Interview mit Arnaud Ahlborn: Der Investmentmarkt Ostdeutschland rückt in den Fokus

Interview mit Arnaud Ahlborn: Der Investmentmarkt Ostdeutschland rückt in den Fokus

Interview mit Arnaud Ahlborn: Der Investmentmarkt Ostdeutschland rückt in den Fokus
Ivette Wagner (rechts) im Gespräch mit Arnaud Ahlborn (links). Copyright: IMMOCOM

Arnaud Ahlborn, Geschäftsführer von INDUSTRIA WOHNEN, spricht mit IMMOBILIEN AKTUELL über Wohninvestments, Standort-Beurteilungen und soziale Verantwortung.

„Die Langzeitbetrachtung von Standorten hat sich komplett geändert“, sagt Arnaud Ahlborn, Geschäftsführer von INDUSTRIA WOHNEN. „In Trier hätten wir vor drei oder vier Jahren nicht nach Projekten geschaut. Sobald ich die Ballungszentren verlasse, finde ich Orte, die ähnlich starke wirtschaftliche Kennzahlen haben, bei deutlich angenehmeren Konditionen.“

INDUSTRIA WOHNEN investiert im Westen Deutschlands

Für den offenen Immobilien-Publikumsfonds FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND erwarb INDUSTRIA WOHNEN kürzlich ein großvolumiges Neubauprojekt in Wolfsburg, für etwa 96,3 Millionen Euro. Das Investment beinhaltet insgesamt 188 Wohnungen, zehn Gewerbeeinheiten sowie 269 Tiefgaragenstellplätze und verteilt sich auf zwei Gebäude.

Im baden-württembergischen Schwäbisch-Gmünd investierte das Unternehmen etwa 30 Millionen Euro in 100 Einheiten mit etwa 7.000 Quadratmetern Mietfläche.

Im mittelfränkischen Stein bei Nürnberg war es ein Quartier mit rund 250 Mietwohnungen. Hiervon werden 69 einer einkommensorientierten Förderung unterliegen. Außerdem entsteht eine Kindertagesstätte.

Von sozialer Verantwortung und vernünftiger Problembetrachtung

„Bauträger, Projektentwickler und Investoren sind sich ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung bewusst und zu einem Engagement im sozialen Wohnungsbau bereit“, sagt Arnaud Ahlborn. „Mit dem Spezialfonds Wohnen Deutschland VII vereinen wir Anlageziele von Investoren mit sozial-verträglichen und nachhaltigen Wohninvestments.“ Alles im Sinne von ESG also.

Soziale Verantwortung bedeutet für Arnaud Ahlborn aber auch eine vernünftige Betrachtung von Problematiken. „Wenn das passiert, was die Enteignungsdebatte angestoßen hat, dann gehen die Wohnungen in eine kommunale Gesellschaft über. Dort sitzt dann ein Geschäftsführer, der genauso rechnen, der wirtschaftliche Aspekte bedenken muss.“

INDUSTRIA WOHNEN ist seit über 65 Jahren als Wohnungsunternehmen und Immobilienmanager tätig und somit ein langjähriger Marktteilnehmer. Aktuell betreut INDUSTRIA WOHNEN mehr als 17.300 Wohnungen, das entspricht einem Asset under Management von 3,6 Milliarden Euro. „Wir haben einen sehr guten Marktzugang, steigen sehr früh in Projekte ein und konfigurieren gemeinsam mit den Projektentwicklern. Deshalb können wir Einfluss nehmen auf die geänderten Anforderungen.“

Corona änderte die Anforderungen an Immobilien

Diese haben sich nicht erst, aber noch einmal verstärkt durch die Pandemie modifiziert: Bodentiefe Fenster, Fußbodenheizung, Videosprechanlagen mit Farbbild, ein nutzbarer Balkon. Ein bisschen mehr draußen, ein wenig mehr Natur. „Das wird so bleiben“, ist Arnaud Ahlborn sicher.

2019 investierte INDUSTRIA WOHNEN unter anderem in Rüdersdorf bei Berlin und in Wiesbaden in Einfamilienhäuser, eine durchaus neue Kategorie für das Unternehmen. „Hier sehe ich eine stark steigende Nachfrage in der Zukunft.“

Ein neuer starker Fokus auf Ostdeutschland

Um den decken zu können, gerät beispielsweise auch Ostdeutschland in den Fokus. „Dort sehen wir eine ähnliche Entwicklung wie in anderen Regionen: Die Menschen finden sich in den Metropolen und den Regionen drum herum zusammen“, so Arnaud Ahlborn. Es sei unverkennbar, dass Menschen Nähe suchen und brauchen. Leipzig und Dresden nennt er als Beispiele. „In Weimar, Halle (Saale) oder Erfurt sehen wir ebenfalls diese Tendenz, aber viel abgeschwächter.“

Halle lobt der Investor beispielsweise außerordentlich. In das Brauwerk-Areal investierte INDUSTRIA WOHNEN 65 Millionen Euro. „Das ist auch ein Zeichen für andere Investoren“, sagt Arnaud Ahlborn. „Wenn einer den ersten Schritt tut und andere ihm folgen, dann kann es für die Stadt und die Region einen Aufschub und eine Aufwertung geben.“ Und das sei ja schließlich eines der Nachhaltigkeits-Ziele: Investments in eine nachhaltige Stadtentwicklung.

FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND zahlt 20 Millionen Euro an Anleger aus

Update vom 18. Oktober 2021: INDUSTRIA WOHNEN hat die Ausschüttung des offenen Immobilien-Publikumsfonds FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND für das Geschäftsjahr 2020 / 2021 (Ende am 30.04.2021) auf 1,35 Euro je Anteil erhöht. Die Auszahlung ist nach Veröffentlichung des Geschäftsjahresberichtes am 4. Oktober 2021 erfolgt. Der aktuelle Nettoinventarwert pro Anteil beträgt 56,41 Euro (Stand 14.10.2021). Insgesamt fließen im Zuge der Auszahlung rund 20 Mio. Euro an die Anleger.

Arnaud Ahlborn: „Der FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND hat sich im Geschäftsjahr 2020 / 2021 sehr erfreulich entwickelt. Obwohl der Zeitraum stark von der Corona-Pandemie und den Lockdowns geprägt war, gab es nur sehr geringe Auswirkungen auf unser Immobilienportfolio. Die Vermietungssituation ist weiterhin stabil und die Vermietungsquote beträgt aktuell 97 Prozent. Daher können wir die Ausschüttung auf 1,35 Euro je Anteilsschein, verglichen mit dem Vorjahr, erhöhen.“

Kerstin Dittrich, Portfoliomanagerin bei INDUSTRIA WOHNEN, fügt hinzu: „Der FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND hat weiterhin eine rege Nachfrage der Anleger zu verzeichnen. Zwischen Januar und September 2021 flossen dem Fonds 314 Millionen Euro zu. Er ist weiterhin geöffnet für Zuflüsse. Es konnten in dem abgeschlossenen sechsten Geschäftsjahr fünf Objekte mit einem Volumen von rund 180 Millionen Euro für FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND angekauft werden. Die Immobilien liegen in Rüdersdorf bei Berlin – bestehend aus zwei Objekten –, Wiesbaden, Langen bei Frankfurt und Pinneberg bei Hamburg. Im aktuellen Geschäftsjahr konnten bereits zwei neue Objekte für Rechnung des Fonds angekauft werden.“

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