Im Interview mit Lukáš Sásik, JTRE-Director of International Operations, geht es um das Nordhafen Living & Office in der Europacity, den Markteintritt und mögliche andere Projekte.
IMMOBILIEN AKTUELL (IA): Wie haben Sie die konkrete Nutzungsmischung und die räumliche Struktur für Nordhafen Living & Office in der Europacity entwickelt und welche Zielgruppen sprechen Sie gezielt an?
Lukáš Sásik (LS): Beim Eintritt in den deutschen Markt haben wir gezielt nach Wohn-, Büro- oder Mixed-Use-Projekten mit bereits vorhandener Baugenehmigung gesucht. Letztlich haben wir uns für ein Mixed-Use-Projekt entschieden. Nach dem Erwerb arbeiteten wir mehrere Monate daran gearbeitet, das Design zu überarbeiten, ohne dabei Größe und Grundstruktur des Gebäudes zu verändern. Unser Ziel war es, sehr komfortable Wohnungen zu schaffen, die den Ansprüchen einer neuen Generation gerecht werden. Gleichzeitig haben wir die Büroflächen so konzipiert, dass sie die technischen Anforderungen sowie ESG-Standards und Services erfüllen, die auch von FORTUNE-100-Unternehmen erwartet werden. Nordhafen bietet ein Maß an Wohnen am Wasser, gestalterischer Präzision und urbaner Effizienz, das in den historischen Berliner Innenstadtlagen so nicht reproduzierbar ist. Während zentrale Lagen oft von uneinheitlicher Qualität, starkem Tourismus und unstrukturiertem Einzelhandel geprägt sind, steht Europacity für ein kuratiertes, hochwertiges urbanes Umfeld. Im Wohnbereich richten wir uns gezielt an junge Berufstätige und Familien, die Arbeiten, Leben und Freizeit in einem modernen, hochwertigen Stadtquartier verbinden möchten.
Das Bürogebäude als „Waterfront Boutique A-Grade Office“ bietet modernste Arbeitsflächen mit freien Blickachsen, kombiniert mit exzellenter Infrastruktur und hoher Konnektivität.

IA: Welche Erkenntnisse konnten Sie aus diesem ersten Projekt in Berlin hinsichtlich Planung, Vermarktung und Nutzeranforderungen gewinnen?
LS: Im Bereich Planung und Genehmigung haben wir sehr konstruktive Gespräche mit den lokalen Behörden geführt. Alle Beteiligten teilen die Einschätzung, dass sich dieser Standort langfristig positiv entwickeln wird. Der Berliner Büromarkt steht derzeit vor gewissen Herausforderungen. Nordhafen bietet jedoch deutlich mehr Effizienz pro Quadratmeter als ältere Bürogebäude mit veralteten Grundrissen, ineffizienten Kernen und schwacher ESG-Performance. Heute geht es bei der Vermietung nicht mehr nur um den Preis, sondern vor allem um die Menschen. Deshalb haben wir gezielt starke lokale Partnerschaften aufgebaut.
IA: Was hat Sie am deutschen Markt besonders überrascht: sowohl positiv als auch operativ?
LS: Der Berliner Markt funktioniert in vielerlei Hinsicht ähnlich wie andere etablierte europäische Städte. Zwar steht der deutsche Büromarkt aktuell unter Druck, aber wir verfolgen eine langfristige Strategie. Immobilienmärkte verlaufen zyklisch, darauf stellen wir uns entsprechend ein.
IA: Welche strategische Rolle spielt Deutschland für JTRE nach dem Markteintritt mit Nordhafen?
LS: JTRE ist aktuell in drei Kernmärkten aktiv, der Slowakei, London und Deutschland. Deutschland spielt für uns eine sehr wichtige Rolle, da es ein neuer und zugleich sehr attraktiver Markt ist, den wir weiter erschließen möchten.
IA: Wie übertragen Sie Ihre Erfahrungen aus Berlin auf die nächsten konkreten Schritte in Deutschland?
LS: Wir prüfen derzeit aktiv weitere Opportunitäten im deutschen Markt.
IA: Welche Städte oder Standorte evaluieren Sie aktuell und nach welchen Kriterien?
LS: Unser Fokus liegt primär weiterhin auf Berlin, gleichzeitig sind wir offen für andere große deutsche Städte wie Hamburg, Frankfurt am Main oder München. Bei der Bewertung neuer Projekte gelten für uns drei zentrale Kriterien: Lage, Lage und Lage.
IA: Welche Projektarten möchten Sie in Deutschland künftig entwickeln?
LS: Wir konzentrieren uns sowohl auf Wohn- als auch Büroprojekte sowie auf deren Kombination. Mixed-Use-Entwicklungen reduzieren das Risiko für Entwickler und schaffen gleichzeitig einen höheren Mehrwert für das jeweilige Quartier.
IA: Wie skalieren Sie Ihre Aktivitäten operativ in Deutschland?
LS: Aktuell arbeiten wir mit einem kleinen, aber sehr starken lokalen Team, das durch unser Headquarter in der Slowakei sowie externe Partner in Berlin unterstützt wird. Mit neuen Projekten planen wir, das Team vor Ort weiter auszubauen.
IA: Welche Zielgröße streben Sie für Ihr Engagement in Deutschland in den kommenden Jahren an?
LS: Wir möchten wachsen, jedoch nicht exponentiell. Unser Ziel ist es, parallel ein Projekt in der Entwicklung und ein weiteres in der Planungs- und Designphase zu haben. Beim Projektvolumen (GDV) bewegen wir uns im Bereich von 100 bis 200 Millionen Euro.


