Kommunale Wohnungsunternehmen in Mitteldeutschland - Teil 3: Die WOBAU in Magdeburg

Kommunale Wohnungsunternehmen in Mitteldeutschland - Teil 3: Die WOBAU in Magdeburg

Kommunale Wohnungsunternehmen in Mitteldeutschland - Teil 3: Die WOBAU in Magdeburg
Die WOBAU-Zentrale zu Füßen des Magdeburger Doms beherbergt auch das Dommuseum Ottonianum. Foto: Norbert Perner

In unserer Serie stellen wir Ihnen die großen kommunalen Wohnungsunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor. In Teil 3 geht es um die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH (WOBAU). Sie ist der größte Vermieter von Wohnraum und Gewerbeflächen in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt.

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Ob das Bonmot „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ nun von Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder Winston Churchill stammt, darüber wird bis heute gestritten. Unstrittig ist jedoch sein Wahrheitsgehalt, wie sich erst jüngst wieder am Beispiel der Stadt Magdeburg zeigte. Deren Einwohnerzahl war bis Ende 2022 auf über 240.000 angestiegen – ein Wert, der laut Prognose des Amtes für Statistik erst in fünf Jahren erreicht sein sollte.

Unstrittig ist ebenso, dass Magdeburg weiterwachsen wird. Allein die neue Intel-Fabrik, deren Bau im Jahr 2023 starten soll, bringt rund 10.000 Arbeitsplätze in die Elbestadt. Im Ausschuss für Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Magdeburg sorgt man sich bereits vor einem leergefegten Wohnungsmarkt, insbesondere im Bereich der niedrigen und mittleren Mieten.

Bei der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH (WOBAU) gibt man sich dagegen gelassen. Die Wohnungsmarktlage sei entspannt, heißt es. Außerdem würden mit der Intel-Ansiedlung nicht zehntausende Menschen auf einmal nach Magdeburg ziehen, sondern phasenweise.

WOBAU setzt städtebauliche Ausrufezeichen

Die 1992 gegründete WOBAU ist mit einem Bestand von 18.800 Wohnungen der größte Vermieter von Wohnraum sowohl in Magdeburg als auch in Sachsen-Anhalt. Circa 50.000 der 240.000 Magdeburger wohnen in Objekten des kommunalen Wohnungsunternehmens – immerhin fast jeder fünfte Einwohner. Das Angebot reicht von Single- und Familienwohnungen über seniorengerechten Wohnraum bis hin zu Magdeburgs erster Demenz-Wohngemeinschaft. Wer bei der WOBAU einzieht, zahlt aktuell eine Durchschnittsmiete von 5,41 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Laut Magdeburger Mietspiegel 1/2023 liegt der durchschnittliche Mietpreis in der Elbestadt bei 7,05 Euro pro Quadratmeter.

Wobau-Welle Regierungsstraße Magdeburg
Die Fassade der „Wobau-Welle“ in der Regierungsstraße nimmt Bezug auf die nahe Elbe. Foto: Norbert Perner

Darüber hinaus vermietet die WOBAU rund 460 Gewerbeeinheiten und engagiert sich als Motor der Stadtentwicklung. Sie bewahrt historische Schätze, modernisiert Schulen und Kitas, belebt Brachflächen und baut Großwohnsiedlungen in familienfreundliche Eigenheimgebiete um. Außerdem setzt das Unternehmen städtebauliche Ausrufezeichen. Beispiele hierfür sind die designpreis-gekrönte Wellenfassade an dem 130 Meter langen Wohnblock Regierungsstraße 37 a-e, der hochmodern umgebaute und mit 16.000 LEDs illuminierte Katharinenturm am Breiten Weg 31 oder auch das neue Domviertel und die revitalisierte Alte Staatsbank zu Füßen des Magdeburger Doms.

Katharinenturm am Breiten Weg Magdeburg. Fotos: Norbert Perner
Die wechselnde Beleuchtung des Katharinenturms am Breiten Weg sorgt für eine besondere Stimmung in der Magdeburger Innenstadt. Fotos: Norbert Perner

„Gerade in der jüngeren Vergangenheit haben wir vieles gebaut, das sich sehen lassen kann“, resümierte WOBAU-Geschäftsführer Peter Lackner bei der Feier zum 30-jährigen Jubiläum des Wohnungsunternehmens am 20. Oktober 2022. „Wir sind auf diese Leistungen stolz und freuen uns, dass unsere Stadt immer weiter aufblüht und attraktiver wird“.

Die WOBAU: Geschichte und Zahlen

Die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbh (WOBAU) wurde im August 1992 gegründet. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt Magdeburg und vermietet aktuell 18.800 Wohnungen, circa 460 Gewerbeeinheiten und insgesamt rund 5.000 Garagen, Stellplätze und Gärten.

Vorläufer der WOBAU ist die Kommunale Wohnungsverwaltung KWV. Aus deren Bestand übertrug die Stadt der WOBAU 1992 rund 61.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten.

Die ersten zwei Jahrzehnte waren geprägt von Altschuldenproblemen, Restitutionsansprüchen, Abriss und Umbau sowie Sanierungen des Bestands (zum Beispiel: Beimssiedlung, Stadtteil Reform, Leiterstraße und andere). Im Jahr 2012, also 20 Jahre nach der Gründung, war der WOBAU-Bestand auf 23.500 Wohnungen und 500 Gewerbeeinheiten gesunken.

In der vergangenen Dekade nahm das Unternehmen die Bautätigkeit wieder auf und entwickelt seither Projekte mit stadtbildprägendem Charakter. Beispiele hierfür sind der Komplettumbau des „Hauses des Lehrers“ zum Katharinenturm, die Sanierung der ehemaligen Staatsbank nach denkmalrechtlichen Vorschriften, der Neubau des Domviertels oder auch die Neugestaltung des Breiten Weges zwischen Hasselbachplatz und Domplatz.

Die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg als Arbeitgeber, Ausbilder und Sportförderer

Gegenstand und Zweck der 1992 gegründeten Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH sind die Vermietung, Verpachtung und Verwaltung von Wohnungen sowie deren Instandsetzung, Sanierung und Modernisierung. Hinzu kommen der Neubau von Wohnungen, der Erwerb und Verkauf von Grundstücken sowie das Errichten, Bewirtschaften und Verwalten von sozialen und kulturellen Einrichtungen wie auch von Läden und Gewerbebauten.

WOBAU-Geschäftsführer Peter Lackner mit Maskottchen WOBI-Spatz
WOBAU-Geschäftsführer Peter Lackner mit dem WOBI-Spatz, dem Maskottchen der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg. Foto: WOBAU Archiv

Die Stadt Magdeburg ist die alleinige Gesellschafterin der WOBAU, deren Geschäfte Peter Lackner führt. Der Diplom-Bau- und -Wirtschaftsingenieur (FH) ist Chef von 231 Mitarbeitern, zu denen zwölf Auszubildende zählen. Junge Leute können bei der WOBAU den betrieblichen Teil ihrer dualen Berufsausbildung absolvieren und neben Immobilienkaufmann/-frau auch Kaufmann/-frau für Büromanagement und Kaufmann/-frau für IT-Systemmanagement werden. Darüber hinaus schult die WOBAU ihre eigenen Mitarbeiter, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Außerdem sponsort das Unternehmen zehn Magdeburger Sportvereine und unterstützt Nachwuchsfußballer mit Einstiegsqualifizierungen. Letztere ermöglichen jungen Menschen, neben ihrem Fokus auf den Sport erste berufliche Erfahrungen in betrieblicher Praxis zu sammeln.

Aktuelle Projekte der WOBAU

Die WOBAU hat 2022 rund 57 Millionen Euro in Sanierung, Instandhaltung und Neubau investiert. (2021: 43,84 Millionen Euro). Die Gelder flossen unter anderem in ein zukunftsweisendes Modellprojekt, das die WOBAU derzeit im Süden der Stadt im Quartier Hopfengarten realisiert: die erste energieautarke Reihenhaussiedlung in Magdeburg, die obendrein zu 100 Prozent CO2-frei ist. Möglich wird das durch die Nutzung von Ökostrom, selbst produziertem Solarstrom und Stromspeichern für den Wärme- und Strombedarf der Bewohner.

Auch die Pkw-Stellplätze werden für die E-Mobilität vorbereitet. In den acht Reihenhäusern im Marderweg 12-20 erfüllt die WOBAU bereits heute die angestrebten Gebäudestandards der Bundesregierung für das Jahr 2050. So innovativ wie das Gebäudekonzept ist auch das Mietmodell. Künftige Bewohner können die Häuser für eine Pauschalmiete inklusive Strom- und Wärmekosten mieten. Die Grundsteinlegung erfolgte im November 2021, die Fertigstellung ist gegen Ende Juni 2023 geplant.

Magdeburgs erste energieautarke Reihenhaussiedlung Marderweg 12-20. Wobau
Magdeburgs erste energieautarke Reihenhaussiedlung entsteht im Marderweg 12-20. Foto: Norbert Perner.

Studierende und Azubis gehören ebenfalls zur Zielgruppe der WOBAU. Für sie saniert das kommunale Unternehmen seit Juni 2022 nördlich der Altstadt die Häuser in der Beethovenstraße 9-11, Ecke Walter-Rathenaustraße. In den entkernten Gebäuden entstehen 99 Zimmer, die sich auf 42 Wohngemeinschaften mit vier, drei, zwei oder einem Zimmer verteilen. Die WOBAU erneuert Haustechnik, Sanitär und Elektro, dämmt die Fassaden und baut Fußbodenheizungen und Küchen ein. Die Keller werden mit Waschmaschinen, Trocknern und Fahrradstellplätzen ausgestattet, die Zimmer mit Bett, Schrank, Tisch, Stühlen und schnellem Internet. Im Juni 2023 soll die Fertigstellung erfolgen.

Mit der behutsamen Sanierung der denkmalgeschützten Beimssiedlung investiert die WOBAU zudem in den Erhalt eines der größten Flächendenkmäler Europas. Die Siedlung westlich der Innenstadt entstand zwischen 1925 und 1932 im Stil des Neuen Bauens. Sie war Magdeburgs erste und zugleich größte Großsiedlung in den 1920er-Jahren und bot gesunde Wohnungen zu günstigen Preisen.

Blick in die Beimssiedlung,
 die auch schon Kulisse für den „Polizeiruf“ war. Foto: Norbert Perner
Blick in die Beimssiedlung, die auch schon Kulisse für den „Polizeiruf“ war. Foto: Norbert Perner

Derzeit liegt der Fokus auf der Calvörder Straße. Allein hier baut die WOBAU in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde 96 Wohnungen in größere Zwei-, Drei- und Vier-Raum-Wohnungen mit modernem Standard um. Sie bekommen neue Heizungs- und Elektroanlagen, schalldämpfende Fußböden, vergrößerte Bäder und eine zentrale Lüftungsanlage für gesundes Raumklima. Im Außenbereich entstehen abschließbare Fahrradunterstände, neu begrünte Innenhöfe und vereinzelt kleine Mietergärten. Ziel der WOBAU ist es, Familien in der Stadt zu halten. Der Umbau der Calvörder Straße wird Ende 2023 fertig. Die Sanierung der gesamten Beimssiedlung soll laut WOBAU „um das Jahr 2031“ abgeschlossen sein.

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