Seniorenwohnen: 78 Prozent wollen im Alter zuhause leben

Seniorenwohnen: 78 Prozent wollen im Alter zuhause leben

Seniorenwohnen: 78 Prozent wollen im Alter zuhause leben
Quelle: Peggychoucair / Pixabay

Die Gesundheitsversorgung verlagert sich zunehmend in den Alltag der Menschen und damit in die eigenen vier Wände. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale „Healthy Living“-Studie von PwC und Strategy&, für die 4.000 Verbraucher in Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan befragt wurden. Gleichzeitig reagieren Unternehmen wie die DPF Group mit neuen Service-Wohnkonzepten auf die steigende Nachfrage nach altersgerechten und gesundheitsorientierten Wohnformen.

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67 Prozent der Befragten zählen die persönliche Gesundheit zu ihren drei wichtigsten Lebensprioritäten. Damit liegt Gesundheit deutlich vor finanzieller Unabhängigkeit, beruflicher Sicherheit oder sozialem Status. In Deutschland fällt dieser Wert laut Studie nochmals höher aus als im internationalen Durchschnitt. Gleichzeitig wünschen sich 78 Prozent der Befragten, im Alter zuhause oder in gemeinschaftlichen Wohnformen zu leben. Nur 16 Prozent bevorzugen klassische Pflegeeinrichtungen oder vergleichbare institutionelle Angebote. Die Studie beschreibt damit eine deutliche Verschiebung im Verständnis von Wohnen und Gesundheitsversorgung. Wohnungen sollen künftig stärker präventive und gesundheitsunterstützende Funktionen übernehmen. Dazu zählen unter anderem barrierearme Architektur, intelligente Beleuchtungssysteme, Sensorik zur Gesundheitsüberwachung, digitale Assistenzsysteme oder wohnungsintegrierte Pflege- und Fitnessangebote. Besonders groß ist das Interesse der Verbraucher an gesundheitsfreundlicher Architektur und Wohnraumgestaltung. 49 Prozent der Befragten nennen diesen Bereich als besonders relevant. Dazu gehören unter anderem Lösungen zur Sturzprävention, ergonomische Einrichtungen oder die Anbindung externer Pflegedienstleistungen. Weitere 43 Prozent interessieren sich für Fitness- und Ernährungsangebote im Wohnumfeld, etwa Heimtrainingsgeräte, gemeinschaftliche Gärten oder Lieferangebote für gesunde Ernährung. 39 Prozent zeigen Interesse an Technologien zur Überwachung von Gesundheits- und Körperdaten zuhause, darunter intelligente Waagen, Medikamentenspender oder digitale Gesundheitsplattformen.

Potenzial in Deutschland: 311 Milliarden

Das wirtschaftliche Potenzial dieser Entwicklung fällt erheblich aus. Für Deutschland, die USA, Großbritannien und Japan zusammen beziffert die Studie das jährliche Marktvolumen für Healthy-Living-Lösungen auf rund 2,38 Billionen US-Dollar. Das entspricht etwa sechs Prozent der kombinierten Wirtschaftsleistung dieser vier Länder. Der größte Markt entfällt mit rund 1,4 Billionen US-Dollar auf die USA. Für Deutschland errechnet die Studie ein Marktpotenzial von rund 311 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Untersuchung zeigt zugleich eine konkrete Zahlungsbereitschaft der Verbraucher. Im Durchschnitt wären die Befragten bereit, monatlich zusätzlich für Wohnraum zu zahlen, der gesundes Leben und längere Selbstständigkeit unterstützt. Besonders hohe Ausgabenbereitschaft besteht bei gesundheitsfreundlicher Architektur, innovativen Wohnkonzepten und intelligenten Haushaltslösungen.

DPF Group launcht livree

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch das Segment Seniorliving weiter an Bedeutung. Die DPF Group hat beispielsweise dazu eine Rahmenvereinbarung mit der Blankbau Gruppe geschlossen, um ihr Service-Wohnkonzept livree in Nordrhein-Westfalen auszubauen. Perspektivisch sollen bis zu zehn Standorte entstehen. Das Konzept kombiniert eigenständiges Wohnen in privaten Apartments mit flexibel buchbaren Dienstleistungen, Concierge-Angeboten und digitalen Services. Hinter livree stehen die Marken Tertianum und RAS, die innerhalb der DPF Group seit Jahren im Bereich Premium Senior Living sowie Concierge- und Community-Management tätig sind. Ein erstes livree-Projekt befindet sich derzeit in Essen in der Entwicklung, der Baustart ist für Ende 2026 vorgesehen. „Mit der Vereinbarung schaffen wir eine verlässliche Grundlage, um livree strukturiert in den Markt zu bringen. Unser Ziel ist es, ein ansprechendes und zukunftsfähiges Angebot im Service-Wohnen zu realisieren, die den Bedürfnissen einer neuen Generation entsprechen“, erklärt Felix von Braun, geschäftsführender Gesellschafter der DPF Group. In einem Marktumfeld, das zunehmend von fehlenden Pflegekapazitäten und dem Wunsch nach längerer Selbstständigkeit geprägt ist, gewinnen solche hybriden Wohn- und Servicekonzepte an Relevanz.

DPF bezeichnet livree als ein Drei-Sterne-Produkt. Die Betonung auf Bezahlbarkeit ist auch in diesem Segment von sehr hoher Bedeutung, denn die Finanzierung bleibt eine Hürde. 56 Prozent der Befragten nennen Kosten und Bezahlbarkeit als zentrale Sorge im Zusammenhang mit Healthy-Living-Konzepten. Weitere 40 Prozent äußern Bedenken hinsichtlich Zuverlässigkeit und Wartung technischer Lösungen. 36 Prozent sorgen sich um Datenschutz und Datensicherheit.

Fachkräftemangel wird Markt bestimmen

Die Studie verweist zudem auf massive strukturelle Probleme im Gesundheitswesen. Weltweit könnten bis 2030 rund zehn Millionen Fachkräfte im Gesundheitssektor fehlen. Für Deutschland prognostiziert PwC einen Mangel von mehr als 100.000 Ärzten sowie rund 575.000 Pflege- und Betreuungskräften. Besonders betroffen seien Pflegebereiche und ländliche Regionen. Auch andere Länder stehen laut Studie vor ähnlichen Herausforderungen. In Großbritannien könnten bis 2036 bis zu 360.000 Stellen im Gesundheitswesen unbesetzt bleiben. In Japan wird bis 2040 ein Defizit von mehr als 580.000 Pflegekräften erwartet. Parallel dazu seien die bestehenden Wohnungsbestände vielfach nicht auf alternde Gesellschaften vorbereitet. In Deutschland gelten laut Studie lediglich rund zwei Prozent der Wohnungen als vollständig barrierefrei. In England erfüllen nur sieben Prozent der Wohnungen grundlegende Anforderungen an Barrierearmut. In Japan verfügen lediglich 5,4 Prozent der Immobilien über entsprechende barrierereduzierte Ausstattungen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Verlagerung von Gesundheitsversorgung in den Wohnraum aus Sicht der Autoren zunehmend an Bedeutung. Die Studie beschreibt dabei konkrete technische Entwicklungen: Sensoren zur Messung von Luftqualität und Bewegungsmustern, intelligente Medikamentenspender, digitale Fitness- und Rehabilitationsangebote, robotische Assistenzsysteme sowie KI-gestützte Frühwarnsysteme zur Erkennung gesundheitlicher Risiken. Auch staatliche Förderung spielt laut Untersuchung eine zentrale Rolle. 67 Prozent der Befragten geben an, dass staatliche Zuschüsse ihre Bereitschaft zur Nutzung von Healthy-Living-Angeboten erhöhen würden. Zudem würden 44 Prozent zusätzliche öffentliche Mittel bevorzugt in gesundheitsorientierte Wohnumgebungen investieren. Energieeffiziente Gebäude folgen mit 21 Prozent deutlich dahinter, sicherheitsorientierte Gebäude mit 19 Prozent sowie Smart-Home-Lösungen mit rund 16 Prozent. Beim Vertrauen in mögliche Anbieter solcher Lösungen liegen klassische Gesundheitsakteure vorn. Krankenhäuser genießen mit 35 Prozent das höchste Vertrauen, gefolgt von Pflegeanbietern mit 32 Prozent und Krankenversicherungen mit 29 Prozent. Immobilienunternehmen erreichen dagegen lediglich acht Prozent.

Die Studie sieht deshalb einen stärkeren Schulterschluss verschiedener Branchen als notwendig an. Neben Gesundheitsdienstleistern sollen Immobilienunternehmen, Versicherungen, Medizintechnikhersteller, Pharmaunternehmen sowie staatliche Institutionen enger zusammenarbeiten, um entsprechende Wohn- und Versorgungskonzepte umzusetzen.