Digitalisierung in der Corona-Krise: Was hat sich in der Immobilienbranche verändert?

Digitalisierung in der Corona-Krise: Was hat sich in der Immobilienbranche verändert?

Digitalisierung in der Corona-Krise: Was hat sich in der Immobilienbranche verändert?
Marco Hoffmann im Digitalisierungsinterview. Copyright: (links) Gerd Altmann auf Pixabay; (rechts) Real Estate Pilot AG

Marco Hoffmann, Gründer und Vorstand der Real Estate Pilot AG, spricht mit IMMOBILIEN AKTUELL über die Corona-Krise als Katalysator, die Wandlung in kleinen Unternehmen und die Bedeutung von digitalen Tools.  

Wie sollte sich ein Unternehmen dem Thema Digitalisierung nähern?

Marco Hoffmann: Der wichtigste Punkt ist eine gemeinsame Vision. Wo möchte das Unternehmen in den nächsten Jahren hin? Welche Ziele sollen erreicht werden? Viele haben bereits erste Schritte gemacht und dabei vor allem den Schwerpunkt auf die Lösung von einzelnen Problemen gelegt. Wichtig ist jedoch das Big Picture. Ist das vorhanden, können einzelne Maßnahmen an diesem orientiert umgesetzt werden. Digitalisierung ist ein Prozess, der nicht in kurzer Zeit abgeschlossen werden kann. Sowohl finanzielle als auch personelle Ressourcen müssen entsprechend aufgewendet werden.

Die größten Herausforderungen bei der Digitalisierung

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung?

Marco Hoffmann: Am Markt gibt es inzwischen zahlreiche PropTech-Unternehmen, die Lösungen für die Branche anbieten. Oftmals sind dies Lösungen für einzelne Aufgabenstellungen. Die große Herausforderung in diesem Kontext sind einheitliche Datenstandards. Mit einheitlichen Standards wird es möglich, dass einzelne Anwendungen untereinander interagieren. Wichtig für die Unternehmen ist es, nicht zu viele Insellösungen aufzubauen, die am Ende mit mehrfacher Datenpflege mehr Aufwand verursachen. Letztlich kann die Geschwindigkeit der Digitalisierung selbst bestimmt werden und schafft die Möglichkeit, das Kerngeschäft nicht aus den Augen zu verlieren.

Was sind die wichtigen Daten für einen erfolgreichen Prozessablauf?

Marco Hoffmann: Wichtig ist vor allem der richtige Umgang mit den Daten. Natürlich gibt es bei einer Immobilie immer einen gewissen Satz Stammdaten. Dieser sollte über alle Prozessschritte hinweg mitgenommen werden. Zusätzlich werden diese Stammdaten in den einzelnen Schritten durch weitere Informationen angereichert.  Auf diese Weise entsteht ein sehr komplexer Datensatz, mit dem man auch umgehen muss.

Transparente und nachvollziehbare Daten für eine erfolgreiche Entscheidungsfindung

Was bedeutet das für eine erfolgreiche Due-Diligence-Prüfung?

Marco Hoffmann: Wenn man sich in einer Stadt gut auskennt, trifft man seine Entscheidung oftmals sehr gut aus dem Bauch heraus. Diese Herangehensweise ist aber auf den lokalen Markt beschränkt. Für die Erschließung neuer Märkte sowie ab einer gewissen Unternehmensgröße funktioniert diese Art der Entscheidungsfindung nicht mehr. Man benötigt also valide, transparente und nachvollziehbare Daten, die man in seine Entscheidungsfindung einfließen lassen kann. Denn es kommt auf einen kompletten, ganzheitlichen Blick auf die Stadt und das Gebiet an. Dafür braucht es nicht nur tagesaktuelle Daten, sondern beispielsweise historische Informationen. Weiterhin sind Informationen über demographische Entwicklungen, sozioökonomische Marker und die sogenannten POI’s (Points of Interests) relevant. Nur so kann sich die Kompetenz entfalten, zukünftige Entwicklungen über einen Standort herauszulesen. Am Ende ist es entscheidend, die eigenen Daten und Erfahrungen mit den verfügbaren Marktdaten in Einklang zu bringen und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten.

Welche Lösungen bietet die Real Estate Pilot AG an?

Marco Hoffmann: Meine Vision ist es, eine vollintegrierte Plattform zur Verfügung zu stellen, mit welcher an allen Stellen im Immobilienzyklus spezialisierte, miteinander interagierende Tools zur Verfügung stehen. Die Real Estate Pilot AG stellt bereits heute mit GeoMap und TeamProQ Anwendungen zur Verfügung, die Nutzern klare Prozessoptimierungen ermöglichen. Wir stellen alle Facetten von Daten und Informationen im gesamten DACH-Raum zu Verfügung, sowohl zum Objekt als auch zum Standort und dessen Entwicklung. Darüber hinaus bieten wir die Möglichkeit, standardisierte Datensätze mit eigenen, individuellen Daten zu erweitern. Unsere Tools sind flexibel einsetzbar, unabhängig von der Größe des Projektes oder der Anzahl der beteiligten Personen. Der modulare Aufbau ermöglicht es, individuell den Funktionsumfang zusammenzustellen und auf diese Weise schrittweise zu erweitern. Mir ist wichtig, dass man sofort mit unseren Tools starten kann und umgehend den Mehrwert erkennt.

Alle müssen bei der Digitalisierung im Unternehmen mitziehen

Wie wird Individualität berücksichtigt?

Marco Hoffmann: Klar ist, dass sich zwar die Prozesse der einzelnen Player im Wesentlichen gleichen, dennoch aber überall eine individuelle Note enthalten ist. Dies wird beispielsweise durch die Anpassung an die individuelle Corporate Identity, spezialisierte Exporte oder Anpassungen im Prozessablauf abgebildet.

Welche Rolle spielt das Team?

Marco Hoffmann: Schlussendlich, und da schließt sich wieder der Kreis, ist der Erfolg eines digitalen Projektes abhängig von den beteiligten Personen. Stehen die eigenen Mitarbeiter hinter der gemeinsamen Vision, wird das Projekt Digitalisierung erfolgreich sein. An dieser Stelle unterstützen wir mit umfangreichen Consulting-Angeboten zur Entwicklung des Big Pictures sowie bei der Erstellung eines individuell angepassten Fahrplanes.

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