Digitalisierung in der Immobilienbranche: Über die Verwendung digitaler Zwillinge

Digitalisierung in der Immobilienbranche: Über die Verwendung digitaler Zwillinge

Digitalisierung in der Immobilienbranche: Über die Verwendung digitaler Zwillinge
James Morris-Manuel über die Verwendung digitaler Zwillinge. Copyright: Matterport

James Morris-Manuel, Managing Director für EMEA bei Matterport, erklärt für IMMOBILIEN AKTUELL, wie digitale Zwillinge Vermietern virtuelle Besichtigungen, vorausschauende Wartung und neue Wege zur Vertrauensbildung mit ihren Mietern ermöglichen.

Kölner Immobilienmonitor

Mit knapp 20 Millionen Mietwohnungen rangiert Deutschland an erster Stelle des europäischen und an zweiter Stelle des weltweiten Wohnungsmarktes. Da die Hauspreise laut Statista zwischen 2020 und 2021 um über zehn Prozent gestiegen sind und stetig weiter ansteigen, läuft das Geschäft für die wachsende Zahl von Mietinteressenten gut.

Digitale Zwillinge helfen, Immobilienportfolios zu verwalten und zu bewerben

Angesichts des rasanten Marktwachstums wenden sich Vermieter neuen Technologien wie digitalen Zwillingen zu, um ihre Immobilienportfolios effizienter als je zuvor zu verwalten und zu bewerben. Die Langzeitvermietung wird in Deutschland immer üblicher. Da der Markt weiterwächst, müssen Vermieter einen Weg finden, sich von ihren Mitbewerbern abzuheben und gleichzeitig aktuelle und potenzielle Mieter zufriedenzustellen. 

Die Vorteile digitaler Zwillinge für Vermieter beginnen damit, dass sie virtuelle Besichtigungen von Immobilien anbieten können. Diese ehrliche und informationsreiche Möglichkeit trägt dazu bei, das Vertrauen zwischen Vermieter und Mieter aufzubauen. Die Erstellung eines digitalen Zwillings einer Immobilie ist viel einfacher als gedacht und einfach mit dem Smartphone umzusetzen. Für ein professionelleres Ergebnis können auch geschulte Techniker mit Spezialkameras gebucht werden. Die erfassten Daten werden in ein interaktives 3D-Modell des Mietobjektes umgewandelt, das Mietinteressenten aus der Ferne erkunden können.

Digitalisierung ermöglicht virtuelle Rundgänge durch Immobilien

Bei größeren Objekten kann das Modell sämtliche Ausstattungen wie Sporthallen, Pools und Außenanlagen zeigen. Digitale Zwillinge bieten Vermietern die Möglichkeit, Mietinteressenten virtuelle, immersive Rundgänge durch die Immobilie anzubieten, ohne dass jemand einen Fuß hineinsetzen muss. Dies führt zu weniger Unannehmlichkeiten und bedeutet, dass Personen, die zu einer persönlichen Besichtigung kommen, mit größerer Wahrscheinlichkeit ernsthafte Interessenten sind. Die Matterport-Forschung hat gezeigt, dass die Verwendung von digitalen Zwillingen in den Inseraten die Anzahl der Anfragen zu den Immobilien erhöht – und gleichzeitig viel Zeit und Arbeit für die Vermieter spart.

Vermieter können in die digitalen Zwillinge Notizen einbetten, um wichtige Verkaufsargumente wie zum Beispiel Haushaltsgeräte, Klimaanlagen oder Marmoroberflächen hervorzuheben. Das bietet dem potenziellen Mieter eine Detailgenauigkeit, die mit einer einfachen Videotour nicht so einfach zu erreichen wäre. Sobald ein neuer Mieter eingezogen ist und es Zeit ist, eine Mängelliste zu erstellen, kann er den digitalen Zwilling mit Tags versehen, um bereits vorhandene Mängel oder Schrammen zu markieren. Dies bietet Mietern und Vermietern eine zusätzliche Dokumentationsebene, die über einen einfachen schriftlichen Zustandsbericht hinausgeht.

Die gleichen Vorteile gelten auch für die Instandhaltung. Vermieter können die Daten mit ihren Auftragnehmern teilen und aus der Ferne mit ihnen zusammenarbeiten, um Angebote zu erleichtern – zum Beispiel für Reinigung, Reparaturen oder Renovierungen.

Digitale Zwillinge helfen auch Bestandshaltern mit großen Immobilienportfolios

Für Vermieter, die ein großes Portfolio von Immobilien verwalten, kann es schwierig sein, den Überblick über die Instandhaltung der einzelnen Immobilien zu behalten. Mit digitalen Zwillingen können sie ihr virtuelles Modell der Immobilie in Echtzeit nutzen, um bei Reparaturen auf dem Laufenden zu bleiben und zwar mit Hilfe von Internet-of-Things-Sensoren in den Immobilien. Diese Sensoren können fast alle Geräte in einem Haus überwachen, von Alarmanlagen bis hin zu Kühlschränken und Geschirrspülern.

So können Vermieter rechtzeitig erkennen, wann ein Problem auftritt. In einigen Fällen können die Sensoren sogar vorhersagen, wann Probleme auftreten werden. Die Erkenntnisse, die sie liefern, tragen dazu bei, dass Entscheidungen über Wartung, Renovierung oder Ersatz rechtzeitig getroffen werden können. Das erspart dem Mieter Ausfallzeiten, während die Geräte nicht funktionieren, und die Vermieter sparen Geld, da sie nicht für Notfalleinsätze und außerplanmäßige Wartungsarbeiten aufkommen müssen.

Die Verfügbarkeit von Daten zu allen Bereichen, von der Instandhaltung bis zur Nutzung der Immobilie, bedeutet, dass Vermieter auf dieser Grundlage ein tieferes Verständnis für Probleme, wie beispielsweise zur Energieeffizienz, erlangen können. Ergebnis: proaktive Verwaltung und die Sicherung langfristiger Werte.

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