TGA: Gebäudetechnik zwischen Baukrise und Sanierungsboom

TGA: Gebäudetechnik zwischen Baukrise und Sanierungsboom

TGA: Gebäudetechnik zwischen Baukrise und Sanierungsboom
Quelle: danielkirsch / Pixabay

Das Frühjahrsgutachten 2026 des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung zeigt eine Branche in einer strukturellen Verschiebung. Während der Neubau im Nichtwohnbau weiter schrumpft, wächst die Bedeutung von Bestandsmodernisierung, öffentlichem Bau und serieller Sanierung.

Agentur

Die Technische Gebäudeausrüstung steht vor einem grundlegenden Wandel ihres Marktumfeldes. Das Frühjahrsgutachten 2026 des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung zeigt eine Branche, die sich nach mehreren Jahren Baukrise neu ausrichtet. Während der Neubau im Nichtwohnbau weiter unter Druck steht, verschieben sich Nachfrage und Investitionen zunehmend in Richtung Sanierung, Gebäudebestand und öffentliche Bauprojekte. Die Studie der B+L Marktdaten GmbH analysiert die Entwicklung im Nichtwohnbau sowie im großvolumigen Wohnungsbau und zeichnet ein differenziertes Bild der Baukonjunktur. Das Jahr 2025 war für viele Marktteilnehmer von rückläufiger Neubautätigkeit geprägt. Gleichzeitig zeigen mehrere Indikatoren eine erste Stabilisierung. Besonders bei den Auftragserwartungen rechnen zahlreiche Unternehmen der Gebäudetechnik für 2026 wieder mit leicht steigenden Auftragszahlen.

Hintergrund der Entwicklung ist eine seit mehreren Jahren anhaltende Investitionsschwäche im Bau. Seit 2022 gehen bekanntlich die Bauinvestitionen sowohl im Wohnungsbau als auch im Nichtwohnbau zurück. Die Auswirkungen zeigen sich besonders deutlich im gewerblichen Neubau. Nach Berechnungen der Studie wurden im Jahr 2025 in Deutschland rund 26,06 Millionen Quadratmeter Nichtwohnfläche neu errichtet. Das entspricht einem Rückgang um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Jahr 2026 erwarten die Analysten einen weiteren Rückgang auf rund 25,26 Millionen Quadratmeter.

Gleichzeitig bleibt der Nichtwohnbau ein zentrales Segment der Bauwirtschaft. Trotz der schwachen Neubautätigkeit entfielen 2025 rund 58 Prozent aller neu errichteten Flächen in Deutschland auf Nichtwohngebäude. Besonders prägend sind Industrie und Logistikimmobilien. Allein Industrie und Lagerhallen machten im vergangenen Jahr rund 12,6 Millionen Quadratmeter beziehungsweise 48,1 Prozent der neu errichteten Nichtwohnflächen aus. Bürogebäude spielen dagegen eine deutlich kleinere Rolle. Mit rund 3,36 Millionen Quadratmetern beziehungsweise 12,9 Prozent der Neubauflächen bleiben sie zwar ein wichtiger Markt, verlieren jedoch aufgrund sinkender Flächennachfrage weiter an Bedeutung.

Die Bauinvestitionen im Nichtwohnbau beliefen sich 2025 nach Berechnungen der Studie auf rund 78,9 Milliarden Euro. Das entspricht real einem Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 erwarten die Autoren eine weitgehend stagnierende Entwicklung. Deutlich stabiler als der Neubau entwickeln sich jedoch Investitionen in bestehende Gebäude.

Bestand als stärkste Stütze für TGA-Unternehmen?

Bereits heute entfällt rund zwei Drittel der Investitionen im Nichtwohnbau und im großvolumigen Wohnungsbau auf Bestandsmaßnahmen. Für das Jahr 2026 prognostiziert die Studie rund 59 Milliarden Euro Investitionen in Sanierung, Modernisierung sowie Wartung und Instandhaltung bestehender Gebäude. Für die Technische Gebäudeausrüstung ist dieser Markt besonders relevant, da Modernisierungen häufig den Austausch oder die Anpassung technischer Anlagen erfordern. Hinzu kommt der zunehmende klimapolitische Druck auf den Gebäudebestand. Der Gebäudesektor verursacht nach Angaben der Studie rund 30,7 Prozent der CO?-Emissionen in Deutschland. Gleichzeitig entfielen 2024 rund 14,2 Prozent des Endenergieverbrauchs auf Nichtwohngebäude. Der überwiegende Teil dieser Energie wird für Raumwärme benötigt. Noch immer dominiert dabei der Einsatz fossiler Energieträger. Im Jahr 2024 lag ihr Anteil bei Raumwärme und Warmwasser im Nichtwohnbau jeweils bei über 60 Prozent. Der Austausch dieser Systeme gilt deshalb als eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.

Ein zusätzlicher Treiber für die Gebäudetechnik ist die zunehmende Bedeutung von Klimatisierung und Gebäudekühlung. Anders als im Wohnbau spielen Beleuchtung und Klimakälte im Nichtwohnbau eine deutlich größere Rolle beim Energieverbrauch. Allein auf Beleuchtung entfallen rund 18,7 Prozent des Energieverbrauchs, während Klimakälte rund 3,6 Prozent ausmacht.

Die wichtigsten strukturellen Entwicklungen der Studie im Überblick:

Neben der energetischen Sanierung gewinnt auch das serielle Sanieren an Bedeutung. Dabei werden Fassaden und Haustechnik mit industriell vorgefertigten Elementen modernisiert. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur wurden 2024 rund 1.194 Förderanträge für serielle Sanierungen mit insgesamt 6.701 Wohneinheiten bewilligt.

Langfristig sehen Experten hier erhebliches Wachstumspotenzial. In der Analyse zitierte Studien gehen davon aus, dass etwa drei Millionen Wohnungen beziehungsweise rund 500.000 Gebäude grundsätzlich für serielle Sanierungsverfahren geeignet sind. Selbst wenn nur ein kleiner Teil dieses Potenzials realisiert wird, würde sich daraus ein erheblicher Markt für Bauunternehmen und Gebäudetechnik ergeben.

Trotz Krise: Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft stabil

Auch bei den Auftragsstrukturen der Branche zeigt sich der Wandel bereits deutlich. Mehr als 84 Prozent der Aufträge der TGA-Fachbetriebe stammen aus dem Nichtwohnbau, während großvolumige Wohngebäude rund 15 Prozent ausmachen. Besonders stabil erweist sich dabei das Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft, das selbst während der Baukrise relativ konstante Nachfrage generiert. Für das Jahr 2026 erwarten die befragten Unternehmen erstmals wieder eine leicht positive Entwicklung der Aufträge in allen Segmenten. Das ergibt sich wohl auch aus der Tatsache, dass die Mehrheit der befragten Unternehmen von einem Rückgang bei stornierten und verschobenen Projekten berichtet.