Der Wettbewerb um den Ersatzneubau der Carolabrücke geht in die entscheidende Phase. Vier Planungsteams haben ihre Entwürfe für die neue Elbquerung eingereicht und erstmals dem Begleitgremium vorgestellt. Damit liegt nun eine konkrete Grundlage für die weitere Diskussion über eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Landeshauptstadt vor.
Bemerkenswert ist dabei, dass alle vier Vorschläge einen ähnlichen Ausgangspunkt wählen: Sie orientieren sich an den historischen Dresdner Bogenbrücken und versuchen zugleich, die Transparenz und Leichtigkeit der zuletzt bestehenden Carolabrücke zu bewahren. Unterschiede zeigen sich vor allem in der architektonischen Interpretation, der Aufenthaltsqualität sowie der Einbindung in den Stadtraum.
Die Entwürfe im Überblick:
- FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft setzen auf eine Neuinterpretation der historischen Brückenbögen. Ziel ist eine Verbindung aus klassischer Brückenbaukunst und moderner Ingenieurtechnik. Die Konstruktion soll sich durch hohe Transparenz auszeichnen und freie Sichtachsen auf Altstadt und Elbe ermöglichen.
- Das Ingenieurbüro GRASSL verfolgt einen zurückhaltenden Ansatz. Die Brücke soll sich sensibel in das Stadtbild einfügen und gleichzeitig durch sogenannte „Brückenaugen“ sowie Aufenthaltsbereiche auf den Pfeilern zusätzliche Qualitäten für Fußgänger schaffen. Geplant sind Stadtbalkone mit Blick auf Altstadt, Neustadt und Elbe.
Quelle: Grassl - Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft und DKFS verstehen die Brücke ausdrücklich als Teil des öffentlichen Raums. Vorgesehen sind eine „Carola-Promenade“ und ein Elbbalkon als zusätzliche Aufenthaltsorte. Konstruktiv setzt der Entwurf auf eine Kombination aus Spannbeton und Stahl. (Quelle: DKFS)

- Leonhardt, Andrä und Partner gemeinsam mit Knight Architects greifen ebenfalls die Formensprache der historischen Königin-Carolabrücke auf. Ein zentrales Element ist ein Promenadenweg auf der Brücke, der den Altstädter und Neustädter Elbraum stärker miteinander verbinden und zusätzliche Aufenthaltsqualität schaffen soll.
Quelle: LAP
Gemeinsam ist allen Konzepten der Anspruch, die Sichtbeziehungen zur Dresdner Altstadt möglichst wenig zu beeinträchtigen. Gleichzeitig soll die neue Carolabrücke nicht nur Verkehrsinfrastruktur sein, sondern auch als öffentlicher Raum wahrgenommen werden. Promenaden, Balkone oder Aufenthaltsflächen spielen daher in sämtlichen Entwürfen eine wichtige Rolle.
Die vorgestellten Entwürfe für den Ersatzneubau der Carolabrücke stoßen bereits auf erste Reaktionen. In lokalen Medien und sozialen Netzwerken wird vor allem die große Bandbreite der Konzepte diskutiert, die von einer eher zurückhaltenden Ingenieurbau-Lösung bis hin zu Entwürfen mit zusätzlichen Aufenthalts- und Freizeitflächen reicht. Besonders die Frage, ob die neue Brücke vor allem funktional sein oder einen stärkeren städtebaulichen Akzent setzen sollte, prägt die Debatte. Zugleich wird die Herausforderung hervorgehoben, eine zeitgemäße Brücke zu schaffen, die sich sensibel in die historisch geprägte Dresdner Elblandschaft einfügt. Eine klare Favoritenrolle eines einzelnen Entwurfs zeichnet sich bislang nicht ab. Mit der öffentlichen Ausstellung und dem Bürgerdialog wird jedoch erwartet, dass die Diskussion in den kommenden Wochen deutlich an Dynamik gewinnt.
Eine Bewertung der Vorschläge hat bislang noch nicht stattgefunden. In einem ersten Schritt wurden die Entwürfe lediglich vorgestellt; zulässig waren ausschließlich Verständnisfragen. Nun folgt die fachliche Prüfung durch die zuständigen Ämter der Stadt. Anfang Juni befasst sich zudem ein extern besetztes Fachgremium mit den Konzepten und gibt Empfehlungen für das weitere Verfahren ab.
Ab dem 13. Juni können sich auch die Dresdner selbst ein Bild machen. Im Stadtforum werden Modelle und Visualisierungen aller vier Vorschläge öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung läuft bis zum 17. Juli und soll die Diskussion über die künftige Gestalt der Elbquerung in die Stadtgesellschaft tragen.


