MIPIM: Und sonst so?

MIPIM: Und sonst so?

MIPIM: Und sonst so?
Quelle: Hermann / Pixabay

In Cannes hat die Branche mal wieder nach Antworten gesucht. Die einen sagen ‚Es war voll‘, die anderen: „Ich kenne so viele, die nicht da waren, kann nicht voll gewesen sein“. Ich glänzte mit Abwesenheit, habe mich aber durch die Statements gelesen, die ich hier, natürlich nicht objektiv, zusammen gestellt habe.

Agentur

Die MIPIM 2026 markiert aus Sicht vieler Marktteilnehmer einen Wendepunkt: Na klar, was denn auch sonst. Diese Zauberei kann die EXPO REAL jeden Oktober. Wir nehmen zur Kenntnis: Nach zwei Jahren der Unsicherheit verdichten sich die Hinweise, dass die Phase der Korrektur abgeschlossen ist – ohne dass damit eine Rückkehr zu alten Marktmechaniken verbunden wäre. Übersetzt: Früher war alles besser, nun ist alles blöd. Das darf aber niemand so aussprechen.

„Die wichtigste Botschaft, die in diesem Jahr von der MIPIM ausging, war, dass der europäische Immobilienmarkt die Korrekturphase hinter sich gelassen hat und sich nun auf die Positionierung konzentriert“, erklärt Christopher Mertlitz, Head of European Investments bei W. P. Carey. Das wirft für mich die Frage auf: Und sonst so? „Die Stimmung in Cannes war konstruktiv und positiver als in den vergangenen Jahren, doch die Marktteilnehmer fokussieren sich auf einen disziplinierten Kapitaleinsatz.“ Also: Niemand wirft Geld aus dem Fenster oder verbrennt es. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Rund 20.000 Besucher aus 90 Ländern kamen zur MIPIM, was mehr oder weniger die Zahl aus den Vorjahren ist. Auch da gab es immer die Diskussion: Voll oder leer.  Wichtig: Institutionen, die zusammen Vermögenswerte von über vier Billionen Euro verwalten, waren vertreten. Daraus können wir was ablesen? Und wie wurde hier bei der Zählung eigentlich methodisch vorgegangen? Nehme sehr gern Informationen entgegen. Schön hat es aber auch Nicolas Boffi, Direktor der MIPIM, verpackt: „Die MIPIM 2026 wird als ein Moment in Erinnerung bleiben, in dem der Immobilieninvestitionsmarkt seine Widerstandsfähigkeit und seinen unerschütterlichen Optimismus angesichts einer unsicheren geopolitischen Lage unter Beweis gestellt hat.“ Dann lerne ich noch, dass die Immobilienbranche sich derzeit aus der Krise herausarbeitet, unter ‚deutlich veränderten Vorzeichen‘. Wundert mich, dass die Immobilien Zeitung das nicht direkt jeden Tag als Aufmacher genommen hat.

„Im Markt dominiert weiterhin das kollektive Abwarten, auch wenn es im klassischen Wohnsegment erste zaghafte Lichtblicke gibt“, beschreibt Matthias Euler, Managing Director Germany & Austria bei Greystar, die Lage. „Der absolute ‚Everybody’s Darling‘ bleibt aber PBSA. Hier jagt gerade massiv Kapital nach verfügbaren Objekten.“ Voila, eine Aussage. Um direkt wieder weich gespült zu werden: „Was die Stimmung jedoch trübt, ist die Nervosität mit Blick auf Berlin. Die Angst vor weiterer Regulierung sitzt tief und droht, notwendige Investitionen im Wohnungsbau noch stärker auszubremsen.“

Und dann das Kapital. Ich lerne immer wieder: Es ist da, es ist im Markt. Ich scheitere schon beim Pilze suchen, es sei denn, sie sind zwei Meter hoch und stellen sich mir direkt in den Weg. Vielleicht kann ich es deshalb nicht sehen. Andere schon: „In vielen Gesprächen zeigt sich, dass Kapital grundsätzlich vorhanden ist – Investoren achten jedoch stärker als früher auf die Qualität und Resilienz von Projekten“, sagt Dr. Matthias Heßler, Founder und Head of Legal & Transactions bei NEXT Generation Invest. „Besonders gefragt sind Investments mit stabilen Cashflows und langfristiger gesellschaftlicher Relevanz.“ Es geht also immer noch um Rendite? Top-Nachricht!

Stopp! Konkrete Aussage gefunden, tapfer bleiben, die Finanzquelle gibt es am Ende: „Die Refinanzierungswelle setzt den Markt weiter unter Druck“, sagt Sven Schüssler, geschäftsführender Gesellschafter der PASENDIA Real Estate. Gleichzeitig öffnet sich der Markt wieder für internationales Kapital: „Insbesondere angelsächsisches Kapital richtet seinen Blick zunehmend auf Deutschland.“

Ich habe aber zwei Statements gefunden, die vorsichtig negativ sind. Zumindest lese ich sie so. „Die Ernüchterung ist allerorten zu spüren, verbunden mit dem Gefühl, die neue Realität akzeptieren zu müssen“, sagt Sebastian Schöberl, Managing Partner bei Montano Real Estate. Ähnlich ordnet Andreas Stegmann, CEO der HT Group, die Lage ein: „Zur Wahrheit gehört aber auch: Das Fundraising bleibt extrem herausfordernd. Gerade bei deutschen Immobilien vermissen viele Anleger noch die Renditen, die sie erwarten.“ Legt man diese Sätze einem Pychologen vor, kommt als Diagnose bestimmt so etwas wie Post-Boom-Kater, Akute Renditedepression, latente Risikoaversion mit akuten Schüben, Realitätsallergie (ausgeheilt, aber noch spürbar), akute Exit-Fantasie bei gleichzeitiger Deal-Lähmung raus.

Ich habe auch noch Zitate á la flexibles Kapital hat für viele Unternehmen eine zentrale Priorität oder ‚Ein Weiter so wird es nicht geben‘ gefunden. Wurde nun hier erwähnt, Haken dran. Bei meinem Suchspiel stieß ich darauf, dass die ‚Fähigkeit zur Umsetzung heute wichtiger ist denn je‘, die getrennten Silos aus Asset- und Property-Management besser ‚integrierten Services mit klarer operativer Verantwortung‘ weichen sollen. Das hatten wohl einige vergessen, danke MIPIM, dass es nun wieder alle auf dem Schirm haben.

Auch von Entwicklern kommen Aussagen, die ganz sicher den Markt verändern. „Viele Akteure würden gerne wieder stärker investieren, doch die Finanzierungskrise, weiterhin zu hohe Kosten und zu hohe Grundstückspreise bremsen den Markt aus“, erklärt Gerald Tschörner, Geschäftsführer der Red Square GmbH. So, so! Max Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien, hat gar eine neue Marktlogik entdeckt: „Wir befinden uns in einem ‚Markt der Profis‘.“ Bedeutet: Das war er vorher nicht? Was denn dann? Zudem lese ich: Die MIPIM war ‚weniger Bühne als Arbeitsplattform‘. Oder: „Die MIPIM war dieses Jahr deutlich weniger Show und deutlich mehr Substanz“, fasst Jan Bewarder, Vorstand der REM CAPITAL AG, zusammen. Hoffentlich hat das mal nicht Chat GPT geschrieben, das mit der Substanz. Aber ernsthaft: Also stimmen alle Vorurteile doch? Nur Rosé und Yacht im Kopf, oder was?