Trotz Intel-Aus setzt Peters Development in Magdeburg ein klares Signal. Simon Federau erläutert im Gespräch, warum der Standort kein opportunistischer Reflex, sondern Teil einer bundesweiten Plattformstrategie ist. Im Fokus stehen strukturelle Fundamentaldaten, ein erhebliches Angebotsdefizit bei kleinteiligen Gewerbeflächen und ein skalierbares Konzept: Die Hanse Gewerbehöfe sollen produktiven Mittelstand stärken und zugleich institutionellen Investoren ein reproduzierbares, ESG-konformes Produkt bieten. Magdeburg ist dabei ein Baustein in einer Expansionsstrategie mit langfristiger Perspektive. Das wird auch eines der Themen beim Magdeburger Immobiliengespräch sein, das am 3. März stattfindet.
IMMOBILIEN AKTUELL (IA): Magdeburg ist für viele Investoren noch kein Automatismus, erst recht nach dem Intel-Aus. Warum hat sich Peters Development trotzdem für diesen Standort entschieden?
Simon Federau (SF): Für Peters Development ist Magdeburg kein opportunistischer Standort, sondern eine strategische Entscheidung innerhalb unserer bundesweiten Expansionslogik der Hanse Gewerbehöfe. Wir analysieren Standorte nicht entlang einzelner Großansiedlungen, sondern entlang struktureller Fundamentaldaten: industrielle Basis, Mittelstandsstruktur, infrastrukturelle Anbindung und Angebotsdefizite im Segment moderner, kleinteiliger Gewerbeflächen. Magdeburg vereint genau diese Merkmale. Die Stadt verfügt über eine historisch gewachsene industrielle Struktur mit stabiler regionaler Nachfrage aus Handwerk, Produktion und Dienstleistung. Zugleich ist sie zentral im deutschen und europäischen Verkehrsnetz angebunden und zeichnet sich durch eine hohe kommunale Offenheit für die gewerbliche Weiterentwicklung aus. Unabhängig von einzelnen Großprojekten sehen wir hier ein nachhaltiges Nachfragepotenzial aus dem regionalen Mittelstand. Genau dort setzt unser Produkt an.
IA: Was waren beim Ankauf des rund 9.000 Quadratmeter großen Grundstücks die ausschlaggebenden Faktoren?
SF: Entscheidend war die Kombination aus Lagequalität, bestehende KMU-Nachfrage, baurechtlicher Klarheit und effizienter Umsetzbarkeit unseres standardisierten Hanse-Gewerbehöfe-Konzeptes. Das Grundstück in Magdeburg-Salbke ist bereits vollständig erschlossen, verkehrlich sehr gut angebunden und profitiert insgesamt von einer überzeugenden Mikrolage. Es befindet sich in einem etablierten Gewerbeumfeld und ist planungsrechtlich klar strukturiert. Mit rund 9.000 Quadratmetern Grundstücksfläche lässt sich hier ein wirtschaftlich optimiertes Ensemble mit etwa 22 flexibel teilbaren Einheiten realisieren. Für Peters Development ist jeder Standort Teil einer skalierbaren Plattformstrategie. Wir entwickeln keine Einzelobjekte, sondern ein reproduzierbares, institutionell tragfähiges Produkt mit klar definierten Qualitäts-, ESG- und Effizienzstandards.

IA: Was ist das Grundprinzip der Hanse Gewerbehöfe und welches Problem im Markt soll dieses Konzept lösen?
SF: Die Hanse Gewerbehöfe adressieren ein strukturelles Marktversagen. Der klassische Light-Industrial-Markt beginnt häufig bei Flächengrößen ab 1.000 Quadratmetern pro Unit. Für kleinere und mittlere Unternehmen existiert jedoch ein erhebliches Angebotsdefizit an modernen, energieeffizienten und flexibel nutzbaren Flächen. Unser Konzept setzt bereits ab einer Flächengröße von rund 200 Quadratmetern an und umfasst modular kombinierbare Einheiten, flexible Büro- und Serviceanteile, eine moderne Andienung, eine ESG-konforme Bauweise sowie eine langfristige Drittverwendungsfähigkeit. Wir schaffen damit ein Produkt für KMU, das Wachstum am Standort ermöglicht, ohne dass Unternehmen bei jeder Skalierungsphase umziehen müssen. Gleichzeitig entsteht für Investoren eine diversifizierte, stabile Mieterstruktur mit hoher Nachvermietungsfähigkeit. Kurz gesagt: Wir entwickeln Gewerbeimmobilien vom Mittelstand für den Mittelstand mit institutioneller Qualität.
IA: Für welche Unternehmen sind die rund 22 Einheiten in Magdeburg konkret gedacht?
SF: Unsere Zielgruppe ist der produktive Mittelstand. Dazu zählen unter anderem Handwerksbetriebe, technologieorientierte Produktionsunternehmen, Service- und Gewerbebetriebe, E-Commerce-nahe Nutzer und urbane Logistik- und Dienstleistungsunternehmen. Allen gemein ist der Bedarf an funktionalen, modernen und wirtschaftlich kalkulierbaren Flächen mit hochwertiger Infrastruktur. Die Hanse Gewerbehöfe verbinden Funktionalität mit professionellem Standortmanagement. Dadurch entsteht nicht nur Fläche, sondern ein leistungsfähiges Gewerbeumfeld mit langfristiger Perspektive.
IA: Nachhaltige Bauweise, Photovoltaik, Ladeinfrastruktur: Was davon ist echte Nachfrage der Nutzer und was strategische Vorgabe von Peters Development?
SF: Für Peters Development ist Nachhaltigkeit kein Zusatzmerkmal, sondern strategischer Kernbestandteil der Produktarchitektur. Die Nachfrage der Nutzer konzentriert sich vor allem auf Standorte mit niedrigen Betriebskosten, einer stabilen Energieversorgung und einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur. Zugleich gewinnen ESG-konforme Standorte weiter an Bedeutung, da sie regulatorische Anforderungen erfüllen und langfristige Planungssicherheit bieten. Photovoltaik, nachhaltige Bauweise und vorbereitete Ladeinfrastruktur sind daher ökonomisch sinnvoll und unmittelbar nachgefragt. Gleichzeitig erfüllen wir damit institutionelle Investorenanforderungen hinsichtlich ESG, und langfristiger Drittverwendungsfähigkeit. Unser Anspruch ist es, Gebäude zu entwickeln, die auch in 20 oder 30 Jahren noch marktfähig sind, ökonomisch wie regulatorisch.
IA: Zuletzt gab es auch Ankäufe in Trebbin, Kremmen und Helmstedt. Was ist die Klammer für alle Standorte und wie sieht die Expansionsstrategie für 2026 aus?
SF: Die verbindende Klammer ist ein bundesweites strukturelles Angebotsdefizit im Segment moderner, kleinteiliger Gewerbeflächen. Mit den Hanse Gewerbehöfen baut Peters Development derzeit eine skalierbare Plattform auf. Unser Ziel ist es, dieses Produkt in wirtschaftlich stabilen Groß- und Mittelstädten systematisch auszurollen. Die Pipeline umfasst aktuell zahlreiche Standorte. Perspektivisch streben wir rund 100 Projekte mit einem Verkaufsvolumen von über einer Milliarde Euro an. Unser Fokus liegt dabei auf wirtschaftlich robusten Regionen mit ausgeprägter Mittelstandsstruktur, kommunaler Entwicklungsbereitschaft und guter Verkehrsanbindung. Wir sehen die Hanse Gewerbehöfe als eigenständige Assetklasse zwischen klassischem Gewerbepark und urbaner Light-Industrial-Immobilie mit hoher Skalierbarkeit und institutioneller Investitionsqualität.


