lastenradstellplätze an zehn Standorten vorgesehen.

?Ein wichtiger Baustein im Sinne verknüpfter Mobilität ist der geplante Bau eines Fahrradparkhauses am Bahnhof Dresden-Neustadt. Ab Sommer 2026 sollen dort mehr als 800 Stellplätze entstehen, um Umstiege zwischen Rad und Bahn zu erleichtern. Die MiD 2023 verweist darauf, dass das Deutschlandticket die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs deutlich erhöht hat und multimodale Wegeketten – etwa per Rad zur Haltestelle, weiter mit Bahn oder Bus – an Bedeutung gewinnen. Solche Abstellanlagen gelten in der Fachliteratur als Voraussetzung dafür, dass Pendler das Fahrrad als Zubringer zum ÖPNV nutzen.

Auch überregional will Dresden Rad- und Wanderwege stärken. Entlang des Elberad- und Wanderwegs werden derzeit mehrere Abschnitte parallel geplant oder gebaut. In Übigau wird im Zuge der Deichertüchtigung der rechtselbische Radweg zwischen Autobahn- und Flügelwegbrücke bis 2027 ausgebaut, anschließende Abschnitte bis Pieschen sollen bis 2030 folgen. In Johannstadt laufen vorbereitende Umweltuntersuchungen zur geplanten Erweiterung des Elberadwegs, in Niederpoyritz befinden sich zwei Abschnitte in Bebauungsplanverfahren. Der Elberadweg ist eine der wichtigsten touristischen und alltäglichen Radachsen der Stadt und wird in regionalen Untersuchungen regelmäßig als stark frequentiert ausgewiesen.

Vor dem Hintergrund knapper kommunaler Haushalte und eines bundesweiten Rekorddefizits bei Städten und Gemeinden von fast 25 Milliarden Euro hebt etwa der Städtetag NRW hervor, dass viele Kommunen ihren Investitionsspielraum als stark eingeschränkt sehen. Zugleich verweisen kommunale Spitzenverbände darauf, dass sich die Nutzungsmuster bereits geändert haben: In vielen Städten sind mehr Menschen mit dem Fahrrad, E?Bike oder zu Fuß unterwegs als früher. Dresden reiht sich mit seinem Programm für 2026 in diese Entwicklung ein, indem die Stadt zusätzliche Mittel auf Fuß- und Radinfrastruktur konzentriert.

Die MiD 2023 deutet darauf hin, dass die Dominanz des Autos beim Wegeanteil zwar abnimmt, der motorisierte Individualverkehr aber weiterhin den größten Anteil an der Verkehrsleistung hat. Gleichzeitig zeigen andere Erhebungen, etwa der ADFC-Fahrradklima-Test 2024, dass sich die Zufriedenheit von Radfahrenden in vielen Großstädten leicht verbessert, die Mehrheit sich im Straßenverkehr jedoch weiterhin nicht sicher fühlt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie konsequent Städte ihre Infrastruktur für den Umweltverbund ausbauen können und wollen. Dresden setzt 2026 einen Schwerpunkt auf bauliche Maßnahmen für sichere Schulwege, neue Fußwege und durchgehende Radrouten – und bewegt sich damit im Rahmen der bundesweiten Leitlinien, die Fuß- und Radverkehr stärker als gleichberechtigte Mobilitätsformen verankern sollen.