Bei Studentenapartments sollten Investoren genauer hinschauen

Bei Studentenapartments sollten Investoren genauer hinschauen

Bei Studentenapartments sollten Investoren genauer hinschauen
Studentenapartments könnten sich für Investoren lohnen. Copyright: Nei Andrade auf Pixabay

Dank anhaltendem Wohnungsboom und steigender Studentenzahlen hat sich die Assetklasse Student Housing zu einem attraktiven Segment entwickelt. Entsprechend bieten sich auch für Investoren zahlreiche Möglichkeiten.

Dank des anhaltenden Wohnungsbooms und der steigenden Studentenzahlen hat sich die Assetklasse Student Housing von einem lokal verankerten Nischensegment zu einer attraktiven Assetklasse entwickelt. Da Student Housing sich inzwischen in nahezu allen Märkten mit stark wachsenden Universitätsstädten etabliert hat, bieten sich auch für Investoren zahlreiche Möglichkeiten. Wenngleich die höchste Marktreife nach wie vor in den angelsächsischen Ländern besteht, hat sich das Anlagespektrum auf viele kontinentaleuropäische Märkte ausgedehnt, wozu Deutschland zählt.

Wenngleich sich der europäische Student Housing-Markt in der Pandemie als weitgehend widerstandsfähig gezeigt hat, lohnt es sich für Investoren, genauer hinzusehen, wo Angebotslücken klaffen oder bereits Nachfrageüberhänge wachsen. Zudem bleibt mit Blick auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie ungewiss, wie sich die Anlageklasse Studentisches Wohnen im Jahr 2021 und darüber hinaus entwickeln wird. Es ist davon auszugehen, dass es langfristige Veränderungen in der studentischen Wohnlandschaft geben wird.

Limitiertes Angebot an temporären Wohnraum für Studentisches Wohnen

Angesichts des limitierten Angebotes in den Metropolen und Universitätsstädten ist die Nachfrage nach temporärem Wohnraum aktuell weiterhin ungebrochen. Obwohl das Angebot an Student Housing-Unterkünften den Bedarf weiterhin nicht deckt und dementsprechend die Versorgungsquoten insgesamt sehr gering sind, bleibt abzuwarten, ob die Bereitschaft der Investoren weiterhin hoch sein wird, in diese Assetklasse zu investieren. Positiv ist indes, dass sich diese oftmals weniger dogmatisch zeigten, denn wo Student draufsteht, muss nicht immer Student drin sein, heißt es in einer Studie von Catella Research. Vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen Mieten bei Studentenwohnungen tummeln sich auf diesem Markt immer mehr Nichtstudenten, zum Beispiel Rentner und Berufstätige, da diese in der Lage seien, hohe Mieten zu entrichten, heißt es in einer Studie des Institutes der deutschen Wirtschaftt (IW).

Investmentsumme 2020 für Studentenapartments 35 Prozent unter dem Vorjahr

Nachdem auf dem deutschen Investmentmarkt für Studentenwohnheime und Mikroapartments im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie und der abwartenden Haltung bei Projektentwicklern lediglich 640 Millionen Euro und damit etwa 35 Prozent weniger als im Jahr 2019 investiert wurde, rechnen Beratungshäuser wie CBRE ab dem zweiten Halbjahr 2021 mit einer Erholung des Investmentmarktes. Positiv ist anzumerken, dass die Spitzenrendite das ganze Jahr über stabil bei 3,3 Prozent gelegen habe. Ferner sei die Nachfrage nach Studierendenunterkünften 2020 in den meisten europäischen Ländern nicht wesentlich rückläufig gewesen und die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Da sich jedoch europaweit geographisch starke Unterschiede feststellen lassen, stellt sich die Frage, welche Städte für Student Housing attraktiv sind und wohin die Anlagegelder in den kommenden Jahren fließen könnten?

Transaktionsvolumen bei Studentenwohnheimen und Mikroapartments. Copyright: CBRE Research

Berlin und München ganz weit vorn, Angebot regional unterschiedlich

Wie der Catella-Studie zu entnehmen ist, sind die höchsten Versorgungsquoten für studentisches Wohnen aktuell messbar in UK (26 Prozent), gefolgt von Dänemark (22 Prozent) und Schweden (20 Prozent), die niedrigsten Versorgungsquoten liegen bei Italien (vier Prozent) und Portugal (fünf Prozent). In Deutschland liege die Versorgungsquote bei zehn Prozent – und damit weitaus geringer als im Vereinigten Königreich. Allerdings würden sich Städte mit einem Unterangebot an Studierendenunterkünften deutlich widerstandsfähiger zeigen als Standorte mit einem eher ausgeglichenen Wohnungs- versus Student Housing-Angebot.

Laut einer Marktstudie für Studentisches Wohnen von Union Investment und bulwiengesa aus dem Jahr 2019 wurde in 61 deutschen und vier europäischen Universitätsstädten ein Bestand von rund 338.000 studentischen Wohnplätzen dokumentiert. Mitte 2019 verfügten Amsterdam (25.800 Wohnplätze), Wien (20.300), Berlin (19.700), Paris (18.800) und München (18.300) über das größte Angebot an Studentenapartments. Neben den Metropolen liegen insbesondere kleinere Universitätsstädte mit einer langen Tradition als Hochschulstandort, wie Bayreuth, Bamberg, Dresden und Freiburg vorn. Im Gegensatz dazu sei das Angebot an studentischen Wohnplätzen bezogen auf die Zahl der Studierenden in Saarbrücken, Koblenz und Duisburg eher schwach ausgebaut.

Angebotslücke bei Studentenapartments in A-Städten wird zunehmen

Während mittelfristig unter anderem in Stuttgart, Hamburg, Bremen, Nürnberg und Bonn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wohnungsbedarf und Bautätigkeit erwartet wird, sei im Verhältnis dazu mit einer spürbaren Angebotsverknappung in Kiel, Darmstadt, Leipzig, Köln und Karlsruhe zu rechnen. Zudem werde eine weitere
Ausdehnung der Angebotslücke in den A-Städten München, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt am Main prognostiziert.

Der Ausbruch von COVID-19 wird die Studentenwohnlandschaft erheblich verändern. Neben neuen Designkonzepten, die unter anderem geräumigere Unterkünfte und Räume für soziale Distanzierung und Abschottung der Bewohner sowie verbesserte Luftreinigungssysteme beinhalten dürften, wird sich die Branche auch auf einen neuen studentischen Lebensstil und möglicherweise auf flexiblere Mietverträge einstellen müssen. Und wenn die Präsenzpflicht weiterhin ausgesetzt wird, ist zudem mit höheren Leerstandsquoten in den Studentenhäusern zu rechnen. Falls es in der Folge zu Preisverwerfungen kommen sollte, dürften darunter vor allem die höheren Segmente leiden.

Copyright Aufmacherfoto: Nei Andrade auf Pixabay