Der Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt wirkt derzeit erstaunlich ruhig. Nach Jahren mit deutlichen Preissteigerungen haben sich die Werte zuletzt eingependelt, größere Ausschläge bleiben aus. Gleichzeitig wächst die Stadt weiter, die Nachfrage hält an und die Projektlandschaft verändert sich spürbar. Die aktuellen Marktdaten und Beispiele aus der Entwicklung zeigen ein differenziertes Bild: Nicht mehr die Preise treiben das Geschehen, sondern strukturelle Verschiebungen bei Bedarf, Finanzierung und Produktgestaltung.
„Die Veränderungen in den letzten zwei, drei Jahren sind sehr moderat“, ordnet Andreas Habath, Immobiliensachverständiger und Projektverantwortlicher für den IVD Wohnimmobilienpreisservice Berlin-Brandenburg, die Entwicklung ein. „In Potsdam gibt es im Moment nichts wirklich Neues, die Preise bleiben fast gleich.“ Diese Stabilität zeigt sich sowohl bei Ein- und Zweifamilienhäusern als auch bei Eigentumswohnungen, deren Werte zuletzt nur leicht gestiegen sind. Gleichzeitig bleibt der Druck auf der Nachfrageseite hoch. Die Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, und auch perspektivisch setzt sich dieser Trend fort. „Bis 2040 erwarten wir rund zehn Prozent mehr Haushalte“, so Andreas Habath. Auffällig ist dabei die Struktur: „Wir haben einen sehr großen Anteil an Singlehaushalten.“ Daraus ergibt sich eine klare Verschiebung hin zu kleineren, effizient geschnittenen Wohnungen. Was fehlt und stärker bedacht werden muss: barrierearme Angebote.
"Große Lageunterschiede in Potsdam"
Die Anzahl der Verkäufe unterstreicht die Stabilität. Rund 100 verkaufte Ein- und Zweifamilienhäuser sowie knapp 600 Eigentumswohnungen zeigen, dass Bewegung vorhanden ist, auch wenn das Volumen begrenzt bleibt. Gleichzeitig weist Andreas Habath auf deutliche Unterschiede innerhalb der Stadt hin: „Wir haben sehr große Lageunterschiede in Potsdam. Das bedeutet aber auch, dass es für unterschiedliche Budgets Angebote gibt.“ Bemerkenswert: Auffällig ist dabei auch der Abstand zwischen vermieteten und bezugsfreien Einheiten. Während vermietete Eigentumswohnungen im Durchschnitt rund 36 Prozent unter dem Preisniveau frei verfügbarer Objekte liegen, relativieren sich diese Unterschiede in einzelnen Randlagen teilweise wieder.
Bemerkenswert ist zudem der Vergleich mit Berlin: Dort liegen die Preisabschläge für vermietete Wohnungen inzwischen teils bei bis zu 100 Prozent. Potsdam zeigt sich damit deutlich stabiler und entwickelt sich zunehmend als eigenständiger Markt mit geringerer Volatilität. Aktuellere Marktdaten zeigen zudem ein leicht verändertes Preisniveau: Für Eigentumswohnungen werden im Durchschnitt rund 3.650 Euro pro Quadratmeter gezahlt, für Ein- und Zweifamilienhäuser etwa 4.790 Euro. Innerhalb der Stadt bleibt die Spreizung erheblich. In gefragten Lagen werden Preise von bis zu 5.290 Euro pro Quadratmeter erreicht, während in einfacheren Ortsteilen auch Niveaus um 2.500 Euro möglich sind. Auffällig ist zudem die Struktur des Marktes: Rund 80 Prozent der Transaktionen entfallen auf Eigentumswohnungen und Eigenheime.
Großvolumige Projekte geplant und in Arbeit
So entstehen in der Landeshauptstadt weiterhin großvolumige Quartiere. Ein Beispiel ist das Kirchsteigfeld, das von Periskop Development entwickelt wird und mit dem 2027 begonnen werden soll. Geplant sind mehr als 1.000 Wohnungen sowie rund 1.600 Arbeitsplätze. „Ursprünglich war das als reines Gewerbegebiet gedacht“, erklärt Geschäftsführer Dr. Simon Kempf. „In einem iterativen und partizipativen Prozess haben wir das Konzept zu einem gemischten Quartier weiterentwickelt.“ Heute liegt der Wohnanteil bei rund 60 Prozent, ergänzt durch Nahversorgung, soziokulturelle Einrichtungen und Kita. Als ein zentrales Instrument für die Umsetzung sieht er den Bauturbo und positioniert sich klar: „Ich möchte eine große Lanze dafür brechen. Viele Fragen, etwa zu Umwelt oder Verkehr, sind bereits im Vorfeld geklärt.“ Gleichzeitig weist Simon Kempf Kritik zurück, dass der Bauturbo eine negative Entwicklung bringen könnte: „Viele Städte haben Sorge, dass eine Art Wilder Westen entsteht. Das ist nicht der Fall. Alle relevanten Fragen müssen weiterhin beantwortet werden.“ Der Handlungsdruck ist aus seiner Sicht hoch. „Wir haben keinen gesunden Wohnungsmarkt in Potsdam bei einem so geringen Leerstand. Die Mobilität der Haushalte geht verloren.“ Daraus leitet er eine klare Anforderung ab: „Wir müssen Projekte deutlich flexibler denken und diese Flexibilität über Jahre hinweg mit einplanen.“
Ein weiteres Beispiel liefert das Projekt „ParkVillen“, im Vertrieb der Strategis AG. Hier zeigt sich eine andere Facette des Marktes: hochwertige Angebote in etablierten Lagen. Geplant sind Eigentumswohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, die sich preislich zwischen 6.900 und 8.900 Euro pro Quadratmeter bewegen. Die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen. „Von Euphorie kann man aktuell nicht sprechen“, sagt Sascha Nöske, Vorstand der Strategis AG. „Wir sehen einen Markt der Profis mit sehr selektiver Nachfrage.“ Das Interesse im Markt sei da, die Zahl der Kauffälle habe statistisch wieder zugenommen. Besonders im Mietsegment zeigt sich eine differenzierte Entwicklung. „Wir planen vor allem kleinere Mietwohnungen. Mieten um 20 Euro pro Quadratmeter sind grundsätzlich denkbar.“ Entscheidend ist aus seiner Sicht die grundsätzliche Stärke der Stadt: „Wir haben hier eine Landeshauptstadt mit Forschung, Infrastruktur, Erholungsqualität und der Nähe zu Berlin.“
Wie sich die aktuellen Rahmenbedingungen noch auswirken, zeigt ein weiteres Beispiel: „Mein Beelitz“ im Potsdamer Umland. Auf einem rund 3,4 Hektar großen Areal entsteht ein Wohnquartier mit Doppelhaushälften, Reihenhäusern und perspektivisch auch Mehrfamilienhäusern. Der Ankauf erfolgte bereits 2019/2020, dann Baurecht geschaffen und die Erschließung 2025 abgeschlossen. Die ursprüngliche Konzeption wurde im Verlauf angepasst. „Für die 160-Quadratmeter-Einheiten gibt es Interesse, aber eben nicht in so großer Zahl“, erklärt Mareike Lechner, Vorstand der immobilien-experten-ag. Das Unternehmen reagiert darauf mit einer veränderten Produktstruktur: Statt eines größeren Anteils an Doppelhaushälften werden Reihenhäuser mit 85 und 105 Quadratmetern realisiert. Parallel dazu verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Wir stellen gerade fest, dass wir Mehrkosten von 300 bis 400 Euro pro Quadratmeter haben, wenn wir Effizienzhaus 40 und QNG umsetzen“, so Mareike Lechner. „Das müssen wir rechnen.“ Waren bisher Eigennutzer aus der Stadt, der Umgebung oder Berlin die Zielgruppe, sollen nun auch Kapitalanleger Zugang bekommen.
2014 bis 2024: Mietanstieg von 60 Prozent
Zwischen 2014 und 2024 hat sich der Potsdamer Wohnungsmarkt von einem bereits angespannten Umfeld zu einem klaren Hochpreisstandort entwickelt. Während Mieten und Kaufpreise nach dem Zins?Schock der Jahre 2022/2023 zuletzt etwas an Dynamik verloren haben, liegt das heutige Niveau deutlich über dem Stand vor zehn Jahren. Darauf verweisen sowohl der qualifizierte Mietspiegel der Landeshauptstadt Potsdam als auch aktuelle Marktanalysen mehrerer Immobilienunternehmen und der örtliche Gutachterausschuss.
Besonders sichtbar wird die Verschiebung bei den Mieten. Der Mietspiegel 2014 der Landeshauptstadt Potsdam weist in vielen Segmenten ortsübliche Vergleichsmieten noch im Bereich von rund sechs bis acht Euro nettokalt pro Quadratmeter aus (Mietspiegel der Landeshauptstadt Potsdam 2014, Stadt Potsdam). Parallel dazu kommen Angebotsauswertungen auf durchschnittlich etwa 8,70 Euro je Quadratmeter im Jahr 2014. Für das Jahr 2024 zeigen dieselben Angebotsreihen bereits knapp 14 Euro pro Quadratmeter als Durchschnittswert. Hochgerechnet bedeutet das einen Mietanstieg von ungefähr 60 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts – ein Befund, der durch den aktuellen Mietspiegel 2024 der Stadt, der deutlich höhere Vergleichsmieten ausweist, in der Tendenz bestätigt wird (Mietspiegel 2024, Stadt Potsdam). Für Mieterinnen und Mieter heißt das: Wer heute einen neuen Vertrag abschließt, bewegt sich in einem Marktumfeld, in dem Neuvertragsmieten deutlich über den Niveaus von 2014 liegen.
Auch am Kaufmarkt ist der Sprung unübersehbar. Ein aktueller Marktbericht zu den Immobilienpreisen in Potsdam aus dem Jahr 2024 weist durchschnittliche Quadratmeterpreise von rund 4.700 Euro für Eigentumswohnungen und gut 6.100 Euro für Ein? und Zweifamilienhäuser aus (Marktbericht „Immobilienpreise Potsdam 2024“, Lützow Immobilien). Der Grundstücksmarktbericht 2024 für die Landeshauptstadt Potsdam, herausgegeben vom örtlichen Gutachterausschuss, beschreibt die frühen 2010er?Jahre im Vergleich dazu als historisch niedriges Ausgangsniveau mit deutlich geringeren Kaufpreisen. Zugleich dokumentiert der Bericht, dass die Transaktionszahlen nach dem Zinsanstieg zwar zurückgingen, sich 2024 jedoch wieder belebt haben – bei Preisniveaus, die im Kern auf dem Hochplateau der vergangenen Jahre verharren (Grundstücksmarktbericht 2024, Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Landeshauptstadt Potsdam).
Der Jahresvergleich macht damit zweierlei sichtbar: Kurzfristig ist eine gewisse Normalisierung nach Jahren nahezu ungebremster Preis? und Mietsteigerungen erkennbar, wie sie die jüngsten Marktberichte und der Grundstücksmarktbericht 2024 beschreiben. Langfristig aber steht ein struktureller Kostensprung, der den Zugang zum Potsdamer Wohnungsmarkt für breite Schichten deutlich erschwert hat – eine Entwicklung, die sich über den Zeitraum 2014 bis 2024 anhand des Mietspiegels der Stadt und der ausgewerteten Kaufpreisdaten klar nachzeichnen lässt und die wohnungspolitische Debatte in Potsdam nachhaltig prägt.


