Berlin: Bauakademie-Neubau als Demonstrationsobjekt für Zukunft des Bauens

Berlin: Bauakademie-Neubau als Demonstrationsobjekt für Zukunft des Bauens

Berlin: Bauakademie-Neubau als Demonstrationsobjekt für Zukunft des Bauens
Das historische Gebäude der Berliner Bauakademie entstand zwischen 1832 und 1836 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel. Copyright: Mara Kaemmel.

Die vom preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel gegründete Akademie soll wiederbelebt werden. Jetzt wurden die Ergebnisse von Think Tank und Bürgerbefragung der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Reallabor soll aber auch ein Nutzungsangebot für alle Berliner sein.

Immobileros

Die Bauakademie soll in Berlin ein neues Gebäude bekommen. Direkt in der historischen Mitte, genau dort, wo sie einst stand: vor der Haustür des wiedererrichteten Stadtschlosses. 62 Millionen Euro hat der Bundestag bereits 2016 dafür bewilligt. Seither wird darüber debattiert. Viele, die sich für die Rekonstruktion der Berliner Mitte einsetzen, wünschen und fordern eine Rekonstruktion des Schinkelbaus.

Zur Vorbereitung des Realisierungswettbewerbes sind nun im September und Oktober Fachexperten aus verschiedenen Bereichen zu einem sogenannten Thinktank zur Bauakademie zusammengekommen, einer Denkfabrik, um die verschiedenen Wünsche an dieses Gebäude gegeneinander abzuwägen. Parallel wurden Bürger zu ihren Vorstellungen befragt. Guido Spars, Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie, erklärte bei der Präsentation der Ergebnisse des Thinktanks: „Wir wollen mit dem Geld des Bundes ein Demonstrationsobjekt für die Zukunft des Bauens schaffen.“ Die neue Bauakademie soll also ein Beispiel für Innovation werden und für ökologische, ökonomische sowie soziale Nachhaltigkeit.

Regenerativ, zirkulär und regional

Klimagerechtes Bauen wurde als Muss formuliert: Dazu gehören die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels, eine Öko-Bilanz bezogen auf den gesamten Bau mit Netto-Null, ein Pilotprojekt der BNB 2.0-Zertifizerung, die Verwendung regionaler, regenerativer oder wiederverwendeter Materialien, Rebeauty – die Verknüpfung von zirkulärem Bauen mit ästhetischem Anspruch und möglichst Low Tech. Nach dem Motto: Weniger Technik im Objekt ist mehr. „Die Bauakademie soll ein Reallabor fürs Bauen werden“, sagte Guido Spars. Aber auch ein offener Ort mit niederschwelligen Nutzungsangeboten für die Berliner.

Die Expertenrunde stellt die Resultate des Thinktanks vor. Copyright: Mara Kaemmel.

„Klimaneutrales Bauen nicht machbar“

Das kommt quasi einer Absage der Eins-zu-Eins-Rekonstruktion des historischen Schinkelbaus gleich. Anja Rosen, Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, hat als Expertin für zirkuläres Bauen am Thinktank teilgenommen. Sie verwies auf den Beschluss der EU-Kommission, dass Europa bis 2045 klimaneutral sein soll, also auch nur noch zirkulär gebaut und keine neuen Ressourcen mehr verbraucht werden sollen. Doch nach einer Reihe von Diskussionsbeiträgen von Experten zu den Zielen der Bauakademie sei klar geworden: „Klimaneutrales Bauen ist mit heutigen Mitteln nicht machbar und daraus folgt eigentlich der Schluss, dass nicht mehr gebaut werden darf.“ Auch kein Neubau für eine Bauakademie.

„Wir haben uns deshalb gefragt, ob es Ausnahmen geben darf für den Transformationsprozess“, so Anja Rosen. Und wenn ja, wäre ein temporärer Bau denkbar oder wie könnte eine solche Ausnahme, eine klimagerechte Bauakademie im Sinne Schinkels aussehen? Wenn Schinkel heute leben würde, welche Innovation würde er sich wünschen? „Sicher ist, dass eine Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts am wenigsten für den Veränderungsprozess steht. Schinkel steht für gutes Bauen und das sollte in den Wettbewerb getragen werden.“ Auch in der Bürgerwerkstatt sei Konsens gewesen, dass der Veränderungsprozess im Vordergrund stehen muss.

Präsentation der Ergebnisse des Thinktanks. Copyright: Mara Kaemmel.

Eike Roswag-Klinge, Professor an der Technischen Universität und Leiter des Natural Building Lab, war für das Thema Low Tech, weniger Technik, verantwortlich in der Expertenrunde. „Schinkel würde sich im Grabe rumdrehen, wenn man ihn rekonstruiert“, sagte er. Man müsse nicht nachbauen, weil Schinkel für Innovation stehe. Für seinen Bereich bedeutet das ein Gebäude mit weniger Technik.  Moderne Gebäude, insbesondere öffentliche Gebäude, würden mit immer mehr Technik ausgestattet für immer mehr Komfort, von der Klimaanlage bis zur digitalen Steuerung. Die Technik verteuert die Baukosten und ebenfalls die Betriebs- und Instandhaltungskosten. „Wir müssen ein Wagnis eingehen und neue Betriebsmodelle entwickeln.“

Neues Gremium für die Auslobung

Im nächsten Schritt wird aus dem Thinktank ein neues Gremium gebildet, das ein adäquates Wettbewerbsverfahren diskutiert. Die Ergebnisse des Thinktanks werden im Dezember dem Stiftungsrat vorgestellt. Danach werden die Auslobungsunterlagen für den Realisierungswettbewerb fertiggestellt. „Ziel ist es, eine Wettbewerbsauslobung zu erarbeiten, mit der sich alle Beteiligten einverstanden erklären“, sagte Guido Spars. Eine Freigabe ist für das Frühjahr 2023 geplant und ebenso eine weitere Bürgerwerkstatt.

Die rekonstruierte Fassadenecke der Bauakademie steht im Herzen von Berlin. Copyright: Mara Kaemmel.

Doch die Vorstellungen des Landes Berlin sind andere. Wie der „Tagesspiegel“ berichtete, plant die Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt eine „Verordnung über die äußere Gestaltung der wiederzuerrichtenden, von Karl Friedrich Schinkel erbauten Bauakademie am Schinkelplatz 1 in Berlin-Mitte, Ortsteil Mitte“. Sie soll zumindest die Rekonstruktion der Hülle des Gebäudes vorschreiben. Ein Beispiel für die Fassade ist am Schinkelplatz zu sehen. Der Entwurf der Verordnung sei fertig und solle noch in diesem Jahr festgesetzt werden.

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