Schuften für die Miete: Das bleibt Fachkräften nach der Mietzahlung vom Nettoeinkommen

Schuften für die Miete: Das bleibt Fachkräften nach der Mietzahlung vom Nettoeinkommen

Schuften für die Miete: Das bleibt Fachkräften nach der Mietzahlung vom Nettoeinkommen
Fachkräfte müssen in deutschen Städten verschieden tief in die Hosentaschen greifen. Copyright: skyradar auf Pixabay

Vor allem in den Großstädten gehen die Parteien mit Mieterfragen auf Stimmenfang. Eine Annahme lautet, die Faustregel von einer maximalen Mietbelastung von 30 Prozent rücke für weite Teile der Bevölkerung in weite Ferne. Eine aktuelle Auswertung hat diese These für dreißig Großstädte in Deutschland auf den Prüfstand gestellt.

In Vorbereitung auf die Bundestagswahl 2021 gehören die Themen Wohnen und Mieten zu den bestimmenden Wahlkampfthemen. Mit einer Auswertung haben die Immobilienexperten von objego deutschlandweit untersucht, welche Anteile vom Nettoeinkommen Fachkräfte für die Miete einer Wohnung aufbringen müssen.

Anteil der Mietkosten am Einkommen: Bleibt immer weniger vom Netto?

Gerade in den Großstädten gehen die Parteien mit der Frage, wie das Wohnen zur Miete in Zukunft aussehen soll, auf Stimmenfang. Die Annahmen lauten, immer mehr vom Nettoeinkommen der Städter fließt in steigende Mieten und die Faustregel von einer maximalen Mietbelastung von 30 Prozent rücke für weite Teile der Bevölkerung in weite Ferne. Diese Thesen wurden auf den Prüfstand gestellt. Dafür wurden die durchschnittlichen Mietkosten in dreißig deutschen Großstädten mit den mittleren Jahresgehältern verschiedener Fachkräfte in ein Verhältnis gesetzt. Die Auswahl der Berufsgruppen (Altenpflege, Friseur, Einzelhandel, Polizei und Volljurist) stellt einen Querschnitt der deutschen Bevölkerung dar. 

München ist und bleibt ein teures Pflaster - auch für Besserverdiener

Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass die Mietbelastung von maximal 30 Prozent nur in vier Großstädten überschritten wird – in München, Frankfurt am Main, Stuttgart und Berlin. Am Jahreseinkommen gemessen, sind nicht alle ausgewerteten Berufsgruppen gleich stark betroffen. Die höchste Belastung tragen Arbeitnehmer im Einzelhandel und im Friseurhandwerk in München, wo rund die Hälfte des Nettoeinkommen in die Wohnungsmiete fließt. München ist selbst für Polizeikräfte ein teures Pflaster. Im Schnitt müssen sie 33 Prozent ihres Soldes in die Miete investieren.

Fairer Mietmarkt?

Bis auf München bleiben Fachkräfte in der Altenpflege in allen Städten unter der 30 Prozent-Marke. Viel Puffer bleibt bei steigenden Mieten und gleichbleibenden Gehältern in dieser Branche allerdings nicht. Die geringste Mietbelastung erleben alle Berufsgruppen in Chemnitz, Gelsenkirchen und Duisburg. Mieten machen hier nur zwischen 6-16 Prozent des Nettoeinkommens aus.

In den Gesprächen mit privaten Vermietern nehmen die Experten von objego wahr, dass die meisten von ihnen soziale Verantwortung übernehmen. Ein fairer und vor allem nachhaltiger Mietmarkt ist schlussendlich auch im Sinne der Vermieter, denn er bietet deutlich höhere Rechtssicherheit und ist besser planbar.

Anteil der Mietkosten am verfügbaren Nettoeinkommen für verschiedene Fachkräfte

Die Werte in der Tabelle setzen das mittlere Jahreseinkommen von Fachkräften und ihre durchschnittlichen Mietkosten für eine Wohnung ins Verhältnis.

Euro pro Quadratmeter im Durchschnitt

Stadt

Altenpflege
33.800 Euro

Friseur
28.200 Euro

Einzelhandel
27.300 Euro

Polizei
40.900 Euro

Volljurist
64.600 Euro

18,50

München

39 %

47 %

49 %

33 %

21 %

13,70

Frankfurt am Main

29 %

35 %

36 %

24 %

15 %

13,00

Stuttgart

28 %

33 %

34 %

23 %

14 %

11,60

Berlin

25 %

30 %

31 %

20 %

13 %

11,40

Hamburg

24 %

29 %

30 %

20 %

13 %

10,60

Köln

23 %

27 %

28 %

19 %

12 %

10,30

Wiesbaden

22 %

26 %

27 %

18 %

11 %

10,10

Düsseldorf

22 %

26 %

27 %

18 %

11 %

10,00

Münster

21 %

26 %

26 %

18 %

11 %

10,00

Augsburg

21 %

26 %

26 %

18 %

11 %

9,80

Nürnberg

21 %

25 %

26 %

17 %

11 %

9,80

Bonn

21 %

25 %

26 %

17 %

11 %

9,70

Karlsruhe

21 %

25 %

26 %

17 %

11 %

9,20

Mannheim

20 %

23 %

24 %

16 %

10 %

8,70

Aachen

19 %

22 %

23 %

15 %

10 %

8,50

Hannover

18 %

22 %

22 %

15 %

9 %

7,90

Kiel

17 %

20 %

21 %

14 %

9 %

7,80

Bremen

17 %

20 %

21 %

14 %

9 %

7,60

Braunschweig

16 %

19 %

20 %

13 %

8 %

7,50

Dresden

16 %

19 %

20 %

13 %

8 %

7,30

Bielefeld

16 %

19 %

19 %

13 %

8 %

7,00

Dortmund

15 %

18 %

18 %

12 %

8 %

7,00

Essen

15 %

18 %

18 %

12 %

8 %

6,90

Bochum

15 %

18 %

18 %

12 %

8 %

6,60

Leipzig

14 %

17 %

17 %

12 %

7 %

6,60

Mönchen­gladbach

14 %

17 %

17 %

12 %

7 %

6,30

Wuppertal

13 %

16 %

17 %

11 %

7 %

6,10

Duisburg

13 %

16 %

16 %

11 %

7 %

5,60

Gelsenkirchen

12 %

14 %

15 %

10 %

6 %

5,00

Chemnitz

11 %

13 %

13 %

9 %

6 %

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