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Moderne Bürowelten am Dresdner Postplatz

Die CCD Projektentwicklungs GmbH hat das letzte freie Grundstück am Postplatz in Dresden erworben. Diese Fläche soll nun über ein Bebauungsplanänderungsverfahren entwickelt werden. Alle Beteiligten tendieren in Richtung moderner Arbeitswelten. In diesem Zusammenhang hat sich CCD verpflichtet, ein wettbewerbliches Werkstattverfahren durchzuführen. Das ist bislang bekannt.

Die CCD Projektentwicklungs GmbH hat das letzte freie Grundstück am Postplatz in Dresden erworben. Alle Beteiligten tendieren in Richtung einer Nutzung für moderne Arbeitswelten.
Von Bettina Klemm, 08.06.2021

Für das letzte freie Grundstück am Postplatz in Dresden kann endlich konkret geplant werden. Lange Zeit wollte der Freistaat Sachsen dort ein Probebühnenzentrum für das Staatsschauspiel Dresden und die Semperoper errichten. Wilfried Schulz hatte sich dafür intensiv eingesetzt. Sieben Jahre lang war er Intendant des Staatsschauspiels Dresden, bevor er 2016 nach Düsseldorf wechselte. Doch nicht sein Wechsel, sondern ein Streit mit einer Eigentümergemeinschaft war der Grund, warum es das Bühnenzentrum bis heute nicht gibt.

Jene Fläche zwischen dem Schauspielhaus und dem Hotel Motel One gehörte zu großen Teilen der Stadt Dresden und dem Freistaat. Dazwischen hatte eine Eigentümergemeinschaft ihr Grundstück und wollte offensichtlich den Preis dafür in die Höhe schrauben. Seit 2014 lief ein Umlegungsverfahren, es folgten Gerichtsverhandlungen, aber keine Einigung. Der Durchbruch kam schließlich mit der Beteiligung der CCD Projektentwicklungs GmbH & Co KG aus München. Anfang 2020 konnte sie sich mit dem Freistaat und der Erbengemeinschaft einigen. Um eine einheitliche städtebauliche Entwicklung zu ermöglichen, hat auch die Landeshauptstadt ihren Flächenanteil an die CCD verkauft.

Grundstückstausch bringt Stadtentwicklung am Postplatz voran

CCD-Geschäftsführer Dr. Christoph Dross ist in Dresden kein Unbekannter. Er hatte neben einem Areal am Bahnhof Mitte auch Teile des Packhof-Areals hinter dem Haus der Presse erworben. Das habe ihm beim Deal mit der Landesregierung, so ein Bericht der Sächsischen Zeitung, geholfen. Der Freistaat will in unmittelbarer Nähe des Landtages ein Behördenzentrum errichten und benötigt dafür das Grundstück. Es kam zu einem Tausch. Bereits 2025 sollen nun die Landtagsabgeordneten und deren Mitarbeiter in das neue Zentrum einziehen. So kann anschließend das alte Landtagsgebäude saniert werden.

Die Fläche am Postplatz ist zwar kleiner, aber lukrativer. Wie geht es dort weiter? Mit dem Kauf der drei Teilflächen konnte der Umlegungsplan in Kraft treten und die neuen Flurstücke gebildet werden. Diese Fläche soll nun über ein Bebauungsplanänderungsverfahren entwickelt werden. In diesem Zusammenhang hat sich die CCD Projektentwicklungs GmbH & Co KG verpflichtet, ein wettbewerbliches Werkstattverfahren durchzuführen, teilt sie in einer Presseerklärung mit. Die Aufgabenstellung für dieses Werkstattverfahren wurde in den letzten Monaten unter Federführung des Dresdner Büros Hamann & Krah gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt und der CCD erarbeitet.

Lage der Bebauungslücke im Dresdner Stadtraum. Copyright: Landeshauptstadt Dresden,
 Amt für Geodaten und Kataster; bearbeitet von Hanna Zeißig und Dirk Hamann,
 HAMANN+KRAH PartG mbB

„Das Werkstattverfahren sieht ein zweistufiges Verfahren vor. Ziel ist es zunächst, die städtebauliche Figur für die zukünftige Bebauung zu bestimmen. In der zweiten Stufe sollen Fassaden und weitere städtebauliche Details herausgearbeitet werden. Aufgrund der prominenten Lage zwischen Schauspielhaus und Zwingerforum ist dies eine anspruchsvolle Aufgabe“, erklärt Baubürgermeister Stephan Kühn. Ein Probenbühnenzentrum wird dort jedoch nicht entstehen. Bei näheren Überprüfungen hatte sich der Standort für ungeeignet erwiesen. Die Fläche sei zu klein, die Zufahrten ungünstig und die Entfernung zu den Theaterwerkstätten am Zwingerteig zu groß. Es würde zudem ein fensterloser Bau ausreichen, das lasse sich mit den Vorstellungen zur Postplatz-Bebauung schwer vereinbaren.

Projektentwickler und Stadt Dresden schielen in Richtung Bürogebäude

Nun gehen CCD und die Stadt Dresden von einem urbanen, insbesondere über die Erdgeschosszone auf den Stadtraum ausstrahlenden Büro-/Verwaltungs- und Dienstleistungsgebäude aus. Moderne Arbeitswelten sollten nicht nur zu einer weiteren Belebung des Postplatzes führen, sondern auch die in Dresden immer stärker werdende Gründer- und Start-up Szene im IT- und Hightech-Sektor ansprechen, plant Dr. Christoph Dross. Auch Coworking wäre ein denkbares Konzept für diesen Standort. „Ich gehe davon aus, dass die zentrale Lage verbunden mit modernen Bürokonzepten genau diese Zielgruppe ansprechen wird“, sagt er. Open space, maker spaces, corporate labs, innovation camps und social cocooning, seien nur ein paar Schlagworte, die im Zusammenhang mit modernen Bürowelten immer wieder fallen.

Dr. Christoph Dross: „Hier gibt es tolle Konzepte, die ich bei aktuellen Büroneubauten in Dresden vermisse.“ Stattdessen würden immer wieder die gleichen traditionellen Konzepte umgesetzt. Dadurch würden aber gerade an diesem Standort Chancen entstehen, die man durch konsequente Umsetzung modernerer Konzepte nutzen wolle. Die Büroflächen von morgen sollten deshalb auf verschiedenste Situationen eingehen. Dementsprechend müssten die Raumsituationen für unterschiedliche Arbeitsszenarien zur Verfügung stehen.

Dresden sei führender Halbleiterstandort in Europa. Erst vor wenigen Jahren ist mit dem Smart System Hub ein Kompetenz- und Innovationszentrum zur Industrie-Digitalisierung entstanden. An diese Entwicklung möchte CCD am Postplatz anknüpfen: „Wenn man junge aufstrebende Gründer mit Konzernen und wissenschaftlichen Einrichtungen vernetzen möchte, um digitale Innovationen zu kreieren, braucht man auch eine innovative Bürolandschaft. Diese zu schaffen ist der klare Auftrag an die Architekten!“, fordert Dr. Christoph Dross.

Fünf Architekturbüros können Entwürfe für Büroneubau am Postplatz einreichen

Vorerst geht es um die äußere Figur des Neubaus: Bei einem Werkstattverfahren können fünf Architekturbüros mit Erfahrung im Bereich Büroneubau und moderne Bürowelten ihre Entwürfe einbringen. „An die Baukultur stellen wir hohe Erwartungen. Der Siegerentwurf soll das Bauleitplanverfahren zu den städtebaulich-gestalterischen Parametern begleiten und am Ende des Verfahrens zur Herstellung des Bau- und Planungsrechtes den Planungsauftrag erhalten“, erläutert Baubürgermeister Stephan Kühn.

Es sei ausdrücklich erwünscht, dass sich die Dresdner Architektenschaft an dem Verfahren beteilige. Interessierte Büros können sich unter der E-Mail-Adresse werkstattverfahren@postplatz.info unter Angabe einer Referenzliste bis zum 10. Juni für die Teilnahme bewerben. Alle geeigneten Büros bekommen dann die Aufgabenstellung zugeschickt und haben anschließend sieben Tage Zeit ihren Teilnahmewunsch zu konkretisieren. „Zwei der fünf Kandidatenplätze sind im wettbewerblichen Werkstattverfahren für Dresdner Büros reserviert“, versichert Dr. Christoph Dross. Da sich vermutlich mehrere Architekturbüros bewerben, entscheide das Los über die Teilnahme. Mit einem Ergebnis des Verfahrens ist im Herbst 2021 zu rechnen. Zu einem möglichen Baubeginn mag sich Dr. Christoph Dross nicht äußern. Es soll etwas Gutes entstehen, das brauche Zeit.  

Copyright Aufmacherfoto: Landeshauptstadt Dresden, Amt für Geodaten und Kataster; Auszug Themenstadtplan / Orthophots aktuell; bearbeitet von Dirk Hamann, HAMANN+KRAH PartG mbB

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