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Kein Skandal: die Rehabilitierung des Gate

OFB entwickelt das Eschborn Gate. Das wird, entgegen dem landläufigen Sprachgebrauch, alles andere als skandalös, sondern das prestigeträchtige neue Tor zu einem der wichtigsten Gewerbestandorte Deutschlands.

OFB entwickelt das Eschborn Gate. Das wird, entgegen dem landläufigen Sprachgebrauch, alles andere als skandalös, sondern das prestigeträchtige neue Tor zu einem der wichtigsten Gewerbestandorte Deutschlands.
Von REDAKTION IMMOBILIEN AKTUELL MAGAZIN / JAN ZIMMERMANN, 12.10.2020

Dieselgate, Ibizagate, Rezogate – seit der Watergate-Affäre in den 1970er-Jahren hat sich die Sprachmode eingeschlichen, den Gegenstand eines jeden kleinen oder größeren Skandals mit der Endung -gate zu versehen. Insbesondere die deutsche Medienlandschaft liebt dieses Suffix. Da die Medien in erheblichem Maße das kollektive Bewusstsein prägen, funktioniert dieser Mechanismus mittlerweile auch andersherum: Wann immer wir Gate hören, machen wir uns auf den nächsten großen Aufreger gefasst. Zu Unrecht, ist doch ein wörtlich korrekt übersetztes Tor alles andere als skandalös, sondern vielmehr etwas ziemlich Positives. Vielleicht hilft ja das Eschborn Gate dabei, den Begriff in seinem eigentlichen Sinne etwas zu rehabilitieren.

53.000 Quadratmeter High-End-Büroimmobilie

Noch befindet sich auf dem knapp 31.000 Quadratmeter großen Areal an der Frankfurter Straße ein Baumarkt samt Gartencenter. In naher Zukunft soll das Retail-Objekt jedoch einer High-End-Büroimmobilie weichen. Die OFB Projektentwicklung GmbH aus dem benachbarten Frankfurt am Main plant hier einen Komplex mit ungefähr 53.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, bestehend aus über einem halben Dutzend fünfstöckiger Baukörper, einem Parkhaus mit vier Ebenen sowie einem all das weit überragenden 17-geschossigen Turm. Teil des Entwicklungskonzeptes ist eine ansprechende Architektur nach einem Entwurf des Düsseldorfer Büros sop Architekten, mit strahlend weißer Fassade, lichtdurchfluteten Räumen sowie großzügig begrünten Außenflächen samt entspannenden Wasserspielen. Obendrein wird eine LEED-Zertifizierung in Gold angestrebt.

Prestigeobjekt im Gewerbegebiet Süd

OFB nennt das Projekt Eschborn Gate, und natürlich hat das ganz und gar nichts mit irgendwelchen Skandalassoziationen zu tun. Vielmehr weist der Name die Immobilie als das aus, was sie ist: ein Prestigeobjekt. In Eschborn, hauptsächlich im Gewerbegebiet Süd, haben viele der wichtigsten deutschen Dienstleistungsfirmen oder auch der bedeutsamsten internationalen Unternehmen in Deutschland ihren Sitz. Zudem residiert hier seit 2010 die Deutsche Börse. Es ist wohl keine Übertreibung, von einem der wichtigsten Gewerbegebiete der Bundesrepublik zu sprechen. Das Eschborn Gate wird als weithin sichtbare Landmarke in prominenter Lage schlichtweg dessen westliches Tor markieren – daher also der (tatsächlich naheliegende) Name.

Eschborn liegt so nah an Frankfurt, dass man es fast schon als Teil der Mainmetropole erachten könnte. Von Weitem betrachtet, ist dies sogar häufig der Fall, denn für das ungeübte Auge verschmelzen die Hochhäuser des Gewerbegebietes nur allzu leicht mit der berühmten Skyline. Tatsächlich hat die 20.000-Seelen-Stadt jedoch einen entscheidenden Vorteil gegenüber Mainhattan: den Gewerbesteuerhebesatz. Der liegt hier nämlich bei lediglich 330 Prozent, während es in Frankfurt 460 sind. Wenig überraschend, ziehen folglich viele Unternehmen einen Sitz in Eschborn vor.

Direkter Zugang zu Autobahnen und Nahverkehr

Ohnehin ist an der Lage nichts auszusetzen. Es gibt einen direkten Zugang zu den Autobahnen A5, A66 und A648. Der Frankfurter Flughafen liegt nur eine knappe Viertelstunde entfernt. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist jetzt schon gut, soll aber perspektivisch durch den Bau der sogenannten Regionaltangente West sogar noch besser werden. Mit dem Taunus befindet sich das grüne Herz und eines der beliebtesten Naherholungsgebiete des Rhein-Main-Gebietes in unmittelbarer Nähe. Auch rein baulich befindet sich das Objekt in bester Gesellschaft. Gleich gegenüber steht der 43 Meter hohe Turm der neuen Eschborner Niederlassung von SAP. Der Software-Gigant ist Ende Oktober 2018 in das Gebäude mit der bewegten Glasfassade eingezogen. Entwickelt wurde es ebenfalls durch die OFB. Direkt daneben wird das Unternehmen demnächst mit dem Bau eines Hotels der H-Hotels-Gruppe beginnen.

Keine Angst vor Auswirkungen durch Corona-Krise

Einen möglichen grundlegenden Wandel des Büromarktes durch die Corona-Krise und damit verbundene Auswirkungen auf das Projekt Eschborn Gate sieht der Projektentwicklergelassen. „Homeoffice wird sich in den kommenden Jahren in vielen Unternehmen zunehmend etablieren. Die Pandemie verstärkt hier einen ohnehin vorhandenen Trend“, sagt Klaus Kirchberger, Vorsitzender der OFB-Geschäftsführung. „Im Rahmen dessen verändern sich die Anforderungen an moderne Büroflächen. Neben hochwertigen Arbeitsplätzen stehen vor allem großzügige Flächen für Projektarbeiten im Fokus, Kommunikation und Austausch gewinnen an Bedeutung. Wir erkennen daher neue Flächenanforderungen, jedoch keinen Trend zu geringerem Büroflächenbedarf.“ Eschborn Gate profitiere indes von seiner guten Lage und den attraktiven Standortfaktoren in der Stadt. Auf die Flächennachfrage hatte die Krise bislang offenbar jedenfalls keine Auswirkungen. „Wir führen mehrere konkrete Gespräche mit Mietinteressenten. Einen direkten Zusammenhang zwischen Corona-Pandemie und Mietflächengesuchen sehen wir derzeit nicht“, bekräftigt der Immobilienexperte.

Momentan laufen die internen Arbeiten für die Einreichung des Bauantrages. Frühestmöglicher Baubeginn für den ersten Abschnitt des Großprojektes ist im Jahr 2021. Die deutschlandweit (und weit darüber hinaus) gängige Gate-Sprachpraxis wird das Eschborn Gate, wenn es einmal fertig ist, zwar wohl kaum beeinflussen. Vielleicht läutert es aber immerhin die Gedanken der Eschborner und Pendler von den üblichen skandalösen Assoziationen.

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