Nahversorger begeistern Bürgermeister und Investoren

Nahversorger begeistern Bürgermeister und Investoren

Nahversorger begeistern Bürgermeister und Investoren
Die Assetklasse Nahversorger lockt die Investoren. Copyright: ElasticComputeFarm auf Pixabay

In der Coronakrise erweisen sich Lebensmittelmärkte und lebensmittelgeankerte Fachmarktzentren als robust und umsatzträchtig. Das spiegelt sich auch auf dem Investmentmarkt wider. Vollsortimenter und Discounter errichten neue Standorte, Investoren erweitern ihre Portfolios um Nahversorger. Auch in Mitteldeutschland wird gebaut und zugekauft.

Ein Markt der Superlative soll es werden. Unweit der Mulde, zwischen Eilenburg-Zentrum und Eilenburg-Ost, errichtet Edeka in der Ziegelstraße das derzeit modernste E center in Nordsachsen. Anlässlich des ersten Spatenstichs am 3. November 2021 sagte Ralf Worlitschek, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb Regiebetriebe der EDEKA Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thüringen: „Wir investieren an diesem Standort rund zwölf Millionen Euro und schaffen allein im ersten Schritt rund 75 Arbeitsplätze hier direkt im Markt.“

Nach der Eröffnung im dritten Quartal 2022 sollen auf 2.800 Quadratmetern Verkaufsfläche mehr als 25.000 Artikel des täglichen Bedarfs erhältlich sein. Zudem bekommt der Markt einen großzügigen Drogerie-Bereich und ein großes Café mit komfortablem Sitzbereich im Vorkassenbereich. Geplant ist außerdem die Angliederung eines 7.000 Quadratmeter umfassenden Bau- und Gartenfachmarktes.

Nahversorger als Gewinner in der Corona-Krise

Mit diesem Konzept liegt Edeka im Trend. Laut einer Studie des Immobilienberatungshauses Robert C. Spies zum Retail-Investmentmarkt setzen Vollsortimenter und Discounter beim Generieren neuer Standorte und beim Revitalisieren von Bestandobjekten auf Mixed-used-Konzepte. Mit Erfolg. Lebensmittelmärkte und Fachmarktzentren mit hohem Lebensmittelanteil zählen zu den Gewinnern in der Corona-Krise. Der Studie zufolge haben Supermärkte und Verbrauchermärkte 2020 ein Umsatzplus von 16,7 Prozent und die Discounter von 8,8 Prozent verbucht.

In der Coronakrise erweisen sich Lebensmittelmärkte und lebensmittelgeankerte Fachmarktzentren als robust und umsatzträchtig. Copyright: Edeka
In der Coronakrise erweisen sich Lebensmittelmärkte und lebensmittelgeankerte Fachmarktzentren als robust und umsatzträchtig. Copyright: Edeka

Nahversorgung als Standortvorteil für Kleinstädte

Trotz zunehmender Onlinebestellungen (E-Food) ist der Einzelhandel weiterhin vom stationären Vertrieb geprägt. Das EHI Retail Institute, ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel, erklärt dies in seiner Studie „Stationärer Einzelhandel 2021“ mit der „noch immer kaum ausgeprägten Online-Akzeptanz einer Kundschaft, die frische oder gekühlte Lebensmittel bevorzugt vor Ort einkauft.“

Gerade für Kleinstädte abseits der großen Ballungszentren wird eine attraktive Nahversorgung damit zum Standortvorteil. Quartierszentren und Lebensmittelmärkte vor Ort punkten neben umfangreichen Sortimenten vor allem mit kurzen Wegen. Einkaufsfahrten in die Innenstädte der Metropolen entfallen. Was der Lokalhandel nicht hat, wird online bestellt.

Nahversorger bauen in Mitteldeutschland

Auch in Mitteldeutschland werden zahlreiche Lebensmittelmärkte neu gebaut oder modernisiert. Im thüringischen Schleiz zum Beispiel errichtet der Projektentwickler May & Co. auf dem Grundstück der abgebrochenen Brauerei in der Nikolaistraße 39 einen der modernsten Aldi-Märkte Deutschlands. Er zählt zu den ersten, die in Holzrahmenbauweise errichtet werden, wird mehr als 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben und soll im April 2022 übergeben werden.

In Schmölln im Landkreis Altenburger Land will Aldi gemeinsam mit der Wolf Wurstspezialitäten GmbH in einen neu zu bauenden Lebensmittelmarkt einziehen, um sich zu vergrößern. Als Standort ist das Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße vorgesehen. Der Discounter kann dort seine Flächen von derzeit 740 auf dann 1.270 Quadratmeter ausweiten, der Wolf-Werksverkauf von 60 auf 230 Quadratmeter. Der Markt soll die Nahversorgung im südlichen und südwestlichen Stadtgebiet stärken.

In Weißenborn am nördlichen Stadtrand von Zwickau hat diska in der Crimmitschauer Straße 90 einen geschlossenen Penny-Markt zu einem modernen Supermarkt umgebaut. Die Eröffnung erfolgte im Juli 2021. Auf den 720 Quadratmetern Verkaufsfläche hat sich auch die Biobrotmanufaktur Doktor Engelmann angesiedelt. Zwickaus Baubürgermeisterin Kathrin Köhler freut sich über die „hervorragende Nachnutzung“. Ziel sei es, „dass in jedem Stadtteil ein Nahversorger präsent ist“.

Auch Petra Pampel, Bürgermeisterin von Mohlsdorf, ist erleichtert, dass sich wieder ein Nahversorger in der kleinen Gemeinde im Landkreis Greiz ansiedelt. Ende 2018 hatte dortige der Einzelhandelsbetrieb geschlossen. Nun füllt diska die Versorgungslücke. Die Baugenehmigung für den neuen Markt wurde im August 2021 erteilt, die Eröffnung ist für das zweite Quartal 2022 geplant.

Nahversorger locken Investoren. Copyright: Edeka
Nahversorger locken Investoren. Copyright: Edeka

Assetklasse Nahversorgung lockt Investoren

Neben Bürgermeistern sind auch Investoren an Nahversorgern interessiert, schließlich haben sich diese in der Pandemie als online- und krisenresistent erwiesen. In Stollberg im Erzgebirgskreis zum Beispiel hat ALÌTUS Capital Partners im November 2021 ein 2010 revitalisiertes Nahversorgungszentrum mit 1.300 Quadratmetern Mietfläche, 86 Stellplätzen und großem Einzugsgebiet erworben. Ankermieter ist Lidl, weitere Mieter sind eine Bäckerei und ein Getränkemarkt. „Durch aktives Assetmanagement sehen wir bei diesem Objekt deutliches Wertsteigerungspotenzial“, sagt Timo Lausch, Leiter Investmentmanagement.

Anfang Dezember 2021 kaufte die Habona Invest Group im Norden von Zeitz, Sachsen-Anhalt, eine 2017 fertiggestellte Nahversorgungsimmobilie mit 2.000 Quadratmetern Mietfläche, guter Verkehrsanbindung und vielen Parkplätzen. Hauptmieter sind Aldi und ein Getränkemarkt. „Die Assetklasse Nahversorgung bietet unverändert sehr gute Investmentmöglichkeiten“, beobachtet Habona-Geschäftsführer Guido Küther.

Comeback der Tante-Emma-Läden in moderner Form

Wohnort und Nahversorgung rücken wieder enger zusammen, schnelle Erreichbarkeit wird immer wichtiger. Laut einer Quartierstudie von DC Developments schätzen die Deutschen ein Versorgungsangebot um die Ecke. 54,8 Prozent der Befragten wollen zu Fuß den Supermarkt erreichen können, 45,1 Prozent den Bäcker, 35,3 Prozent den lokalen Einzelhandel und die Gastronomie. „Früher war es selbstverständlich, in den Wohngebieten kleine Läden vorzufinden. Dieser Vermischungsgedanke erlebt mit den modernen Versionen des Tante-Emma-Ladens ein Comeback“, sagt Lothar Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments.

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