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Ruhrgebiet: „Deutschlands größte Stadt“ im Kommen

Beim Ruhr Immobilienkongress von IMMOCOM wurde klar: Das Ruhrgebiet steht vor allem aufgrund seiner Flächen gut da – braucht aber noch mehr Investitionen von außen.

Beim Ruhr Immobilienkongress von IMMOCOM wurde klar: Das Ruhrgebiet steht vor allem aufgrund seiner Flächen gut da – braucht aber noch mehr Investitionen von außen. © Der Ruhr Immobilienkongress war die erste reine Online-veranstaltung von IMMOCOM. © IMMOCOM
Von Redaktion Immobilien Aktuell Magazin / Jan Zimmermann, 19.11.2020

Am 17.11.2020 fand der Ruhr Immobilienkongress statt, und zwar als erste reine Online-Veranstaltung von IMMOCOM. Trotz des allgegenwärtigen Schattens, den das Coronavirus wegen des erzwungenen rein digitalen Modus Operandi auf das Branchentreffen warf, war die Stimmung mit Blick auf den Immobilienmarkt in der Ruhr Metropole äußerst positiv.

Das Auftaktpanel drehte sich um das Thema „So geht Strukturwandel: Das Ruhrgebiet erfindet sich neu“. Geladen waren hier Christoph Dammermann, Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen, Rasmus C. Beck, noch Vorsitzender der Geschäftsführung Business Metropole Ruhr GmbH und ab Frühjahr 2021 Geschäftsführer der Duisburger Wirtschaftsförderung, sowie Andreas Schulten, Generalbevollmächtigter der bulwiengesa AG. Christoph Dammermann stellte gleich zu Beginn klar: „Es wird auch eine Welt nach Corona geben.“ Die Frage danach, wie das Ruhrgebiet seine Immobilien nutzen will, wird auch dann noch Bestand haben. Besonderen Fokus legte der Staatssekretär hier auf die Flächennutzung, denn: „Das Flächenthema ist für ein Wirtschaftsministerium von oberster Relevanz.“ Die Region hätte hier durchaus Vorbildcharakter.

Büroflächenentwicklung: Platz zwei hinter Berlin

Christoph Dammermann betonte gleichsam die Wichtigkeit eines regionalen beziehungsweise überkommunalen Denkens. Als gelungenes Beispiel nannte er hierfür das Projekt Freiheit Emscher der Städte Bottrop und Essen. Rasmus C. Beck rückte indes das Ruhrgebiet gleich in einen größeren Kontext. Für ihn sei es nämlich – als Bezugsraum – Deutschlands größte Stadt. Der studierte Politikwissenschaftler bilanzierte aus den letzten Jahren: „Wir können Kooperation, sie fällt aber nicht vom Himmel, sondern ist ein Prozess, der Zeit braucht.“ Die Region müsse sich auf ihre Stärken besinnen – und brauche mehr Investitionen von außen. Anschließend legte er Zahlen vor, die die Dynamik der Ruhr Metropole untermauern: Januar 2019 verzeichnete der Markt eine Steigerung des Investitionsvolumens auf 2,8 Milliarden Euro sowie ein Projektentwicklungsvolumen in Höhe von 7,6 Millionen Quadratmetern. Bei der Büroflächenentwicklung liegt der „Pott“ deutschlandweit hinter Berlin auf Platz zwei.


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Delle in Bilanz durch Corona

Beunruhigen könnten vielleicht die Nettoanfangsrenditen, die mit durchschnittlich 4,2 Prozent im Vergleich zu den A-Städten sehr hoch ausfallen und als Zeichen eines hohen Risikos gewertet werden könnten. Die Zahlen erklären sich allerdings, so Rasmus C. Beck, aus den rapide steigenden Spitzenmieten. In jeder Ruhrgebietsstadt gäbe es mittlerweile Spitzenmieten in Höhe von 16,50 Euro pro Quadratmeter. In der Logistik stiegen die Mieten in der Spitze von 5,20 Euro noch einmal auf 5,30 Euro pro Quadratmeter. Natürlich wird 2020 beziehungsweise Corona eine Delle in dieser Bilanz hinterlassen. Im Einzelhandel werde es insgesamt zu Abwertungen kommen. Alles in allem stehe man jedoch gut da.

„Die Immobilienwirtschaft will wissen, was ihre Peergroup im Ruhrgebiet machen kann.“

Andreas Schulten erzählte, wie sehr er sich jedes Mal freue, wenn er von Berlin ins Ruhrgebiet komme. Das läge sowohl am politischen als auch am Spekulationsklima. Überhaupt sei private Spekulation in Deutschland ganz furchtbar geworden, wovon das Ruhrgebiet jedoch noch nicht so stark betroffen sei und noch klug mit seinen Grundstücken umgehen könne. Mit Blick auf Investitionen hob der Immobilienexperte die Wichtigkeit hervor, dass nicht nur die öffentliche Hand investiere: „Die Immobilienwirtschaft will wissen, was ihre Peergroup im Ruhrgebiet machen kann.“

Nachhaltigkeit ist ökonomische Sichtweise

Als wichtiges Thema wurde Nachhaltigkeit immer wieder aufgegriffen. Christoph Dammermann, der sich als großer Freund des Themas bezeichnete, hält eine nachhaltige Sichtweise schlicht für ökonomisch. Als Beispiel nannte er das Cradle-to-Cradle-Prinzip, bei dem die Lebenszykluskosten von Immobilien ganzheitlich betrachtet werden. Auch Andreas Schulten bekräftigte: „Nachhaltigkeit ist das Vermeiden von Risiken. Und ein treibender Faktor. Wenn wir nicht nachhaltig investieren, vernichten wir unser Investitionsgut.“ Im Ruhrgebiet käme es insbesondere auch auf die Nachhaltigkeit der Infrastruktur und Verwaltung an. In diesen Belangen sieht er München und Frankfurt ganz vorne, das Ruhrgebiet sei jedoch nah dran.

Auch beim Thema Zukunftsbranchen spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. „Alles, was mit Internet, Life Science und Nachhaltigkeit zu tun hat, hat Zukunft“, sagte Andreas Schulten. Und: Für alle drei sind Büros wichtig.

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