Berliner Quartier Neulichterfelde in der Warteschleife

Berliner Quartier Neulichterfelde in der Warteschleife

Berliner Quartier Neulichterfelde in der Warteschleife
So soll der Stadtplatz im Quartier Neulichterfelde aussehen. Copyright: Groth Gruppe

Die Groth Gruppe will gemeinsam mit vier Partnern ein Zukunftsquartier für über 6.000 Berliner schaffen. Seit 2015 läuft das Planverfahren. Der städtebauliche Vertrag ist noch immer nicht unterschrieben.

Es ist wie so oft bei großen Bauvorhaben in Berlin üblich: Die Bauherren und Bauträger brauchen viel Geduld. Das gilt auch für das Projekt Neulichterfelde der Groth Gruppe. Sie plant ein Quartier mit 2.500 Wohnungen: davon 540 dringend gebrauchte Sozialwohnungen, 1.540 Miet- und Eigentumswohnungen sowie 420 Reihenhäuser.

US-Truppenübungsplatz soll zum Quartier Neulichterfelde umgenutzt werden

Das Areal für den neuen Stadtteil liegt günstig: zwischen dem S-Bahnhof Lichterfelde-Süd und der Ostendorfer Straße. Der ehemalige Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte wurde 1994 von der VIVICO, der Immobiliengesellschaft der Bahn, übernommen und 2012 von der Groth Gruppe gekauft. Seit 2015 befindet sich das Unternehmen im Planverfahren. Der Abschluss des städtebaulichen Vertrages mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf war für 2018 geplant.

Seither wird der Termin immer wieder verschoben. Erst auf 2019, dann war er für Oktober 2021 avisiert. Die zuständige und derzeit noch amtierende Bürgermeisterin des Bezirks Steglitz-Zehlendorf Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sagt optimistisch: „Es gibt keine strittigen Punkte mehr. Wir hoffen, dass wir den Vertrag noch vor dem Jahresende abschließen können.“

Das gesamte Quartier Neulichterfelde im Überblick. Copyright: Groth Gruppe
Das gesamte Quartier Neulichterfelde im Überblick. Copyright: Groth Gruppe

Das Problem sind die Vielzahl von Behörden, die involviert sind und die Amtsmühlen, die in Berlin langsamer mahlen als anderswo. Die Kosten für das langwierige Verfahren hat der Bauträger zu zahlen. Anette Mischler, Pressesprecherin der Groth-Gruppe, sagt: „Wir kommen seit 2018 nicht voran und hoffen, dass sich das Verfahren nach dem Wechsel der Bürgermeisterin nicht noch einmal verzögert.“

Denn Cerstin Richter-Kotowski muss ihr Amt wohl abgeben, obwohl die CDU bei der Wahl im Bezirk die meisten Stimmen bekommen hat. Grüne, SPD und FDP sind eine Zählgemeinschaft eingegangen, die sich verabredet haben, Maren Schellenberg (Grüne) zur neuen Bürgermeisterin zu wählen. Sie ist seit 2016 Bezirksstadträtin für die Abteilung Immobilien, Umwelt und Tiefbau. „Sie kennt das Projekt“, sagt Anette Mischler, „und muss sich nicht neu einarbeiten.“

2.500 Wohnungen für 6.000 Berliner im Zukunftsquartier der Groth Gruppe

Das mit 900 Millionen Euro kalkulierte Projekt ist für den Firmenchef Klaus Groth nicht irgendeine Stadtrandsiedlung, die auf die grüne Wiese geklotzt wird. Das hat er mehrfach öffentlich betont. Er nennt die Siedlung für rund 6.000 Menschen ein Zukunftsquartier. Es soll zeigen, wie globale Strategien lokal umgesetzt werden – in Bezug auf Mobilität, Energieversorgung und das Zusammenleben in der Stadt. Dafür hat er Partner ins Boot geholt: Die Toyota Kreditbank als Mobilitätsdienstleister, die Naturstrom AG als Ökoenergieversorger, den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) für die Umweltbelange und Goldnetz Berlin als Partner für den Bereich Community.

Denn in Neulichterfelde soll die Idee umgesetzt werden, dass jeder etwas zur Gemeinschaft beitragen kann, dass die Menschen nicht nebeneinander, sondern miteinander wohnen. Die Bewohner sollen in Kontakt gebracht und Nachbarschaft organisiert werden. Geplant sind zuerst ein Info-Container, dann ein Wellcome-Büro und später ein Nachbarschaftstreff mit vielfältigen Angeboten vom Kochkurs bis zur Fahrradwerkstatt. Die Macher wollen die Bewohner des Quartiers Neulichterfelde dabei unterstützen, für ihre Nachbarschaft und das Quartier selbst Verantwortung zu übernehmen.

Lichterfelder Weidelandschaft wird zum Teil versiegelt

Heute ist noch Natur, wo das Viertel sein wird: die sogenannte Lichterfelder Weidelandschaft, die sich hier mit den Jahren entwickelt hat. Von dem 97 Hektar großen Gelände sollen 36 Hektar bebaut werden. Rund 500 Pflanzenarten, 58 Brutvogelarten,  292 Schmetterlingsarten und 264 Bienen- und Wespenarten sind laut BUND Berlin gezählt worden. Der Verlust eines Teiles dieses Naturraumes sei bedauerlich. „Wir haben aber lange darum gekämpft, wenigstens für die Weidelandschaft eine akzeptable Lösung zu erreichen und im Vergleich zur ursprünglich möglichen Planung und in Anbetracht des politischen Drucks zum Wohnungsbau in Berlin, können wir diese Rettung der Weidelandschaft als insgesamt akzeptable Lösung ansehen“, heißt es auf der BUND-Webseite.

Um das nicht bebaute Areal der Weidelandschaft weiter zu pflegen, sollen hier auch in Zukunft Pferde grasen. Eine provisorische Übereinkunft mit der Groth Gruppe wurde getroffen und dafür die BUND Landschaftspflege-Manufaktur gGmbH gegründet. An einem Vertrag mit der Groth Gruppe wird derzeit noch gearbeitet. Der Verband sucht außerdem Naturschutzpaten.

Ein blick ins zukünftige Quartier Neulichterfelde. Copyright: Groth Gruppe
Ein blick ins zukünftige Quartier Neulichterfelde. Copyright: Groth Gruppe

Nachhaltiges Quartier Neulichterfelde wird nicht nur neue Wohnungen bringen

Das Bauvorhaben Quartier Neulichterfelde umfasst neben Wohnungen auch eine dreizügige Grundschule, drei Kitas, eine Jugendfreizeiteinrichtung und ein Umweltbildungszentrum. Ein Mikro-Stadtwerk im Quartier mit Photovoltaik und einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk wird Wärme und Strom liefern, die vor Ort erzeugt und verbraucht werden.

Auf den Dächern sind Solaranlagen geplant. Es ist ein Mieterstrom-Modell unter der Überschrift NeulichtStrom angedacht. Die Energieversorgung der Reihenhäuser soll sogar brennstofffrei erfolgen. Thilo Jungkunz, Geschäftsbereichsleiter Dezentrale Energieversorgung und bei NATURSTROM verantwortlich für das Projekt Neulichterfelde, sagt: „Wir haben hier kalte Nahwärme im urbanen Raum weitergedacht und werden die Reihenhäuser zum Wärmepumpenquartier entwickeln.“ 

Die Experten haben ausgerechnet, dass die Energieversorgung für ein herkömmliches Quartier dieser Größe rund 6.385 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verursacht. In Neulichterfelde sollen es nur 139 Tonnen pro Jahr sein. Auch mit dem Toyota-Mobilitätskonzept kann CO2 gespart werden – bis zu 1.200 Tonnen pro Jahr. Es setzt zum einen auf ein Fuß- und Radwegenetz im Quartier, darüber hinaus werden drei Mobilitätshubs geschaffen und ein Fahrradparkhaus.

Es sind Angebote mit E-Fahrzeugen geplant, das Quartier wird mit Wallboxen und Ladestationen ausgestattet. Angedacht ist ein autonomer Shuttle-Service, der also ohne Fahrer auskommt – damit auch für die letzte Meile vom Öffentlichen Nahverkehr nach Hause zukünftig kein Auto gebraucht wird. Für die Steuerung der Mobilitätsangebote soll es eine Quartiers-App geben. Über sie kann der Shuttle dann gerufen werden.

Baustart im Herbst 2022 avisiert

Doch bis es soweit ist, werden noch Jahre ins Land gehen. Anette Mischler sagt: „Wenn der städtebauliche Vertrag unterschrieben ist, sind die folgenden Verfahrensschritte immerhin von der Dauer kalkulierbar. Wir halten daran fest, dass der Baustart im Herbst 2022 erfolgen soll.“ Bis zur Fertigstellung des Quartiers werden dann noch einmal acht bis zehn Jahre vergehen.

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