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Die Ferienhotellerie übt sich in Stärke

Nach dem Sommer-Run auf die deutschen Küsten, Berge und Täler gelten die Ferienhotels als Licht im insgesamt dunklen Corona-Hoteljahr. Zwar hat das Beherbergungsverbot vielen Betrieben für den Moment den goldenen Herbst verhagelt. Die Ferienhotellerie kann trotzdem auf einen bleibenden Drive in ihrem Segment hoffen.

Nach dem Sommer-Run auf die deutschen Küsten, Berge und Täler gelten die Ferienhotels als Licht im insgesamt dunklen Corona-Hoteljahr.
Von Sylvie Konzack, 20.10.2020

„Wir hatten einen extrem guten Sommer und stehen nun vor einem ungewissen Herbst, weil die Menschen verunsichert sind", sagt Karina-Anna Dörschel, Geschäftsführerin der Sonnenhotels, Mitte Oktober 2020. „Seit in einzelnen Bundesländern die Beherbergungsverbote gelten, sind die Buchungen eingebrochen." Die Politik mache sich keine Vorstellungen, wie sehr sich ihre Regelungen und das Vertagen von Entscheidungen unmittelbar auf das Hotelgeschäft auswirken.

Fluch und Segen des Begriffes "Risikogebiet"

Noch im Sommer konnte die Ferienhotellerie in Deutschland von solchen Effekten profitieren. „Als Spanien Risikogebiet wurde, konnte man zusehen, wie unsere Häuser immer voller wurden", sagt die Sonnenhotels-Chefin. Mit hohen Zimmerraten habe man es teilweise geschafft, 10 bis 15 Prozent über den Vorjahresraten und über Budget zu liegen.

Auch die Arcona Hotels blicken mit Häusern auf Sylt, Rügen und Kitzbühel in diesem Sinne auf einen erfolgreichen Sommer. Zugleich ist man froh, Anfang 2019 im Zuge der Neuausrichtung auf die Freizeit- und Ferienhotellerie die Stadthotels der Gruppe verkauft zu haben. „Das ist zugegeben gerade ein Glücksfall für uns, das konnte keiner vorhersehen“, sagt der Arcona-Geschäftsführer Alexander Winter.

Das zu Arcona gehörige, traditionsreiche Hotel Elephant in Weimar konnte den August 2020 bereits mit 75 ProzeDas Hotel Elephant in Weimar. Copyright: arcona Management GmbHnt Belegung abschließen. „Das Businessgeschäft spielt im Elephant keine entscheidende Rolle", sagt der General Manager Stefan Schwind. „Wir zählen viele Individualreisende, die besonders der Kultur wegen nach Weimar kommen." Mit dem nahen Romantik Hotel auf der Wartburg, das zu den Arcona Hotels gehört, gibt es viele nachgefragte Angebotskooperationen.

Teilweise bessere Performances im ersten Corona-Krisenjahr als 2019

Ferien im eigenen Land – der deutsche Inlandstourismus hat sich in diesem Jahr als überraschend stark erwiesen, stellt die Hotelberatungsgesellschaft MRP Hotels heraus. Besonders an der Nord- und Ostsee sowie in den Alpenregionen schnitten viele Hotels in diesem Sommer über dem Vorjahr und über Budget ab. Auf den Inseln Sylt, Usedom und Rügen lag, laut MRP Hotels, die Durchschnittsrate sogar 16 bis 18 Prozent über jener des Vorjahres.

Auch wenn die diesjährigen Verluste bei vielen Ferienhotels damit nicht ausgeglichen werden konnten, insgesamt ist der Übernachtungsmarkt in den Ferienregionen, bedingt durch den schon vorher starken Inlandstourismus, deutlich weniger stark eingebrochen als zum Beispiel im Nachbarland Österreich, wo über 70 Prozent der Gäste aus dem Ausland kommen. Ferienhotels profitieren derzeit vor allem, wenn sie ausreichend Platz haben, Angebote für Familien bereithalten, über Spa- und Wellnessangebote verfügen und nicht vom Gruppengeschäft abhängig sind. Arcona stellt zugleich eine aktuell höhere Dankbarkeit und Bereitschaft der Gäste fest, höhere Preise zu bezahlen als in der Vergangenheit.

Vorsicht bei Investoren, Wachstumsbereitschaft bei Ferienhotelgruppen

„Die Wahrnehmung der Ferienhotellerie ist gestiegen, das können wir bestätigen", sagt Karina-Anna Dörschel, auch wenn die Investoren bisher noch kein deutlich gestiegenes Kaufinteresse zeigen, beobachtet sie. „Die Vorsicht vor Hotelinvestitionen allgemein ist im Moment noch groß. Ich glaube nicht, dass es viele Transaktionen im Feriensektor bis Sommer 2021 geben wird." Aber das gewachsene Potenzial der Ferienhotellerie besteht für sie klar. Die Sonnenhotels haben Interesse an weiteren Häusern, mit Blick auf eine drohende Marktbereinigung. „Wir sehen in Deutschland vor allem einen großen Bedarf an modernen Ferienhotel-Produkten, zusammen mit einer modernen Infrastruktur, um hier zugleich mit starken Tourismusregionen in der Schweiz und Österreich mithalten zu können", sagt Karina-Anna Dörschel.

Die Arcona Hotels merken ein Interesse seitens der Investoren und Entwickler, das man derzeit weiter beobachten will. Trotz Krise will die Gruppe weiterwachsen, sowohl mit Arcona als auch mit den Barefoot Hotels von Til Schweiger. 2018 hatte das Rostocker Unternehmen mit dem Schauspieler einen langfristigen Vertrag für die weltweite Umsetzung des Konzeptes als Lizenznehmer geschlossen. Konkret würde derzeit bei vier neuen Projekten verhandelt, sowohl für Arcona als auch für Barefoot. Diese befinden sich an den deutschen Küsten und im Süden Deutschlands.

Ungewisser Winter-Ausblick für Ferienhotellerie aufgrund Corona

In den nächsten Monaten wird in der deutschen Ferienhotellerie vieles davon abhängen, wie sich das Reiseverhalten bei derzeit wachsenden Corona-Zahlen entwickelt – vor allem in Ski- und Winterregionen. Ferne Auslandsreisen werden weiter wegfallen, so viel scheint sicher, und damit hochpreise Alternativen mit besonderem Service- und Produktangebot im Inland nachgefragt sein. „Buchungen werden kurzfristiger getätigt, zudem erwarten die Gäste großzügige und kurzfristige Stornobedingungen von den Unterkünften“, ist Martin Schaffer, Geschäftsführer und Partner der MPR Hotels überzeugt. Das Thema Corona-Tests im Hotel könnte eine steigende Bedeutung erfahren, sagt er.

Die Ferienhotellerie zeigt sich in jedem Fall gerüstet für den Traum vom Wintermärchen trotz Pandemie und hofft weiter auf das aktuell wirkende Prinzip, das Alexander Winter wie folgt zusammenfasst: „Lieber vier schöne Urlaubstage im Inland als sieben unsichere Urlaubstage im Ausland – so ist wohl das Motto, das uns gerade sehr zugute kommt."

Aufmacherfoto: Setzt auch auf Ferienurlauber: das Sonnenresort Ettershaus
Copyright: Stefan Sobotta

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