Ferdinandplatz in Dresden: Das ist der Siegerentwurf für den Rathausneubau

Ferdinandplatz in Dresden: Das ist der Siegerentwurf für den Rathausneubau

Ferdinandplatz in Dresden: Das ist der Siegerentwurf für den Rathausneubau
Am Dresdner Ferdinandplatz soll ein neues Technisches Rathaus entstehen. Quelle: IMMOCOM

Die Stadt Dresden plant bis 2025 am Ferdinandplatz ein neues Verwaltungszentrum als zentrale Anlaufstelle für Grundstücksfragen, Bauanträge oder Anliegen zu Klimaschutz und Mobilität. Die Bauarbeiten haben noch gar nicht richtig begonnen, da zeichnet sich schon ab, dass das Bauvorhaben teurer wird als ursprünglich veranschlagt.

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Artikel vom 23.02.2021: Das gibt es in Dresden bei Bauprojekten selten: Das Urteil der Fachjury stimmt mit dem Ergebnis der Online-Bürgerbeteiligung überein. Nach der abschließenden Jurysitzung stand am 25. Januar 2021 das Konzept der Firma Ed. Züblin AG in der Bietergemeinschaft mit der Dressler Bau GmbH als Sieger beim Wettbewerblichen Dialog zum Bau eines neuen Verwaltungszentrums am Dresdner Ferdinandplatz fest. Als Planer fungieren die Architekturbüros Tchoban Voss aus Dresden und Barcode Architects aus Rotterdam.

Siegerentwurf für Verwaltungszentrum in Dresden punktet mit prägnanter Fassade

Ihr Entwurf bietet durch eine dunklere Verkleidung der beiden oberen Geschosse über einer hellen Kalksteinfassade farbliche Kontraste. Auffällig ist beim Blick aus Richtung St. Petersburger Straße ein Loch im Mittelteil der Fassade. Es soll wie ein Fenster zum gegenüberliegenden Rathaus wirken. Besonders am Ferdinandplatz zeichnen sich die ersten beiden Geschosse durch großzügige Glasfassaden aus. Dahinter sollen Geschäfte und Restaurants zum Verweilen einladen. Zum Projekt gehören Dachbegrünung und Solaranlage.

Die Entscheidung zwischen dem ersten und zweiten Anbieter fiel Medienberichten zufolge mit 407 zu 379 Punkten relativ knapp aus. Auch die Stadt spricht in einer Mitteilung von einer „kontroversen Diskussion“. „Ausschlaggebend für die Juryentscheidung waren die prägnante Fassade, die durch ihre bewusst gewählte Farbigkeit und Materialität zwischen dem historischen Dresden und einem zeitgenössischen, modernen Erscheinungsbild vermittelt und so die Identität des Ortes stärken wird“, schätzt Baubürgermeister Stephan Kühn ein. Der Eingangsbereich am Ferdinandplatz wirke offen und transparent. Das kompakte Volumen werde durch zwei begrünte Lichthöfe aufgelöst. Der Grünen-Politiker weist zudem darauf hin, dass  das Großprojekt einen „bewusst gesetzten Gegenpol zum gegenüberliegenden Neuen Rathaus bilde“.

Für diesen Entwurf entschied sich die Jury. Quelle: Landeshauptstadt Dresden.Für diesen Entwurf entschied sich die Jury. Quelle: Landeshauptstadt Dresden.Für diesen Entwurf entschied sich die Jury. Quelle: Landeshauptstadt Dresden.Dieser Entwurf fiel bei der Jury knapp durch. Quelle: Landeshauptstadt Dresden.

Dresdner haben eine klare Meinung

Im Dezember 2020 war in einer Online-Umfrage die Meinung der Dresdner über die beiden finalen Wettbewerbsentwürfe zum Neubau des Verwaltungszentrums gefragt. Fast 5.900 Bürger füllten einen Fragebogen aus, mit einer deutlichen Mehrheit haben sie sich für den Wettbewerbsbeitrag Nr. 1 ausgesprochen. Das Votum diente der Jury allerdings nur als Stimmungsbild und war auch nicht bindend.

Mit dem nun erfolgten Juryentscheid ist der Wettbewerbliche Dialog – Dresden hatte sich zu diesem Schritt auch beim Umbau des Kraftwerks Mitte zu Spielstätten für die Staatsoperette und das Theater Junge Generation entschieden – abgeschlossen. Nun wird der Preisträger als Totalübernehmer mit der Planung und dem Bau des neuen Verwaltungszentrums beauftragt. Dies übernimmt die städtische Tochter KiD – Kommunale Immobilen Dresden GmbH & Co. KG. Sie finanziert den Bau über einen Kredit und die Verwaltung mietet sich dann ein. Mit der Firma Ed. Züblin AG hat die KiD bereits beim Kraftwerk gute Erfahrungen gesammelt.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (links) und Baubürgermeister Stephan Kühn waren Teil der Jury. Quelle: Landeshauptstadt Dresden.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (links) und Baubürgermeister Stephan Kühn waren Teil der Jury. Quelle: Landeshauptstadt Dresden.

Darum baut Dresden ein Neues Verwaltungszentrum

Bis 2025 soll das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz entstehen. „Das ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zu einer modernen bürgerfreundlichen Verwaltung“, kündigt Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert an. Der Oberbürgermeister setzt unter dem Stichwort Stadtverwaltung 4.0 auf zukunftsfähige Bürokonzepte und weitgehende Digitalisierung. Im Vorfeld hatte sich die Stadt das Beratungsunternehmen Ramboll an Bord geholt.

Mit dem Verwaltungszentrum erhalten die Dresdner eine zentrale Anlaufstelle und kurze Wege bei Grundstücksfragen, Bauanträgen sowie Anliegen zu Mobilität und Klimaschutz. Auch die Wirtschaftsförderung und das Fundbüro werden dort einziehen. Der Bau könnte im nächsten Jahr beginnen. Aktuell laufen auf der Baustelle noch die archäologischen Arbeiten. Bis März sollen die gefundenen Keller beseitigt werden.

So sieht es aktuell vor Ort aus. Quelle: IMMOCOM
So sah es 2021 vor Ort aus. Quelle: IMMOCOM

Neue Arbeitsplätze für rund 900 Mitarbeiter benötigt

Immer wieder gibt es Kritik an dem Großvorhaben, vor allem die Notwendigkeit dafür wird bezweifelt. Nach dem Juryentscheid fühlten sich einige Stadträte übergangen. Die Freien Wähler fordern einen Beschluss des Stadtrates dazu. Laut der Stadt ist der Rathausneubau ein Projekt für einhundert Jahre. Sie zahle zwar zunächst Miete an ein städtisches Tochterunternehmen, erwerbe aber langfristig Eigentum. Damit befreie sie sich von den Preisentwicklungen für die Anmietung privater Büroflächen.

Sich in vorhandene Büroräume weiter einzumieten, sei für die Stadt nach eigenen Angaben keine Option. Ausreichend Flächen an einer zentralen Stelle seien nicht verfügbar, da die Büros auf dem ehemaligen Robotronareal von Seiten des Vermieters aufgrund eigener Investitionsabsichten gekündigt wurden. Sie stehen der Stadt Dresden maximal bis Ende 2025 zur Verfügung. Diese muss damit für etwa 900 Mitarbeiter neue Arbeitsplätze schaffen.

Konkretere Informationen zum neuen Dresdner Verwaltungszentrum

Update vom 20.06.2021: Als Generalübernehmer realisieren die STRABAG-Tochtergesellschaft ZÜBLIN und die Dreßler Bau GmbH in einer Arbeitsgemeinschaft das neue Verwaltungszentrum. Der Design & Build-Auftrag der Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co. KG hat einen Pauschalfestpreis von 116 Millionen Euro; der Vertrag darüber wurde Mitte April feierlich unterzeichnet. Binnen vier Jahren wird der 33 Meter hohe Neubau am Ferdinandplatz in die Realität umgesetzt. Aktuell läuft die weitere Detailplanung. Im Frühjahr 2022 schließt sich eine dreijährige Bauzeit bis zur Fertigstellung Ende März 2025 an. Die Erstellung der Baugrube wird noch gesondert ausgeschrieben.

Das neue Verwaltungszentrum hat eine Bruttogeschossfläche von 33.500 Quadratmetern, die sich auf sieben oberirdische Stockwerke mit asymmetrischem Grundriss und zwei Tiefgaragen-Ebenen verteilen. Insgesamt sollen auf einer oberirdischen Nutzfläche von 16.700 Quadratmetern für rund 1.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Dresden neue Arbeitsplätze entstehen.

Die größte Herausforderung für das Projektteam sieht Bauoberleiter Frank Hübner vom federführenden ZÜBLIN-Bereich Sachsen in der Umsetzung des aufwendig und offen über zwei Ebenen konzipierten Eingangsbereichs. Dieses hochwertig mit Holz, Naturstein, offener Treppe und großzügiger Verglasung als „Wohnzimmer der Stadt“ gestaltete Foyer soll sich künftig als Begegnungsstätte von Bürgerschaft und Verwaltung etablieren. Ein Restaurant mit Terrasse und eine Espressobar sollen den einladenden Charakter unterstreichen. Die fünf oberen Büroetagen lassen sich flexibel als offene Arbeitsräume mit Team-Flächen oder klassische Büros ausgestalten. Die Tiefgarage in den beiden Untergeschossen bietet neben Pkw-Parkplätzen auch Stellplätze für Fahrräder.

IMMOBILIEN AKTUELL vor Ort: Hochbauarbeiten für neues Verwaltungszentrum beginnen

Update vom 24.02.2022: Es sei ein besonderer Moment, wenn der erste Beton fließt. Der meist sehr sachlich wirkende Finanzbürgermeister Dr. Peter Lames gerät beim Blick in die Baugrube vor dem Dresdner Rathaus ins Schwärmen. Lames ist derzeit gleich für zwei Großprojekte zuständig — für das Verwaltungszentrum und den Bau des Heinz-Steyer-Stadions im Ostragehege. Nun haben Bauarbeiter Mitte Februar in der großen Grube am Ferdinandplatz in 8,50 Metern Tiefe die erste Schicht Beton aufgebracht.

So sieht es aktuell vor Ort aus. Copyright: Bettina Klemm
So sieht es aktuell vor Ort aus. Copyright: Bettina Klemm

Diese etwa sieben Zentimeter starke Sauberkeitsschicht versiegelt die Baugrubensohle. Zunächst bringen die Bauarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Ed. Züblin AG und Dressler Bau GmbH die ersten 500 der später 5.000 Quadratmeter großen Sauberkeitsschicht auf. Es wird schachbrettartig in Abschnitten gebaut. Auf der Sauberkeitsschicht entsteht die Bodenplatte aus Bewehrungsstahl und Beton, die im Frühsommer komplett sein wird. Die einzelnen Bauschritte gehen ineinander über. 

Umzug von einem Teil der Stadtverwaltung im Jahr 2025

„Bereits Anfang März erfolgt die Montage des ersten von vier Kränen. Dann geht es schon schnell in die Höhe. Weitere Kräne werden in den folgenden Monaten aufgestellt“, kündigt KID-Geschäftsführer Axel Walther an. Die KID ist ein Tochterunternehmen der Stadt und errichtet das Gebäude. Geht alles weiterhin nach Plan, wird der Rohbau im Sommer 2023 stehen. In den ersten Abschnitten beginnt der Innenausbau schon zum Jahresende.

2025 sollen 1.350 Mitarbeiter der Geschäftsbereiche Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften sowie Umwelt und Kommunalwirtschaft und des Amtes für Wirtschaftsförderung eingezogen sein. Dann werden die von ihnen derzeit genutzten Büroräume an der St. Petersburger Straße im einstigen Robotron-Areal abgerissen.

Stabbstelle für Absprache mit Bauunternehmen im neuen Verwaltungszentrum eingerichtet

Das Verwaltungszentrum hat zwei unterirdische und sechs oberirdische Geschosse. Die Dresdnerinnen und Dresdner, so Bürgermeister Lames, finden eine zentrale Anlaufstelle vor, wenn es um Grundstücksanfragen, Bauanträge und Anliegen des Klimaschutzes geht. Im Fundbüro können sie nach verlorenen Dingen fragen und das Bürgerbistro besuchen. 

Emsiges Treiben in der Baugruppe am Ferdinandplatz. Copyright: Bettina Klemm
Emsiges Treiben in der Baugruppe am Ferdinandplatz. Copyright: Bettina Klemm

Agora nennen die Planer den zentralen Empfangs- und Begegnungsraums, der mehr Platz für persönliche Kontakte und bürgerliches Engagement bieten soll. In den ersten beiden Etagen ziehen Läden und öffentliche Einrichtungen ein. Die Stadt spricht von einem "Forum der Begegnung" für die Bevölkerung. Mit dem neuen Zentrum will die Stadt Dresden ihre Verwaltung stärker digitalisieren und eine engere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ämtern erzielen. Um Details auf kurzem Wege mit den Baufirmen abzusprechen, hat die Stadt eine Stabsstelle unter Leitung von Christine Spielvogel eingerichtet.  

Der Neubau hat rund 33.500 Quadratmeter Brutto-Bürofläche. Der Gebäudekomplex soll 116 Millionen Euro kosten, weitere 24 Millionen Euro waren für den Grundstückskauf, die archäologische Grabung, die Entsorgung von Altlasten aus dem Boden erforderlich sowie für die spätere Gestaltung der Außenanlagen. 

So geht es weiter 

Größere Bauwerke in Dresden werden von den Einwohnern stets mit Interesse verfolgt. Das weiß die Stadt. So können Interessierte im virtuellen 3D-Stadtmodell des Amtes für Geodaten und Kataster navigieren und so im Internet den Planungs- und Baustand beobachten. Zur Grundsteinlegung am 9. April lädt Oberbürgermeister Dirk Hilbert die Dresdnerinnen und Dresdner zu einem kleinen Bürgerfest ein. Dabei werden der Neubau und die Bauschaffenden vorgestellt sowie Einblick in die Arbeitsweise der Ämter gewährt. Kai Schulz, Pressesprecher der Stadt Dresden, deutet kleine Überraschungen an. Er zieht eine Parallele zum Bau des Neuen Rathauses. Zu dessen Grundsteinlegung am 29. September 1905 wurde auf einer eigens in der Baugrube errichteten Tribüne auch der letzte König von Sachsen Friedrich August III. begrüßt. Aber so groß wie damals soll das Fest nicht werden, schränkt er gleich ein.

Neues Dresdner Verwaltungszentrum wird teurer

Update vom 16. März 2022: Die Stadt Dresden muss für ihr geplantes neues Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz 1,83 Millionen Euro zusätzlich aufbringen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen war mehr Aushub abzutransportieren, weil tiefer gegraben wurde als zunächst geplant. Zum anderen wurden hochgifte Bleiablagerungen entdeckt, die auf einer Sonderdeponie entsorgt werden mussten. Höhere Kosten verursachte auch der Schutz der bei den archäologischen Grabungen freigelegten Bebauung. Hinzu kamen ein coronabedingter zehnwöchiger Baustopp und höhere Aufwendungen für die Reinigung von Containern und Toiletten. Überdies waren nur drei der vier geplanten Kranstandorte nutzbar, so dass größere Kräne und größere Fundamente für die Kranstandflächen benötigt wurden. Der Finanzausschuss soll nun die nicht im Haushalt eingeplanten zusätzlichen Mittel beschließen.

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