Die Immobilienbranche diskutiert ESG oft über große Investitionen. Dabei liegt einer der wirksamsten Hebel längst im Bestand. Heizungsoptimierung ist kein technisches Detail, sondern eine Frage von Effizienz, Klimawirkung und Rendite. Wer diesen Hebel ignoriert, lässt messbare Wirkung liegen. myWarm-Geschäftsführer Klaus Hense schaut für IMMOBILIEN AKTUELL auf das Thema.
In der Immobilienwirtschaft stehen bei ESG, Dekarbonisierung und Energieeffizienz häufig große Maßnahmen im Fokus: Fassadensanierungen, Fenstertausch oder der Umstieg auf neue Wärmeerzeuger. Was dabei oft übersehen wird, ist ein vergleichsweise einfacher, aber höchst wirksamer Hebel im Bestand: die Heizungsoptimierung – allen voran der temperaturbasierte hydraulische Abgleich.
Effizienz im Portfolio steigern
Gerade in großen, gewachsenen Portfolios mit unterschiedlichen Gebäudetypen und Nutzerprofilen ist der hydraulische Abgleich ein zentraler Effizienztreiber. Er sorgt dafür, dass Heizenergie genau dorthin gelangt, wo sie gebraucht wird: gleichmäßig, bedarfsgerecht und ohne Über- oder Unterversorgung einzelner Bereiche. Das Ergebnis: spürbar niedrigere Verbräuche, reduzierte Betriebskosten und ein messbarer Beitrag zu ESG-Zielen. Und das ohne lange Bauarbeiten, Mieterauszüge oder aufwendige Umbauten.
Warum klassische Methoden oft scheitern
Klassische, rein berechnungsbasierte Abgleichverfahren stoßen im Bestand schnell an ihre Grenzen. Ungenaue Pläne, nachträgliche Umbauten oder unterschiedliche Nutzerprofile führen dazu, dass theoretische Annahmen nicht mit der Realität übereinstimmen. Genau hier setzen temperaturbasierte Verfahren an: Sie messen Vor- und Rücklauftemperaturen, Durchflüsse und Wärmeverteilungen direkt im laufenden Betrieb und gleichen die Anlage auf Basis tatsächlicher Daten ab – nicht auf Basis von Annahmen.

Temperaturbasierte Methoden: präzise, schnell, wirtschaftlich
Das macht temperaturbasierte Methoden besonders geeignet für große, heterogene Bestände: Sie sind robuster, schneller umsetzbar und wirtschaftlicher, weil Planungsaufwand reduziert wird und gleichzeitig verlässliche Ergebnisse entstehen. Für Bestandshalter bedeutet das Skalierbarkeit, Planungssicherheit und messbare Einsparungen über das gesamte Portfolio hinweg. Mit unserem patentierten, temperaturbasierten Verfahren haben wir bereits über 200.000 Heiz- und Kühlflächen hydraulisch abgeglichen und Einsparungen von bis zu 35?% erzielt.
Direkter Beitrag zum Klimaschutz
Jede eingesparte Kilowattstunde reduziert CO?-Emissionen unmittelbar – unabhängig davon, ob ein Gebäude mit Öl, Gas, Fernwärme oder Wärmepumpen versorgt wird. Gleichzeitig verbessert eine optimierte Heizungsanlage die Voraussetzungen für künftige Systeme: Niedrigere Rücklauftemperaturen erhöhen die Effizienz von Fernwärmenetzen, senken Netzentgelte und erleichtern die Integration erneuerbarer Wärmequellen.
Strategisches Instrument für Investoren
Auch aus regulatorischer Sicht gewinnt die Heizungsoptimierung an Bedeutung. Sie zahlt direkt auf die EU-Taxonomie ein, verbessert Energiekennzahlen und unterstützt die Erfüllung von ESG-Reporting-Anforderungen. Für Investoren und Bestandshalter wird sie damit nicht nur zu einer technischen Maßnahme, sondern zu einem strategischen Instrument zur Wertstabilisierung und Risikominimierung.
Politische Verlässlichkeit sichern
Was es dafür braucht, ist vor allem eines: politische Verlässlichkeit. Die Immobilienbranche plant langfristig, nicht über Legislaturperioden. Klare gesetzliche Vorgaben und stabile Förderstrukturen sind entscheidend, damit Investitionen zielgerichtet wirken. Der hydraulische Abgleich ist minimalinvasiv, schnell wirksam und wirtschaftlich sinnvoll. Er sollte daher nicht als Randthema behandelt werden, sondern als fester Bestandteil energiepolitischer Strategien.
Intelligente Optimierung entscheidet
Die Wärmewende im Gebäudebestand wird nicht durch Großprojekte allein entschieden. Sie beginnt dort, wo bestehende Systeme intelligent optimiert werden. Der temperaturbasierte hydraulische Abgleich zeigt, wie Effizienz, Klimaschutz und Rendite zusammenwirken – und warum er in jedem Portfolio ein unverzichtbarer Hebel ist.


