TGA im Krisenmodus: Aufträge 2025 auf historischem Tief

TGA im Krisenmodus: Aufträge 2025 auf historischem Tief

TGA im Krisenmodus: Aufträge 2025 auf historischem Tief
Quelle: Pixabay

Das BTGA-Herbstgutachten 2025 beschreibt ein außergewöhnlich schwieriges Marktjahr für Unternehmen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA). Rückläufige Neubauaufträge belasten die Betriebe spürbar, während Sanierung, Wartung und serielle Ansätze an Bedeutung gewinnen. Für 2026 gehen zahlreiche TGA-Fachbetriebe von einer moderaten Entspannung der Auftragslage aus.

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Für die Unternehmen der Technischen Gebäudeausrüstung war das Jahr 2025 das bislang schwierigste der laufenden Neubaukrise. Das zeigt das Herbstgutachten 2025 des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung e.V., das auf Analysen und Befragungen der B+L Marktdaten GmbH basiert. Sowohl im Nichtwohnbau als auch im großvolumigen Wohnungsbau erreichten Neubauaktivität und Auftragseingänge einen historischen Tiefstand. Die Auswirkungen treffen die TGA-Betriebe besonders stark, da diese Segmente den Kern ihres Geschäftsmodells bilden

Der Nichtwohnbau ist das mit Abstand wichtigste Tätigkeitsfeld der TGA-Branche. Mehr als 85 Prozent der Aufträge der Fachbetriebe entfallen auf Nichtwohngebäude und großvolumige Wohnungsbauprojekte. Entsprechend unmittelbar wirken sich die rückläufigen Neubauvolumina auf die betriebliche Auslastung aus. Im Jahr 2024 wurden im Nichtwohnbau noch 27,03 Millionen Quadratmeter neu errichtet, für 2025 prognostizierte B+L einen weiteren Rückgang auf rund 26,0 Millionen Quadratmeter. Dass der Nichtwohnbau seinen Anteil an den gesamten Neubauflächen dennoch ausbauen konnte, ist vor allem auf den massiven Einbruch im sonstigen Wohnungsbau zurückzuführen und nicht auf eine stabile eigene Entwicklung.

Wie stark die Abhängigkeit der TGA-Betriebe vom Nichtwohnbau ist, verdeutlichen weitere Strukturkennzahlen aus dem Gutachten. Bei Neubauprojekten im Nichtwohnbau entfallen häufig bis zu 50 Prozent der gesamten Bauinvestitionen auf die Technische Gebäudeausrüstung, während dieser Anteil im Wohnungsbau in der Regel deutlich niedriger liegt. Gleichzeitig zeigen sich innerhalb des Nichtwohnbaus Verschiebungen zwischen den Gebäudetypen: Industrie- und Lagergebäude stellten 2024 fast die Hälfte der neu errichteten Flächen, während Büro- und Verwaltungsgebäude weiter an Bedeutung verloren. Gesundheits- und Bildungsbauten blieben flächenmäßig kleiner, sind für die TGA-Betriebe jedoch besonders relevant, da sie überdurchschnittlich hohe Anforderungen an Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Sanitär- und Elektrotechnik sowie an Gebäudeautomation stellen.

Weitere Daten und Fakten aus dem Herbstgutachten:

Die konjunkturelle Schwäche des Neubaus schlägt sich deutlich in der Auftragslage nieder. Das Gutachten zeigt, dass die TGA-Fachbetriebe im Jahr 2025 in allen Neubausegmenten rückläufige Auftragseingänge verzeichnen. Besonders belastend wirkt dabei, dass die gleichzeitig stabileren Segmente Sanierung, Wartung und Instandhaltung die Verluste im Neubau nicht vollständig kompensieren können. Dennoch verschiebt sich der betriebliche Schwerpunkt vieler Unternehmen zunehmend in den Bestand. Für den Nichtwohnbau beziffert B+L die Bauinvestitionen 2025 auf rund 81 Milliarden Euro, wobei der größere Teil auf Bestandsmaßnahmen entfällt. Für das Sanierungs- und Bestandssegment wird im laufenden Jahr ein reales Wachstum von rund zwei Prozent erwartet Diese Verschiebung wird auch durch die klimapolitische Relevanz des Nichtwohnbaus verstärkt. Nichtwohngebäude verursachten 2023 einen Endenergieverbrauch von 314 Terawattstunden und damit 13,8 Prozent des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs. Rund zwei Drittel dieses Verbrauchs entfielen auf Raumwärme, wobei fossile Energieträger weiterhin dominierten. Der energetische Sanierungsbedarf bleibt damit hoch und sichert der TGA-Branche mittel- bis langfristig ein relevantes Tätigkeitsfeld, auch wenn die Investitionsdynamik im Bestand derzeit hinter den Klimazielen zurückbleibt

Ein Bereich mit wachsender Bedeutung für die TGA-Betriebe ist die serielle Sanierung. Das Herbstgutachten weist für 2025 rund 600 seriell sanierte Wohneinheiten aus, mittelfristig wird ein deutlich höheres jährliches Volumen erwartet. Auch im Nichtwohnbau wurden bereits erste serielle Sanierungsprojekte umgesetzt, insbesondere bei größeren Liegenschaften. Für die TGA-Fachbetriebe entstehen hier neue Aufgabenfelder, etwa bei vorgefertigten Haustechnikmodulen, integrierten Lüftungs- und Klimakonzepten sowie der gebäudeübergreifenden technischen Koordination.

Trotz der angespannten Lage fällt der Ausblick der Branche differenziert aus. Die Zahl der Auftragsstornierungen ist im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024 deutlich gesunken. Viele Unternehmen bewerten die Planungssicherheit wieder etwas positiver. Für das Jahr 2026 erwartet die Mehrheit der befragten TGA-Fachbetriebe eine leicht positive Entwicklung der Auftragslage. Eine nachhaltige Entlastung durch den Neubau sehen die Gutachter jedoch erst ab dem Jahr 2027, wenn sich die aktuell schwache Genehmigungs- und Fertigstellungsentwicklung zeitverzögert auflöst.

 

 

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