Bei der Präsentation des Sparkassen-Tourismusbarometers Ostdeutschland wurde deutlich: Zwei Drittel der befragten Organisationen sehen im Tourismus ein zentrales wirtschaftliches Standbein. Gleichzeitig wachsen Aufgaben und Erwartungen schneller als Budgets.
Der Tourismus hat in Ostdeutschland einen höheren Stellenwert als im Bundesdurchschnitt. 66 Prozent der befragten Tourismusorganisationen bewerten ihn als wichtiges Aushängeschild und wirtschaftliches Standbein. Weitere 35 Prozent sprechen von einer profilierenden Bedeutung. Selbst Gemeinden ohne ausgeprägte touristische Infrastruktur messen ihm mit 53 Prozent eine Rolle als Aushängeschild bei – ein Wert, der im Bundesvergleich eher von Orten mit Infrastruktur erreicht wird.
Die Sonderveröffentlichung des Sparkassen-Tourismusbarometers Ostdeutschland zeichnet damit ein klares Bild: Tourismus wird im Osten nicht als Nebenschauplatz verstanden, sondern als relevanter Wirtschaftsfaktor. Er wirkt über Umsätze, Einkommen und Beschäftigung, aber auch über Lebensqualität, Freizeitangebote und Image. In der Präsentation wurde das als Zusammenspiel von ökonomischen Effekten, Effekten auf die Lebensqualität und Effekten auf die Standortattraktivität beschrieben.
Im Zentrum der Analyse stehen die Destination Management Organisationen, kurz DMO. Damit sind regionale Tourismusorganisationen gemeint, die mehrere Städte und Gemeinden bündeln. Sie übernehmen strategische Aufgaben wie Markenführung, Marketing, Daten- und Contentmanagement, Marktanalysen sowie die Koordination von Leistungsträgern und interkommunalen Projekten. Ohne diese regionale Ebene müssten Kommunen viele Leistungen parallel aufbauen oder selbst steuern.
Die Studie zeigt, dass sich das Aufgabenprofil dieser Organisationen in den vergangenen Jahren deutlich erweitert hat. Neben Marketing und Gästeservice gehören heute Netzwerkmanagement, Qualitäts- und Produktentwicklung, Nachhaltigkeitsthemen, Innovationsmanagement und strategisches Monitoring zum Kernportfolio. Ostdeutsche DMO sind in mehreren Feldern überdurchschnittlich aktiv. 86 Prozent engagieren sich in der Förderung von Nachhaltigkeit, bundesweit sind es 76 Prozent. 74 Prozent vermitteln Wissen an Stakeholder, im Bundesdurchschnitt 67 Prozent. Auch im Innovationsmanagement und in der Marktforschung liegen sie über dem Bundesdurchschnitt.
Gleichzeitig übernehmen sie seltener Aufgaben der Infrastrukturentwicklung als ihre Pendants in anderen Regionen. Das deutet auf eine stärkere Fokussierung auf strategische und wissensbasierte Funktionen hin. Während die Anforderungen wachsen, bleibt die finanzielle Ausstattung begrenzt. Der Median des Gesamtbudgets regionaler DMO liegt bei 603.000 Euro. Empfohlene Orientierungswerte für eine umfassende Aufgabenwahrnehmung liegen deutlich höher. Mehr als 80 Prozent der Mittel stammen aus öffentlichen Haushalten, da die regionale Ebene keine eigenen originären Finanzierungsquellen besitzt.
Auf lokaler Ebene ist die Spannbreite groß. Tourismusorganisationen mit Infrastrukturaufgaben verfügen im Median über 400.000 Euro, Organisationen ohne Infrastrukturaufgaben über 150.000 Euro. Orte mit weniger als 25.000 Einwohnern und mehr als 200.000 Übernachtungen kommen auf 1,45 Millionen Euro, Städte mit 50.000 bis 250.000 Einwohnern und mehr als 250.000 Übernachtungen auf 580.000 Euro.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Finanzierung. In stark touristisch geprägten Orten stammen bis zu 48 Prozent der Mittel aus Gästebeiträgen oder Kurtaxe. In städtischen Destinationen spielt dieses Instrument keine Rolle. Der Anteil der Wirtschaft an der Finanzierung liegt unabhängig vom Organisationstyp bei ein bis zwei Prozent. Diese geringe Beteiligung wird in der Studie ausdrücklich hervorgehoben. Rund 40 Prozent der Budgets fließen in Personal. Marketingmaßnahmen machen je nach Organisationstyp zwischen 15 und 27 Prozent aus. Hinzu kommen Mittel für Infrastruktur, Veranstaltungen, Projekte und Betriebskosten. Viele der neuen Aufgaben – etwa Digitalisierung, Netzwerksteuerung oder Produktentwicklung – sind personalintensiv und lassen sich nicht allein über Kampagnenbudgets abbilden.
Auch die Budgeterwartungen sind uneinheitlich. Knapp ein Drittel der lokalen Organisationen rechnet mit steigenden Budgets in den kommenden drei Jahren, ein ähnlich großer Anteil mit sinkenden Mitteln. Auf regionaler Ebene geht rund die Hälfte von stabilen Ressourcen aus. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. 41 Prozent der befragten Organisationen haben künstliche Intelligenz teilweise in ihre Abläufe integriert, neun Prozent umfassend. 26 Prozent verfügen bislang über keine Planungen. 83 Prozent sehen hohe oder sehr hohe Potenziale für interne Prozesse wie Automatisierung oder Contentproduktion.
Städtespezifische Einzelwerte enthält die Untersuchung nicht. Die Auswertung erfolgt nach Organisationstypen und strukturellen Merkmalen, nicht nach namentlich genannten Kommunen. Unterschieden wird zwischen regionaler Ebene, lokalen Organisationen mit und ohne Infrastrukturaufgaben sowie nach Größenklassen und Übernachtungszahlen.


