Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ schlägt 21.400 Wohnungen für Berlin vor

Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ schlägt 21.400 Wohnungen für Berlin vor

Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ schlägt 21.400 Wohnungen für Berlin vor
Quelle: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic

Die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ hat ein neues Konzept für die Zukunft des Tempelhofer Feldes vorgestellt: Am äußeren Rand des Areals sollen rund 21.400 neue Wohnungen für etwa 50.000 Menschen in Verbindung mit Gewerbeflächen, sozialer Infrastruktur und einem dauerhaft geschützten inneren Freiraum entstehen.

Agentur

Das Konzept sieht vor, rund 100 Hektar am Rand des Tempelhofer Feldes für Wohnungsbau und urbane Nutzung zu entwickeln. Die zentrale Wiesenfläche von rund 200 Hektar, die bedeutend größer ist als der Londoner Hyde Park, soll dauerhaft als öffentliche Grünfläche erhalten bleiben und durch eine gemeinnützige Stiftung vor künftiger Bebauung geschützt werden. Die Initiative reagiert damit auf die angespannte Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt und fordert eine neue, ideologiefreie Debatte über eines der größten innerstädtischen Entwicklungsareale Europas.

„Berlin braucht dringend bezahlbaren Wohnraum, und Berlin braucht den Mut, große Fragen neu zu denken. Es kann nicht sein, dass wir sehenden Auges eine der größten innerstädtischen Flächen ungenutzt lassen, während Familien, Studierende und Beschäftigte verzweifelt Wohnungen suchen“, so Hamid Djadda, Unternehmer, Gründer der OHDE Stiftung und Autor des Buches „Teure Mieten abschaffen“. Das städtebauliche Konzept wurde von den Architekten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer entwickelt. Vorgesehen ist eine Bebauung nach dem Vorbild klassischer Berliner Quartiere wie Schillerkiez oder Bergmannkiez mit rund 2.000 individuell gestalteten Stadthäusern, gemischten Nutzungen, kurzen Wegen und einem hohen Anteil an bezahlbarem Wohnraum. Geplant sind unter anderem rund 21.400 Wohnungen für etwa 50.000 Menschen. Rund 30 Prozent der Wohnungen sollen im öffentlich geförderten Segment entstehen. Ergänzt wird das Quartier durch rund 10 Prozent Gewerbeflächen, von denen ein großer Teil dauerhaft vor zu großen Mieterhöhungen geschützt werden soll, sowie etwa 15 Prozent öffentliche Einrichtungen wie Kitas, Schulen und soziale Infrastruktur. Die übrigen Flächen sind für frei finanzierte Wohnungen vorgesehen, beispielsweise für landeseigene Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften. Vorgesehen sind zudem eine klimaneutrale Energieversorgung, eine serielle und kosteneffiziente Bauweise nach dem Vorbild der beliebtesten Berliner Innenstadtquartiere sowie ein Verkehrskonzept mit neuem S-Bahnhof.

„Berlin hat in seiner Geschichte immer dann Antworten gefunden, wenn die Stadt groß gedacht hat. Tempelhof bietet die Chance, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und zugleich einen neuen urbanen Raum von internationaler Strahlkraft zu entwickeln“, so Hans Kollhoff. Kern des Entwurfs ist eine so genannte „Tempelhofer Promenade“, ein urbaner Ring, der das zentrale Feld als Freiraum rahmt. Von der Promenade gibt es vielfältige Verbindungen in die umliegenden Quartiere, die eng mit den neuen Wohnkiezen verknüft werden. „Wir möchten keinen anonymen Großmaßstab und keine monotone Neubausiedlung. Unser Ziel ist ein vielfältiges Berliner Quartier mit architektonischer Individualität, urbanem Leben und langfristiger Bezahlbarkeit“, so Tobias Nöfer.

Die Initiative betont, dass sie keinen wirtschaftlichen Eigennutz verfolgt. Das Konzept sei ehrenamtlich entwickelt worden und solle einen Beitrag zur Lösung der Berliner Wohnungsfrage leisten. Unterstützung erhält das Projekt auch vom Unternehmer, Wirtschaftspsychologen und Autor Yi?it Muk, der sich für eine pragmatische Neubaupolitik ausspricht: „Berlin darf sich wichtige Zukunftsentscheidungen nicht länger aus Angst vor Veränderung verweigern. Wir brauchen mehr Wohnraum, und wir brauchen den Mut, Zielkonflikte ehrlich zu diskutieren.“

Nach Angaben der Initiative könnte das Projekt innerhalb von sechs Jahren realisiert werden. Die Investitionskosten lägen bei rund neun Milliarden Euro. Die Initiatoren wollen nun das Gespräch mit Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft suchen, um eine neue Debatte über die Zukunft des Tempelhofer Feldes anzustoßen.