Einbruch auf dem Wohnungsmarkt setzt sich fort

Einbruch auf dem Wohnungsmarkt setzt sich fort

Einbruch auf dem Wohnungsmarkt setzt sich fort
Quelle: ChatGPT

Die Wohnungsbaukrise in Deutschland verschärft sich weiter. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im Jahr 2025 bundesweit nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht einem Rückgang um 18,0 Prozent beziehungsweise 45.400 Wohnungen gegenüber dem Vorjahr. Die Immobilienbranche äußert sich.

Agentur

Bereits 2024 war die Zahl der Fertigstellungen deutlich zurückgegangen. Damit erreicht der Neubau den niedrigsten Stand seit 2012. Besonders problematisch: Der Rückgang trifft auf einen Markt mit weiterhin hohem Bedarf. Gleichzeitig bleibt der Bauüberhang groß. Ende 2025 lagen deutschlandweit 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen vor. Mehr als 307.000 davon befanden sich bereits im Bau. Hinzu kommt, dass sich die durchschnittliche Dauer zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung eines Wohngebäudes seit 2020 um sieben Monate verlängert hat. Für viele Unternehmen ist das inzwischen weniger eine kurzfristige Schwächephase als vielmehr Ausdruck eines strukturellen Problems. Hohe Baukosten, gestiegene Finanzierungskosten, umfangreiche Vorgaben sowie unsichere Förderbedingungen erschweren die wirtschaftliche Umsetzung vieler Projekte. Genehmigungen allein führen deshalb längst nicht mehr automatisch zu neuer Bautätigkeit.

BFW-Präsident Dirk Salewski sieht in den aktuellen Zahlen ein zunehmendes Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Die Fertigstellungszahlen beim Wohnungsbau sind Gradmesser für den Erfolg des Landes insgesamt. Denn die Wertschöpfung beim Wohnungsbau findet komplett inländisch statt. Ohne ausreichend Wohnungsneubau fehlt das Fundament für Wachstum. Wenn Häuser und Wohnungen fehlen, dann ist das ein knallharter Standortnachteil. Die Leute, die am Wachstum arbeiten sollen, können nirgendwo in den Metropolen eine bezahlbare Unterkunft finden.“

Tatsächlich verschärfen sich parallel weitere Kennzahlen. Nach Angaben des BFW lebten 2025 bereits 11,7 Prozent der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen. Haushalte mit Kindern sind davon besonders häufig betroffen. Zudem verschlechterte sich das Geschäftsklima im Wohnungsbau laut ifo-Institut im April deutlich von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte. Das war der stärkste Rückgang seit April 2022. Auch die Beschäftigung im Baugewerbe ging zurück: Im ersten Quartal 2026 arbeiteten dort 27.000 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. „Es geht nicht um Schwarzmalerei, aber eben auch nicht ums Schönreden“, erklärt Dirk Salewski. „Diese Auflistung von Hiobsbotschaften ließe sich immer weiter so fortsetzen im siebten Jahr ohne Wachstum. Es wird Zeit, dass aus den Ankündigungen endlich Gesetze werden.“

Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW sieht in den aktuellen Zahlen ein deutliches Warnsignal. GdW-Präsident Axel Gedaschko verweist darauf, dass sich die angespannte Lage zunehmend direkt auf Mieten und Wohnraumversorgung auswirke: „45.400 Wohnungen weniger innerhalb nur eines Jahres sind ein wohnungspolitischer Alarmruf. Wenn in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt werden, zeigt das schonungslos, wie sehr der Wohnungsbau durch Überregulierung, hohe Baukosten und politische Unsicherheit ausgebremst wird. Die Menschen spüren das längst durch weiter steigende Mieten und fehlenden Wohnraum.“ Das Verbändebündnis Wohnungsbau bewertet die aktuellen Zahlen ebenfalls als Ausdruck einer strukturellen Krise. Deutschland liege weiterhin deutlich unter dem Bedarf von rund 400.000 Wohnungen pro Jahr. Besonders kritisch sehen die Verbände, dass sich die Produktionskapazitäten zunehmend zurückbilden. Unternehmen verschieben Investitionen, Projekte werden storniert oder deutlich später umgesetzt.

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Politik. Mehrere Verbände fordern einfachere Baustandards, schnellere Genehmigungen und verlässlichere Förderbedingungen. Axel Gedaschko mahnt einen „verbindlichen Abwägungsvorrang für den Wohnungsbau“ sowie „einen einfachen und rechtssicheren Basisstandard“ an. Andernfalls drohe eine weitere Verschärfung der Lage auf dem Wohnungsmarkt. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie kritisiert insbesondere die Vielzahl unterschiedlicher Regelungen in den Bundesländern. Dr. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des HDH, erklärt: „Es ist Zeit, die Hemmnisse für das Bauen einzureißen! Neben steigenden Bauzinsen sind es politisch gemachte Vorschriften und bürokratische Hürden, die das Bauen für die Menschen verteuern. Die föderale Zersplitterung der Landesbauordnungen muss endlich ein Ende haben.“ Diskutiert wird derzeit unter anderem der sogenannte Gebäudetyp E. Viele Marktteilnehmer sehen darin die Möglichkeit, einfacher und kostengünstiger zu bauen. Nach Ansicht des HDH fehlen bislang jedoch klare Regelungen bei Haftungsfragen und der praktischen Umsetzung. Zudem kritisiert der Verband, dass zentrale Erleichterungen bei Vergabe- und Beschleunigungsverfahren bislang ausgeblieben seien.

Der Immobilienverband Deutschland warnt zugleich vor zusätzlichen Eingriffen in den Mietmarkt. IVD-Präsident Dirk Wohltorf erklärt: „Jetzt ist nicht die Zeit für neue Regulierung und die Verwaltung des Mangels. Noch schärfere Mietpreisregulierung lösen die Wohnungsfrage nicht – sie verschärft Investitionsbedingungen zusätzlich.“ Stattdessen brauche es „weniger Vorschriften, einfachere Verfahren und konsequent nur noch Mindestbaustandards statt immer neuer Anforderungen“.

Die aktuellen Zahlen gelten dabei längst nicht mehr nur als Problem des Wohnungsmarktes. Viele Verbände verweisen auf die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Neubaus. Wohnungsbau schaffe Beschäftigung im Handwerk, in der Industrie, bei Planern, Fachhändlern und zahlreichen weiteren Bereichen. Entsprechend deutlich fällt inzwischen auch der politische Druck aus. Das Verbändebündnis Wohnungsbau fordert ein entschlosseneres Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen. Hinzu kommt, dass sich auch bei den Neuaufträgen bislang keine nachhaltige Erholung abzeichnet. Der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe sank im März 2026 gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 1,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag das Minus bei 7,7 Prozent. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Tiefbau aus. Auch im Dreimonatsvergleich blieb der Auftragseingang rückläufig.