Zukunftszentrum Deutsche Einheit: Endspurt für Bewerber

Zukunftszentrum Deutsche Einheit: Endspurt für Bewerber

Zukunftszentrum Deutsche Einheit: Endspurt für Bewerber
Das geplante Zukunftszentrum soll die Umbrüche nach der deutschen Einheit erlebbar machen und Transformationsprozesse erforschen. Copyright: Pixabay.

Noch bis Ende September 2022 können sich ostdeutsche Städte um das „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ bewerben. Aktuell konkurrieren zwei Städte aus Sachsen, vier aus Thüringen sowie je eine aus Sachsen-Anhalt und aus Brandenburg um das Projekt. Anfang 2023 will die Bundesregierung über den Standort entscheiden.

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Ein Gebäude mit herausgehobener moderner Architektur soll es werden. Ein Ort, an dem die Bedingungen für eine Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft erforscht werden. Ein Raum, in dem Umbruchprozesse und die Erfahrungen von Ostdeutschen in den letzten 30 Jahren sichtbar und erlebbar gemacht werden. Ein Platz, an dem Kultur, Dialog und Diskussionen zuhause sind.

So lauten die Vorstellungen der Bundesregierung vom geplanten „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“. Es soll in den neuen Bundesländern entstehen. Der Wettbewerb um den Standort wurde am 1. Juli 2022 gestartet. Bis zum 30. September 2022 können sich ostdeutsche Kommunen um das Zentrum bewerben. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, sagte: „Ich freue mich auf die Bewerbungen und gehe davon aus, dass wir bis Anfang nächsten Jahres ein Ergebnis haben werden.“

Sachsen schickt ein Städte-Duo ins Rennen

Aktuell konkurrieren acht Städte aus Ostdeutschland um den Sitz des Zukunftszentrums, davon sieben aus Mitteldeutschland. So kandidieren Leipzig und Plauen gemeinsam für Sachsen und werden dabei von Chemnitz, der Europäischen Kulturhauptstadt 2025, unterstützt. Die Oberbürgermeister der drei Städte haben vereinbart, bei der Bewerbung eng zusammenzuarbeiten. Sie sind überzeugt, dass Sachsen wesentliche Impulse für das Verständnis der schwierigen Transformationsprozesse seit 1989 liefern könne und deshalb „der ideale Standort“ für das Zukunftszentrum sei. Plauen und Leipzig waren die Ausgangsorte der Friedlichen Revolution 1989.

„Das Erbe der Friedlichen Revolution verbindet Leipzig und Plauen auf besondere Weise“, sagte Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner. „Beide Städte stehen stellvertretend für eine ganze Region, in der die Themen Demokratie und Transformation in den letzten 30 Jahren zentral waren und noch immer sind.“ Zenner erklärte, die Unterstützung der Stadt Chemnitz bei der Bewerbung von Leipzig und Plauen zeige den „geeinten Willen“, dieses wichtige Zukunftsprojekt in das Ursprungsland der Friedlichen Revolution zu holen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung warb mit den Worten: „Heute stehen wir wieder vor einer Zeitenwende und können auf unsere Erfahrungen zurückgreifen. Diesen Erfahrungsschatz wollen wir mit allen in Deutschland, in Europa und darüber hinaus teilen.“ Der Freistaat Sachsen unterstützt Leipzig und Plauen mit jeweils 50.000 Euro im Bewerbungsprozess.

Thüringen favorisiert Jena

In Thüringen kandidieren vier Städte, auch hier gibt es Team-Bewerbungen. So geht Mühlhausen gemeinsam mit dem hessischen Eschwege ins Rennen und Sonneberg mit dem bayerischen Neustadt bei Coburg. Daneben haben Eisenach sowie Jena ihren Hut in den Ring geworfen. Die Stadtoberhäupter von Mühlhausen und Eschwege sind überzeugt, dass nur die gemeinsame Bewerbung einer ost- und westdeutschen Stadt dem Anspruch des Zentrums gerecht werde, nämlich Ost und West zusammenwachsen zu lassen und die Einheit Deutschlands zu festigen. Beide Städte seien „eine Brücke zwischen Ost- und Westdeutschland, aber auch zwischen Ost- und Westeuropa“.

Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche hält nichts von gemeinsamen Bewerbungen. Der Bund habe schließlich keine „Zukunfts-Halbzentren“ ausgelobt, deren einer Teil in der einen Stadt und deren anderer Teil in einer anderen Stadt steht. Das werde nicht funktionieren. Laut Nitzsche kann Jena mit der engen Verknüpfung von Stadt, Wissenschaft und Wirtschaft sowie mit einer „Geschichte gelingender Transformation“ punkten, die vom 16. Jahrhundert bis in die Nachwendezeit reicht.

Jenas Bewerbung wird von der Thüringer Landesregierung unterstützt. Sie hatte bereits im vergangenen Jahr die Thüringer Bewerber mit 50.000 Euro gefördert. Eine weitere Zuwendung werde zu gegebener Zeit geprüft.

Sachsen-Anhalt unterstützt Halle an der Saale

In Sachsen-Anhalt waren zunächst vier Städte angetreten. Allerdings gaben Magdeburg, Dessau-Roßlau und Wittenberg ihre Ambitionen auf, nachdem das Land entschieden hatte, Halle an der Saale bei der Bewerbung zu unterstützen. „Anhand der Kriterien des Standortwettbewerbs des Bundes erfüllt die Stadt Halle die Voraussetzungen am besten und hat damit die größten Erfolgsaussichten im Wettbewerb“, sagte Sachsen-Anhalts Staatsminister und Minister für Kultur, Rainer Robra. Die gut vernetzten wissenschaftlichen Einrichtungen in Halle hätten einen breit gefächerten Bezug zum Inhalt des Zukunftszentrums. Hinzu komme die gute Erreichbarkeit der Stadt, ihr breites Kulturangebot sowie die innerstädtische fußläufige Lage des vorgesehenen Standorts am Riebeckplatz. Das Land Sachsen-Anhalt stellt der Stadt für den Bewerbungsprozess 50.000 Euro zur Verfügung.

Egbert Geier, Bürgermeister der Stadt Halle, betonte: „Jetzt beginnt die heiße Phase.“ Die Verwaltung und die Partner der Stadt würden nun alle Energie auf die Fertigstellung der Bewerbung bis Ende September richten. Die Saalestadt liege zentral in Mitteleuropa und sei eine klassische Region des Strukturwandels mit historischer Bildungslandschaft sowie ausgeprägter Kunst-, Medien- und Kulturszene. Geier ist überzeugt: „Halle hat die besten Karten, um den Standortwettbewerb zu gewinnen.“

Drei Bundesländer präferieren Frankfurt (Oder)

Starken Rückenwind gibt es auch für die Bewerbung von Frankfurt (Oder). Die brandenburgische Stadt an der polnischen Grenze wird von den Bundesländern Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sowie von 35 Städten, Gemeinden, Gebietskörperschaften und Institutionen aus Deutschland und Europa unterstützt. Hierzu zählt auch die Stiftung Zukunft Berlin. Deren Vorstandssprecher Markus Dröge sagte, die Erfahrung von Frankfurt in der Zusammenarbeit mit Slubice zeige, dass hier Potenziale für die europäische Entwicklung liegen. „Dies muss für die Zukunft genutzt werden.“ Jedes rationale Argument spreche dafür, die neue Einrichtung in Frankfurt anzusiedeln.

Die Doppelstadt Frankfurt (Oder) /Slubice wird oft als am Rande Deutschlands wahrgenommen, dabei hat sie eine europäische Zentrumslage. Yolanda Rother, Vorstandsmitglied und Leiterin des Projekts „Wir sind Europa“, hält diese „spezifische Position“ Frankfurts für sehr wichtig. Aus den hier gelösten Problemen könnten Erkenntnisse gewonnen werden, die Europa weiterhelfen.

René Wilke, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), freut sich über die breite Unterstützung. Sie zeige, „dass unsere Einschätzung, der richtige Ort für das Zukunftszentrum zu sein, vielerorts überzeugt.“ Als mögliches Baugrundstück favorisiert die Stadtverwaltung ein freies Areal direkt an der symbolträchtigen Stadtbrücke über die Oder, die den innerstädtischen Grenzübergang zwischen Frankfurt und Slubice bildet.

So ist der weitere Zeitplan

Eine unabhängige Jury, besetzt mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft, wird voraussichtlich im November 2022 ausgewählte Bewerberstädte besuchen und spätestens Anfang 2023 der Bundesregierung eine Empfehlung aussprechen. Sobald der Sieger des Standortwettbewerbs gekürt ist, startet der Architekturwettbewerb. 2026 soll mit dem Bau des Zentrums begonnen werden. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme sind für 2028 geplant.

Der Bund will rund 200 Millionen Euro in den Bau des „Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ investieren und für dessen Unterhalt jährlich 43 Millionen Euro aufwenden. Entstehen soll ein Gebäude mit bis zu 15.000 Quadratmetern Fläche, in dem circa 200 Beschäftigte eine Arbeit finden. Ziel ist die Schaffung einer Einrichtung, die eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kultur und Bürger-Engagement bildet, die gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet und den Zusammenhang zwischen der Einheit Deutschlands und der Demokratie in Europa thematisiert. Die Bundesregierung rechnet mit bis zu einer Million Besucher pro Jahr.

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