Die Baumesse HAUS in Dresden gilt seit Jahrzehnten als Auftakt der Bausaison. Mehr als 400 Aussteller aus sieben Ländern präsentierten Produkte und Dienstleistungen rund um Planung, Bau, Sanierung und Energieeffizienz. Neben Baustoffen, Haustechnik und Hauskonzepten zeigte sich auf der Messe vor allem eines: Bauinteressenten entscheiden vorsichtiger, Risiken werden intensiver diskutiert und Beratungsgespräche dauern deutlich länger. Neubauhäuser geraten laut Europace Hauspreisindex weiter unter Druck.
Ein Thema zog sich durch viele Gespräche an den Ständen: die Sorge vor einer Insolvenz des Bauträgers während der Bauphase. Gleichzeitig beobachten Branchenvertreter, dass sich der Markt für Bestandsimmobilien derzeit schwierig entwickelt. „Bestand funktioniert momentan nicht sehr gut, das ist vielen zu sehr mit Risiko behaftet“, sagte Andreas Lehmann von der Allianz Versicherung Andreas Lehmann Generalvertretung. Er verwies zugleich auf vergleichsweise gute Förderbedingungen im Freistaat Sachsen. Die Programme der Sächsischen Aufbaubank bewertete er positiv. „Im Vergleich mit anderen Bundesländern ist die Förderung wirklich sehr gut. Hier können sich Familien Eigenkapital durch die Förderung aufbauen und sich so den Wunsch nach einem Eigenheim erfüllen.“
Auch Projektentwickler spüren die veränderte Marktsituation. Uwe Köhn von der gleichnamigen Unternehmensgruppe, die unter anderem Projekte in Dresden, Radebeul und Weinböhla entwickelt und sowohl Eigenheime als auch Geschosswohnungsbau realisiert, berichtet von deutlich längeren Entscheidungsprozessen. „Wenn man es richtig macht, kann man bauen“, sagt er. Sein Unternehmen beginne Projekte teilweise auch ohne Vorvermietung. „Dann sehen die Leute, dass tatsächlich gebaut wird. Das hilft in vielen Fällen.“ Ein weiteres Phänomen beobachten sowohl Uwe Köhn als auch Andreas Lehmann bei Bauinteressenten. Viele möchten möglichst wenig organisatorischen Aufwand. Selbst Entscheidungen über Materialien oder Ausstattung werden von manchen Bauherren bereits als Belastung empfunden.
Neben diesen Marktbeobachtungen zeigt die Messe auch, wie unterschiedlich Anbieter versuchen, sich zu positionieren. Beim Fertighausanbieter Rötzer Ziegel Element Haus standen Baugeschwindigkeit und Energiekosten im Mittelpunkt. Thomas Koch verwies darauf, dass der Rohbau eines Hauses innerhalb von fünf Tagen fertiggestellt werden könne. Ein zentrales Thema am Stand war zudem die sogenannte Ziegel-Klimadecke, die Heizung und Kühlung über Strahlungswärme in der Decke kombiniert. Andere Aussteller setzen stärker auf neue Konzepte. Am Stand von Living Haus wurde beispielsweise ein sogenanntes AIDA-Haus vorgestellt. Paula Mikolajczyk erklärte, dass es wichtig sei, auf Messen immer wieder neue Ideen zu zeigen. Das Konzept richtet sich an Kreuzfahrtfans und greift mit Bullaugen, Farbwelt und maritimen Gestaltungselementen das Design der AIDA-Schiffe auf. Auch im Vertrieb spielt Aufmerksamkeit eine Rolle. Yvonne Kleine von Amphora Immobilien, einem Maklerunternehmen für Wohn- und Kleinkapitalanlagen, setzte auf einen provokanten Slogan. „Verkaufsintelligenz ist weiblich“ stand groß auf ihrem Messestand. Yvonne Kleine ist bereits zum vierten Mal auf der Dresdner Messe vertreten. „Der Spruch kommt bei älteren Männern nicht so gut an“, sagt sie lächelnd.
"Wenn Geld knapper wird, müssen wir den technischen Blick schärfen"
Sören Trillenberg, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, verwies bei der Eröffnung darauf, dass insbesondere technische Anforderungen und regulatorische Vorgaben stärker auf ihre praktische Wirkung geprüft werden müssen. „Wenn Geld knapper wird, müssen wir den technischen Blick schärfen: Welche Lösungen machen Bauen einfacher, schneller und bezahlbarer, ohne dass Qualität am Ende auf der Strecke bleibt?“ Ziel sei es, Verfahren verlässlicher zu gestalten und zusätzliche Kosten durch unnötige Vorschriften zu vermeiden.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist die geplante Novellierung der Sächsischen Bauordnung. Überzogene Vorgaben sollen reduziert und Verwaltungsabläufe effizienter organisiert werden. Gleichzeitig arbeitet das Ministerium daran, Genehmigungsprozesse stärker zu digitalisieren. Der digitale Bauantrag ist inzwischen nahezu flächendeckend eingeführt, alle 42 unteren Bauaufsichtsbehörden im Freistaat sind bereits angebunden. Perspektivisch soll die Antragstellung vollständig digital und ohne Medienbrüche erfolgen. Der Reformdruck ist hoch. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen ging die Zahl der bewilligten Bauanträge in den vergangenen Jahren deutlich zurück. Während im Jahr 2020 noch 6.088 Bauanträge genehmigt wurden, lag die Zahl 2024 nur noch bei 2.726. Für das Jahr 2025 deuten erste Monatsdaten auf eine leichte Erholung hin, bislang wurden 2.998 Anträge registriert.
Wohnimmobilienpreise im Februar weitgehend stabil
Der Europace Hauspreisindex (EPX) zeigt sich im Februar 2026 insgesamt stabil. Während Eigentumswohnungen leicht teurer werden, geraten Neubauhäuser erneut unter Druck. Im Bestand bleibt die Preisentwicklung dagegen nahezu unverändert. Der Gesamtindex liegt im Februar bei 220,03 Punkten und damit praktisch auf dem Niveau des Vormonats. Gegenüber Januar ergibt sich ein minimales Minus von 0,04 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht das jedoch einem Plus von 1,45 Prozent.
Am deutlichsten zeigt sich Bewegung im Segment der Eigentumswohnungen. Hier steigt der Index im Februar um 0,27 Prozent auf 217,94 Punkte. Im Jahresvergleich ergibt sich damit ein Zuwachs von 1,07 Prozent. Anders entwickelt sich der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern. Die Preise geben erneut leicht nach. Der entsprechende Index sinkt im Februar um 0,33 Prozent auf 241,37 Punkte. Trotz dieses Rückgangs liegen die Preise weiterhin über dem Niveau des Vorjahresmonats und verzeichnen im Jahresvergleich ein Plus von 1,50 Prozent.
Im Bestand bleibt der Markt nahezu unverändert. Die Preise für bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser sinken im Februar minimal um 0,02 Prozent auf 200,77 Punkte. Gegenüber Februar 2025 ergibt sich dennoch ein Anstieg von 1,80 Prozent. Stefan Münter, Co-CEO von Europace, sieht darin eine klare Marktstruktur: „Die aktuellen EPX-Daten bestätigen, was wir seit Monaten beobachten: Das Wachstum entsteht im Bestand, nicht im Neubau. Eigentumswohnungen legen leicht zu, bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser bleiben im Preis stabil, während der Neubau weiter selektiv unter Druck steht.“ Für das laufende Jahr erwartet Stefan Münter keine breiten Preisrückgänge. „Die Preisentwicklung 2026 wird über Angebotsknappheit, Bestandsqualität und Prozessfähigkeit entschieden. Für Verbraucher bedeutet das: Wer auf breite Preisrückgänge wartet, dürfte vergeblich warten – das Umfeld ist fordernd, aber planbarer geworden“, erklärt er.
Parallel dazu zeigt eine aktuelle Marktanalyse der VALUE AG eine unterschiedliche Entwicklung bei Angebots- und Mietpreisen. Demnach blieben die Angebotspreise für Eigentumswohnungen im Februar weitgehend stabil. Eigenheimpreise gaben im Durchschnitt um 0,5 Prozent nach, während die Mieten um 0,2 Prozent stiegen. Sebastian Hein, Director bei der VALUE AG, verweist auf die unterschiedliche Dynamik zwischen Miet- und Kaufmarkt: „Während die Nachfrage nach Wohnraum weiterhin die Mietpreise stützt, zeigen sich Kaufpreise aktuell stabil bis volatil.“ Besonders im Eigenheimsegment beeinflusse die Angebotsstruktur die Preisentwicklung. Laut Sebastian Hein ist der Anteil energetisch sanierungsbedürftiger Immobilien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Insgesamt erwartet die VALUE AG dennoch eine weiterhin positive Preisentwicklung im Jahr 2026.


