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IMMOCOM-Event-Rückblick: Thüringens Immobilienmarkt im Fokus

Hybrider Immobilienkongress in Erfurt diskutiert den Konflikt zwischen Städten und ländlichem Raum, über Wohnen und Mieten, Gewerbe, Büros und natürlich Logistik. Eine Zusammenfassung.

Hybrider Immobilienkongress in Erfurt diskutiert den Konflikt zwischen Städten und ländlichem Raum, über Wohnen und Mieten, Gewerbe, Büros und natürlich Logistik. Der Thüringer Immobilienkongress auf der Messe Erfurt warf Schlaglichter auf den Immobilienmarkt des Freistaates. Copyright: IMMOCOM.
Von Redaktion IMMOBILIEN AKTUELL MAGAZIN / IVETTE WAGNER, 13.11.2020

Den Kongress eröffnete Prof. Dr. Benjmanin-Immanuel Hoff, unter anderem Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft sowie Chef der thüringsichen Staatskanzlei. „Wir haben hier viel ländlichen Raum, das ist ein großer Vorteil“, erklärte er kämpferisch. Kleinste und kleine Städte bilden ein Netz aus Historie, Kultur, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Tourismus und Beziehungen, seien Ankerpunkte für die Bevölkerung. Häufig funktionierten Dörfer insbesondere bei den sozialen Beziehungen besser. Problem im ländlichen Raum sei der Rückbau von Infrastruktur in der Vergangenheit, in erster Linie im Bereich Verkehr.

Im Video: das Auftaktpanel vom Thüringer Immobilienkongress

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Thüringen: Chancen und Vorteile im ländlichen Raum

„Wir können im Gegensatz zu vielen anderen den Wunsch der Menschen nach einem Einfamilienhaus erfüllen, zum Teil sogar in Innenstadtlagen“, so Prof. Dr. Benjmanin-Immanuel Hoff weiter. Es müsse immer darum gehen, Menschen für Thüringen zu begeistern. Nicht nur unter ökologischen Aspekten sehe er die Innen- vor der Außenentwicklung. Im Gespräch wehrte er sich gegen den Vorwurf der Immobilienbranche, Wohnraumförderung gekürzt zu haben. „Die Nachfrage hat sich einfach geändert.“ Sabine Anhöck, Vorstand des BFW Landesverbandes Mitteldeutschland e.V., berichtete von Gesprächen mit der Landesregierung, wonach die Fördertöpfe im kommenden Jahr kleiner ausfallen werden.

Prof. Dr. Benjmanin-Immanuel Hoff befürwortete zudem eine konzeptorientierte Förderung. „Im ländlichen Raum kann man mit kleinen Beträgen oft mehr erreichen als in einer Stadt.“ Sabine Wosche, Geschäftsführerin der LEG Thüringen, sieht im ländlichen Raum ebenfalls Chancen und Vorteile. „Wir haben über 100 Projekte und wollen vor Ort den Startschuss geben.“ Als Beispiel nannte sie die Strumpffabrik in Diedorf, die in der Innenstadt lange ein Schandfleck war und nun neuen Nutzungen zugeführt wird.

Zum Megatrend Digitalisierung erklärte Prof. Dr. Benjmanin-Immanuel Hoff: „Wir sind in Thüringen nicht schnell und weit genug.“ Seit Jahren werde über BIM oder digitale Bauplanung gesprochen. „Das passiert nach dem Motto: Das geht aber schnell, sagte die Schnecke, die auf der Schildkröte saß.“ 

Hohe Renditen am Thüringer Büromarkt

Torsten Pfeifer von der TREUENBURG GROUP, die Wohnen und Gewerbe unter anderem in Mühlhausen, Nordhausen, Erfurt, Bad Berka, Gotha und Ilmenau entwickelt, wies auf die Renditen hin, die im Freistaat noch erzielt werden könnten. Bei Bürogebäuden seien dies 5,5 bis 7,5 Prozent. „Für große Investoren ist das Bundesland nicht die erste Wahl, da es oft zu kleinteilig ist und die Portfolios zu klein.“ Im Dialog mit André Neumann, Oberbürgermeister der Stadt Altenburg, ging es um Mikro- und Makrolage. Und natürlich um die Entwicklung der Skatstadt: „Wir wollen die Innenstadt stärken, die Verweilqualität verbessern“, so André Neumann. „Wir bieten Leben und Wohnen in einer kompakten Kommune mit einer funktionierenden Infrastruktur. Hier bekommt man problemlos einen Kita-Platz.“ Zudem sei es wichtig, dass man aktiv von den umliegenden „Vor-Städten“ Leipzig, Zwickau und Chemnitz partizipiere.

vtw-Chef: „Es darf nicht jeder für sich agieren und machen“

Diskussion über günstiges Wohnen in Stadt und Land. Copyright: IMMOCOM.Den Konflikt zwischen Stadt und ländlichem Raum griff auch das zweite Panel auf – im Bereich Wohnen. Auf die Bevölkerungsentwicklung rekurierte vtw-Chef Frank Emrich: Stadt rauf, der Rest runter. Andreas Heller, Landrat des Saale-Holzland-Kreises, sprach darüber, dass es nicht nur ein Konzept für einzelne Orte brauche, sondern dass dieses den kompletten Landkreis mitdenken müsse. „Es darf nicht jeder für sich agieren und machen“, so vtw-Chef Frank Emrich. „Nur dann bekommt man lebendige Strukturen.“ Dabei sei es wichtig darauf zu achten, was die Menschen wollen. Tobias Wolfrum, Geschäftsführer der jenawohnen GmbH, war es wichtig, dass man nicht in Konkurrenz zueinander gehe, sondern gemeinsam an der Entwicklung arbeite.

„Wir entwickeln dort, wo institutionelle Investoren hinmöchten“, so Till Schwerdtfeger, Vorstand der AOC Immobilien AG. Das Unternehmen vermeldete erst kürzlich ein erstes Projekt in Erfurt: 154 Wohnungen will der Entwickler aus Magdeburg bis 2023 im Südosten der thüringischen Landeshauptstadt unter dem Namen COLORIA errichten, darunter öffentlich geförderte Wohnungen. Neben den zwei bis vier Zimmer großen Wohneinheiten sollen auch eine Kita mit 69 Betreuungsplätzen, eine Tiefgarage mit 163 Stellplätzen sowie 29 Außenstellplätze entstehen. Die Baugenehmigungen für das Vorhaben wurden bereits im dritten Quartal 2020 erteilt.

Einfamilienhäuser in der Peripherie

Im Landkreis Weimarer Land realisiert Sabine Anhöck, Geschäftsführerin Anhöck & Kellner Massivhaus GmbH und Vorstand des BFW Landesverbandes Mitteldeutschland e.V., 20 Einfamilienhäuser und zeichnete den Konflikt zwischen Stadt und Land mit einem konkreten Beispiel: „Der Stadt Erfurt gefällt es nicht, dass Einfamilienhäuser in der Peripherie gebaut werden, weil dann die Nachfrage in Erfurt nachlasse.“

 

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