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Was für ein Lärm! Die Probleme mit der Dresdner Schloßstraße

Ein Streit hinderte die Baywobau an der Vollendung der Dresdner Schloßstraße. Jetzt wird doch gebaut.

Ein Streit hinderte die Baywobau an der Vollendung der Dresdner Schloßstraße.
Von Bettina Klemm, 29.11.2019

Das Fürstliche Haus an der Schloßstraße ist nicht einmal sechs Meter breit. Und doch gehört es zu den bedeutendsten Bauwerken am Dresdner Neumarkt. Spätgotische Fenstergewände deuten darauf hin, dass das Gebäude um 1500 entstanden ist. 1609 wurde es zum Fürstlichen Haus. Das untere Erkerteil schmückt ein Relief des Kurfürsten Christian II. mit Harnisch und Kurschwert, rechts neben ihm ist seine Frau Hedwig von Dänemark dargestellt. Knapp 70 Jahre später erfolgte ein erneuter Umbau. Dabei erhielten das Gebäude und der Erker ein weiteres Geschoss. Deutlich war die Jahreszahl MDCLXXVIII (1678) zu lesen.

Das oberste Erkergeschoss entstand vermutlich um 1860; damit stammt es aus der gleichen Zeit wie ein Balkon des Erkers, der ein Eisengitter mit den Initialen I.L. und der Jahreszahl 1861 besaß. Der Erker soll, so der Kunsthistoriker Fritz Löffler, zu den ältesten und kostbarsten Erkern an Dresdner Gebäuden gehört haben. Bei den Bombenangriffen auf die Stadt im Februar 1945 wurde das Fürstliche Haus wie nahezu der komplette Neumarkt zerstört.

Baywobau Dresden plant historisch genaue Rekonstruktion der Schloßstraße

„Wir werden die Fassade originalgetreu nach historischem Vorbild errichten“, kündigt Berndt Dietze, Geschäftsführer der Baywobau Dresden, an. Auch die Fassaden der Nachbargebäude Schloßstraße 28 und 26 sehen einer Rekonstruktion entgegen. Noch einen Schritt weiter geht das Unternehmen bei dem Cäsarschen Haus an der Ecke von Sporer- und Schössergasse. Carl Leopold Cäsar, kurfürstlich-sächsischer Kammersekretär, ließ dort sein Wohnhaus 1781 bauen.

Das spätbarocke Anwesen stufen Experten heute als einen sogenannten Leitbau ein. Das bedeutet, dass nicht nur die Fassaden originalgetreu rekonstruiert werden, sondern auch die Grundrissstruktur, sprich die Treppenanlage hinter dem Eingangsportal zur Schössergasse. Künftig wird das Cäsarsche Haus hauptsächlich als Bürogebäude genutzt. Das „alte Dresden“ an den Neumarkt und die Schloßstraße zurückzubringen, ist für Berndt Dietze eine Ehre. Bereits vor Jahren hat er den oberen Teil gegenüber vom Residenzschloss wiedergeschaffen. Nun will er das Ensemble, das er Schlosseck nennt, vollenden.  

 

Für die nicht zu rekonstruierenden Fassaden suchte die Baywobau in einem Gutachterverfahren nach der geeigneten Lösung. Auf Empfehlung der Gestaltungskommission realisiert das Unternehmen nun die Entwürfe der Büros wörner traxler richter Architekten sowie Knerer und Lang Architekten.

Probleme mit dem Kulturpalast bremsen die Arbeiten in der Schloßstraße

Neben Büros sollen 52 Wohnungen, sieben Läden sowie ein Restaurant entstehen. In der Mitte sieht der Entwurf einen offenen Innenhof vor. Für die Bewohner gibt es Stellplätze in einer zweigeschossigen Tiefgarage. Bernd Dietze rechnet mit einer Investitionssumme von 45 Millionen Euro. Im Sommer 2021 soll alles fertig sein. Da nach dem Wiederaufbau des Neumarktes in Dresden kaum noch etwas an die grausamen Zerstörungen im Februar 1945 erinnert, will Berndt Dietze neben der Tiefgarageneinfahrt in Vitrinen an der Fassade der Schössergasse an das „verlorene Dresden“ erinnern.

Soweit so gut? Wäre es nach der Baywobau gegangen, würde die Schloßstraße schon seit Jahren vollendet sein. Doch es gibt Probleme mit dem benachbarten Kulturpalast. Die Stadt hatte dieses 1969 eingeweihte Bauwerk denkmalgerecht instandgesetzt und zugleich einen neuen Konzertsaal eingebaut. Nach Veranstaltungen der Unterhaltungsmusik muss zu nächtlicher Stunde die Technik abtransportiert werden. Doch das geht nicht geräuschlos. Die strengen Lärmvorschriften wiederum führten dazu, dass die Bauherren am Neumarkt strenge Auflagen und die Forderung nach einer sogenannten Festverglasung erhielten.

Damit die künftigen Bewohner aber ihre Fenster öffnen können, hat Berndt Dietze gemeinsam mit Architekten eine Lärmschutzgarage entworfen. Diese würde sich beim nächtlichen Beladen schließen und so den Lärmpegel senken. Alles klang einleuchtend. Dennoch gab es immer wieder Verzögerungen. In der spielplanfreien Zeit im Sommer 2018 konnten dann endlich die Gründungen für diese Lärmschutzgarage eingebracht werden. Erst danach hat die Baywobau die Baugenehmigung erhalten. Jetzt wird das städtische Unternehmen, das für den Kulturpalastumbau zuständig war, den Lärmschutz vollenden. Bezahlen müssen ihn aber die Investoren.  

Visualisierungen: Baywobau

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