Strausberg: Seit Jahren stetiges Wachstum

Strausberg: Seit Jahren stetiges Wachstum

Strausberg: Seit Jahren stetiges Wachstum
Die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft (SWG) ist mit einem Bestand von rund 5.000 Wohnungen der größte Vermieter der Stadt. Quelle: Mara Kaemmel.

Die Mittelstadt mit S-Bahnverbindung nach Berlin profitiert nicht nur vom Zuzug aus der Hauptstadt. Was sie an Standortvorteilen zu bieten hat.

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Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Landesplanung, Guido Beermann, ließ es sich nicht nehmen, den Scheck persönlich an die Bürgermeisterin Elke Stadeler zu überreichen. 1,494 Millionen Euro erhält die Stadt Strausberg für Vorhaben im Rahmen der Städtebauförderung. Seit 1991 haben sich damit die Fördermittel für die Stadt im Speckgürtel von Berlin auf 30,7 Millionen Euro summiert. Das Geld sei gut investiert, betonte der Minister. „Strausberg ist eine tolle Stadt.“

Bevölkerungswachstum übertrifft Prognose

Die größte Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland liegt rund 30 Kilometer von Berlin entfernt, direkt am Straussee. Sie entwickelt sich seit Jahren besser als vorhergesagt. Nachdem die Zahl der Einwohner bis 2012 kontinuierlich gesunken war, steigt sie seither stetig und hat die Prognose des Landes Brandenburg für den Zeitraum bis 2030 bereits übertroffen. Die Analysten sahen für 2025 einen Bevölkerungshöhepunkt bei 26.714 Einwohnern. Ende Dezember 2020 lag die Zahl bereits bei knapp 27.000. Das Amt für Statistik Brandenburg gab den Wohnungsbestand der Stadt zum selben Stichtag mit rund 15.000 Wohneinheiten an, circa 11.000 davon sind Mietwohnungen.

Die Altstadt von Strausberg. Quelle: Mara Kaemmel

Mit einem Bestand von rund 5.000 Wohnungen ist die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft (SWG) der größte Vermieter der Stadt. Deren Geschäftsführer Markus Derling rechnet für die nächsten Jahre mit einem weiteren, moderaten Bevölkerungswachstum. „Wir gehen von einem Anstieg auf 30.000 Einwohner aus.“

Für diese Annahme sprechen mehrere Faktoren: Zum einen ist da der Zuzug aus Berlin. Rund elf Prozent der SWG-Wohnungen sind bereits an ehemalige Berliner vermietet. Perspektivisch könnte Strausberg noch besser an Berlin angebunden sein. Nachdem ein durchgängiger 20-Minuten-Takt der S-Bahn bis zur Station Strausberg-Nord eingeführt worden ist, wird nun der Zehn-Minuten-Takt angepeilt. Das Vorhaben zählt zu den 35 Infrastrukturmaßnahmen im Investitionsplan i2030 der Berliner S-Bahn. Die Länder Berlin und Brandenburg finanzieren die Planungskosten. Damit würde Strausberg noch attraktiver für Berufspendler werden.

Einer der größten Bundeswehrstandorte im Osten

Hinzu kommt das Engagement der Bundeswehr. Seit 2013 ist Strausberg Sitz des Kommandos Heer, inzwischen hat sich die Stadt zu einem der größten Bundeswehrstandorte in Ostdeutschland entwickelt. Mehr als 2.000 Angehörige sind hier stationiert. Rund 700 Millionen Euro wurden in ein neues Rechenzentrum investiert. Frank Sauer, Leiter des Kompetenzzentrums Baumanagement der Bundeswehr in Strausberg, betonte in diesem Zusammenhang: „Der Standort wird auch in der Zukunft eine besondere Bedeutung haben“. Im Oktober 2020 wurde in der Barnim-Kaserne ein ABC-Abwehrregiment mit 750 Soldaten aufgestellt.

„Es ist also davon auszugehen, dass sich der eine oder andere längerfristig in Strausberg niederlässt“, sagt Markus Derling. Den Bedarf an Wohnungen sieht der SWG-Geschäftsführer auch mit Blick auf den Bau der Tesla-Fabrik in Grünheide steigen. Doch die Nachfrage übertrifft bereits jetzt das Angebot an Wohnungen erheblich.

Und nicht nur bei der SWG ist der Andrang groß, auch die beiden Genossenschaften Aufbau und Neues Wohnen können nicht über Leerstand klagen. „Zur Zeit haben wir keine freien Wohnungen“, heißt es auf den Webseiten. Beide engagieren sich im Neubau. Die fertiggestellten Neues Wohnen-Objekte im Karree Grünrock mit insgesamt 76 Wohnungen waren zügig vermietet. Im Quartier am Märchenwald der WBG Aufbau sind alle 77 Wohnungen bereits vor den Fertigstellungen vergeben. Bei der Grundsteinlegung zum Quartier betonte die Bürgermeisterin Elke Stadeler: „Wir brauchen Wohnungen. Der Bedarf ist da.“

SWG plant 160 Neubauwohnungen

SWG-Geschäftsführer Markus Derling. Quelle: SWG GmbH

Markus Derling kann das bestätigen. Im SWG-Bestand werden durch Fluktuation pro Jahr 20 bis 30 Wohnungen frei. Pro Wohnung gebe es bis zu 160 Interessenten. Besonders nachgefragt sind Ein-Zimmer-Wohnungen und große Wohnungen für Familien. Da ein Großteil des SWG-Bestandes – und zwar 83 Prozent – aus DDR-Zeiten stammt, liegt der Schwerpunkt des Unternehmens auf der Sanierung, Modernisierung und dem bedarfsgerechten Umbau. Rund 28 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf bis sechs Jahren auch in den Neubau fließen. „Insgesamt planen wir als SWG circa 160 Neubauwohnungen.“

Die Grundstückspreise sind in Strausberg erheblich gestiegen, sie liegen derzeit im Durchschnitt bei 210 Euro, in Spitzenlagen bei mehr als 300 Euro. Die SWG aktiviert deshalb vorrangig eigene Grundstücke für die Bauvorhaben. „Die Miete ist sonst nicht mehr bezahlbar.“ So sollen rund 80 bis 100 Einheiten in einem Wohnpark auf dem Grundstück des ehemaligen SWG-Firmensitzes in der Hegermühlenstraße errichtet werden.

Neubauwohnungen wurden bislang für zehn Euro pro Quadratmeter vermietet, die kalkulierten Mietpreise für neue Wohnungen werden aufgrund explodierender Baukosten höher liegen. Im Bestand betragen die Mieten derzeit durchschnittlich 5,10 Euro pro Quadratmeter. Nach der vollständigen Sanierung und Modernsierung werden sie an die ortsübliche Vergleichsmiete im Mietspiegel angeglichen.

Neubauten der SWG in Strausberg. Quelle: Mara Kaemmel.

Hohe Nachfrage nach Wohneigentum

Private Bauherren engagieren sich zudem in Strausberg. Gefragt sind nicht nur Mietwohnungen, sondern auch Eigenheime, Eigentumswohnungen und seniorengerechte Wohnungen. Auf dem Gelände der ehemaligen russischen Kaserne an der Elisabethstraße  – nur 700 Meter von der Altstadt entfernt, werden 158 Wohneinheiten in Doppel- und Mehrfamilienhäusern gebaut. Am Nordkreisel ist eine Eigentumswohnanlage entstanden. An der Kelmstraße werden mit dem Projekt Wohnen am Weinberg insgesamt 30 bis 40 Einheiten geplant. Die Stephanus-Stiftung beabsichtigt auf ihrem Grundstück in der Wriezener Straße ein neues Quartier mit sozialem Fokus zu bauen.

Diese Entwicklung entspricht dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2035 (INSEK) von 2017. Der Fokus liegt auf Bauen im innenstädtischen Bereich. Eine Analyse des gesamten Wohnraumpotenzials hat ergeben, dass Strausberg mit 4.000 möglichen, neuen Wohneinheiten einer der größten Potenzialstandorte im Umland von Berlin und Potsdam ist.

Doch nicht jedes Bauvorhaben lässt sich umsetzen. Die Pläne für 150 Eigenheime Johannishof und Am Wäldchen wurden nach Protesten einer Bürgerbewegung im vergangenen Jahr gekippt. Der Zuzug einkommensstarker Familien musste hinter dem Argument der Versiegelung des Bodens in der Trinkwasserzone zurückstehen. Wasser, insbesondere der Wasserschwund im Straussee, ist ein Thema, das die Bürger bewegt. Dafür wurde die Stadt beauftragt, ein ehemaliges Kasernengelände am Mühlenweg als Wohnbauareal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zu kaufen.

Investitionen in die Infrastruktur

Mit einer ganzen Reihe von Infrastrukturprojekten wird die Stadt fit für die Zukunft gemacht. Das Krankenhaus Märkisch-Oderland ist in den vergangenen Jahren um- und ausgebaut worden. Und nach jahrelanger Diskussion hat der Kreistag jetzt entschieden, dass Strausberg ein zweites Gymnasium bekommt. Als Standort ist das Areal der ehemaligen Polizeidirektion in der Wriezener Straße vorgesehen.

Strausberg verfügt über eine S-Bahnverbindung nach Berlin. Quelle: Mara Kaemmel

Das Geld aus der Städtebauförderung fließt in Vorhaben im Sanierungsgebiet Altstadt, in die Sanierung der Grundschule Am Annatal, in die Aufwertung der Energie-Arena und die Sanierung des Kulturparks zwischen der Wriezener Straße und dem See: Es ist eine der wichtigsten Freizeit- und Grünflächen der Stadt. Mit all dem zieht Strausberg auch Bürger aus dem Umland an. Markus Derling weiß, dass der Zuzug nicht nur aus Berlin, sondern aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden kommt. Der SWG-Chef sieht neben der Lebensqualität einer Mittelstadt mit See in waldreicher Umgebung und einer guten Infrastruktur noch einen Standortvorteil: „Anders als in Berlin funktioniert in Strausberg die Verwaltung.“

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