„Wir können uns für hochwertige Wissensökonomie entscheiden oder so weitermachen wie bisher.“ Mit diesem Satz hat Wolf Lotter den Ton im OSTFORUM Leipzig gesetzt und die Diskussion schnell weg von Floskeln hin zu einer grundsätzlichen Frage geführt: Wie müssen Orte heute gebaut sein, damit dort wirklich gearbeitet werden kann?
Es geht längst nicht mehr um New-Work-Rhetorik oder Gestaltungsfragen, sondern um Produktivität und damit um eine handfeste ökonomische Dimension. Wolf Lotter verweist auf Studien, nach denen jährlich mehr als 500 Milliarden Euro verloren gehen, weil konzentriertes Arbeiten nicht gelingt, und formuliert es noch klarer: „Es ist eine Krankheit, Leute vom Arbeiten abzuhalten.“ In dieser Perspektive wird das Büro zu einem Ort, der entweder Wertschöpfung ermöglicht oder verhindert.
Daran knüpft seine grundsätzliche Beobachtung an: „Die Statik der letzten 60 oder 70 Jahre hinsichtlich der Arbeitsorte geht zu Ende.“ Denn diese folgen immer den Bedingungen ihrer Zeit, und eben jene verändern sich gerade fundamental. Die Konsequenz ist kein neues Standardmodell, sondern ein anderes Verständnis von Raum: „Arbeitsorte sind wie Gefäße, die man füllen kann, für Dinge, die man vorher noch nicht gekannt hat.“ Offenheit wird damit zur zentralen Kategorie, nicht als Gestaltungskomponente, sondern als Voraussetzung dafür, auf neue Anforderungen überhaupt reagieren zu können.
Genau hier setzt das OSTFORUM in Leipzig an, ein Projekt der ADLER Group, das CEO Dr. Karl Reinitzhuber bei der Veranstaltung mit Wolf Lotter als eines seiner Lieblingsprojekte bezeichnet. Nicht, weil es die bekannte Mischung aus Wohnen und Arbeiten bietet, sondern weil es diese Nutzungsmischung strukturell ermöglicht und nicht festschreibt. Dass mit Deloitte ausgerechnet ein global agierender Player als Ankermieter gewonnen wurde und damit der größte Bürodeal des Jahres 2025 in Leipzig realisiert werden konnte, zeigt, dass dieses Verständnis am Markt funktioniert. Gleichzeitig bleiben Flächen in der Vermarktung, bewusst mit der Option, sie nicht ausschließlich als Büro zu denken, sondern perspektivisch andere Nutzungen wie Micro- oder Senior Living zu integrieren. Genau diese Offenheit entspricht Wolf Lotters Konzept der „tätigen Ruhe“, also Räume so zu gestalten, dass sie Denken ermöglichen, nicht verhindern und sich eben keine Denkverbote – in der Immobiliensprache eher Assetgrenzen – setzen.
Wolf Lotters Forderung „Lasst die Maschinen machen, lasst die Menschen denken“ wirkt in diesem Kontext weniger wie ein Appell, sondern wie eine ziemlich konkrete Anforderung an Immobilien. Wenn Arbeitsorte künftig wieder stärker auf Konzentration, Denken und Wertschöpfung ausgerichtet sein sollen, dann müssen sie genau dafür gebaut werden. Die Frage ist damit nicht mehr, wie flexibel ein Gebäude im Marketing beschrieben wird, sondern ob es tatsächlich in der Lage ist, unterschiedliche Nutzungen und vor allem unterschiedliche Formen von Arbeit auszuhalten.
Interessant wird es dort, wo diese Gedanken auf konkrete Projekte treffen. Im OSTFORUM gibt es bereits seit Oktober 2025 einen ALDI, knapp 50 Mietwohnungen gehen im Sommer in die Vermietung, weitere Nutzungen werden geprüft, das Quartier entwickelt sich schrittweise. Sein Fazit ist entsprechend klar: „Wir können unseren Wohlstand nur verteidigen, wenn der Kopf die Routine schlägt.“ Das gilt auch für urbane Quartiere, vielleicht auch besonders für sie. Denn Flexibilität auch im Sinne einer Zweitnutzung gehört dazu. Trotzdem galt auch dafür der Satz von Wolf Lotter: „Es wird viel zu oft eine Sau durchs Dorf getrieben, damit man sich spart vorzustellen, wie das Dorf aussehen soll.“ Also: Nicht die endgültige Nutzung steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit eines Gebäudes, sich an veränderte Anforderungen anzupassen.
Gewerbe im OSTFORUM in Leipzig
Das OSTFORUM Leipzig, entwickelt von der ADLER Group, umfasst drei Gebäude mit insgesamt rund 15.300 Quadratmetern Mietfläche. Rund 8.000 Quadratmeter Bürofläche sind bereits, siehe weiter oben, bereits vermietet. Weitere Flächen stehen zur Vermietung und richten sich an Büro-, Dienstleistungs- sowie Einzelhandelsnutzer. Die Einheiten sind variabel konzipiert und ab etwa 150 Quadratmetern verfügbar . Die Flächen verteilen sich auf Gebäude entlang der Prager Straße und der Johannisallee, mit öffentlich zugänglichen Bereichen im Erdgeschoss und klar strukturierten Büroflächen in den Obergeschossen. Technische Ausstattungsmerkmale wie Glasfaseranschlüsse, Belüftungssysteme mit optionaler Kühlung sowie außenliegender Sonnenschutz sind vorgesehen, ergänzt durch eine Tiefgarage mit 183 Stellplätzen. Die Lage am Ostplatz bietet eine direkte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und eine Nähe zur Leipziger Innenstadt von rund 1,4 Kilometern.


