Sanierungsprojekte beschleunigen: Möglichkeiten für die effizientere Bauabwicklung

Sanierungsprojekte beschleunigen: Möglichkeiten für die effizientere Bauabwicklung

Sanierungsprojekte beschleunigen: Möglichkeiten für die effizientere Bauabwicklung
Bild: freepik.com/freepik

Der Gebäudesektor steht unter massivem Druck. Angesichts der ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung und der alternden Bausubstanz in deutschen Metropolen ist die energetische und strukturelle Sanierung unumgänglich geworden. Doch Sanierungsprojekte im Bestand sind komplex, oft unvorhersehbar und zeitintensiv. Verzögerungen führen nicht nur zu steigenden Kosten, sondern blockieren auch dringend benötigten Wohnraum. Wie lassen sich Sanierungsprojekte im heutigen Marktumfeld beschleunigen?

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Ein Blick auf innovative Technologien und prozessuale Anpassungen zeigt, dass Effizienzsteigerungen kein Wunschdenken sind, sondern das Ergebnis präziser Planung und moderner Methoden.

Die Krux des Bestands: Warum Sanierungen oft stocken

Anders als beim Neubau ist die Informationslage bei Bestandsgebäuden häufig lückenhaft. Analoge Pläne, die nicht mehr dem Ist-Zustand entsprechen, führen zu Fehlplanungen, die erst während der Bauphase entdeckt werden. Hinzu kommen fragmentierte Lieferketten und ein Mangel an Fachkräften. Um diese Hürden zu überwinden, müssen Projektentwickler und Bestandshalter auf drei wesentliche Hebel setzen.

1.   Digitale Bestandsaufnahme: Die Basis für Planungssicherheit

Einer der häufigsten Gründe für Bauverzögerungen sind Überraschungen im Bestand. Wenn Maße nicht stimmen oder Leitungen anders verlaufen als gedacht, stehen die Gewerke still. Eine effiziente Bauabwicklung beginnt daher lange vor dem ersten Hammerschlag mit einer lückenlosen digitalen Datengrundlage.

Anstatt sich auf veraltete Papierpläne zu verlassen, setzt die Branche zunehmend auf hochpräzise Technologie. Mit Hilfe von 3D-Laserscanning lassen sich Gebäude und Innenräume binnen kürzester Zeit millimetergenau erfassen. Gerade bei großen Wohnanlagen und Großimmobilien entsteht dabei eine Zeitersparnis von mehreren Wochen im Vergleich zu manuellen Methoden. Ein weiterer Vorteil: Bei vermieteten Einheiten werden die Bewohner nur minimal beeinträchtigt, da die Vermessung im möblierten Zustand erfolgen kann.

Die Daten lassen sich dabei je nach Bedarf und Genauigkeitsanforderungen erfassen und können als Basis für digitale Zwillinge und BIM-Modelle (Building Information Modeling) dienen. Wer von Anfang an mit einem realitätsgetreuen digitalen Abbild arbeitet, minimiert Nachträge und Fehlbestellungen drastisch – ein entscheidender Zeitvorteil im Projektverlauf.

2.   Serielles Sanieren: Industrielle Präzision statt Manufaktur

Ein weiterer Hebel zur Beschleunigung ist das Prinzip des seriellen Sanierens. Hierbei werden standardisierte Fassadenelemente, Dachmodule oder Technik-Units industriell vorgefertigt und auf der Baustelle lediglich montiert.

Dieser Ansatz wird zudem politisch stark forciert: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) attraktive Anreize. Mit dem Seriellen Sanierungsbonus können Vorhaben, die auf vorgefertigte Fassaden- oder Dachsysteme setzen, zusätzliche Tilgungszuschüsse oder Investitionszulagen erhalten, was die Wirtschaftlichkeit dieser beschleunigten Bauweise erheblich steigert.

3.   Lean Construction: Prozessoptimierung auf der Baustelle

Effizienz ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem des Managements. Lean Construction – angelehnt an die Prinzipien der Automobilindustrie – zielt darauf ab, Verschwendung in Form von Wartezeiten, Transportwegen und Materialüberschuss zu eliminieren.

Durch eine engmaschige Taktplanung werden die Arbeitsabläufe der einzelnen Gewerke so synchronisiert, dass keine Leerlaufzeiten entstehen. Digitale Tools für das Baustellenmanagement ermöglichen es heute, den Fortschritt in Echtzeit zu tracken. Wenn ein Gewerk fertig ist, wird das nachfolgende automatisch benachrichtigt. Diese Transparenz reduziert Reibungsverluste und sorgt dafür, dass der Zeitplan nicht nur ein theoretisches Konstrukt bleibt, sondern aktiv gelebt wird.

Synergien nutzen für den Sanierungserfolg

Die Beschleunigung von Sanierungsprojekten ist kein Resultat einer einzelnen Maßnahme, sondern das Zusammenspiel aus digitaler Präzision, industrieller Vorfertigung und modernem Prozessmanagement. Investitionen in eine saubere Datengrundlage, etwa durch modernes Vermessungswesen, amortisieren sich bereits in der frühen Planungsphase durch vermiedene Planungsfehler.

Im Bereich des Wohninvestmentmarkts wird das Sanieren von Bestandsimmobilien damit attraktiver. Für Immobilienentscheider bedeutet dies: Wer heute in Technologie und optimierte Abläufe investiert, sichert sich nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern leistet einen aktiven Beitrag zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors, schnell, effizient und wirtschaftlich.