Nach Corona-Stagnation: Studentisches Wohnen wird wieder teurer

Nach Corona-Stagnation: Studentisches Wohnen wird wieder teurer

Nach Corona-Stagnation: Studentisches Wohnen wird wieder teurer
So sieht modernes und attraktives Studentisches Wohnen in Objekten von International Campus aus. Doch können sich das Studierende noch leisten? Copyright: International Campus

Zwei Jahre fungierte die Pandemie als Preisdämpfer in dem Asset Studentisches Wohnen. Das Moses Mendelssohn Institut (MMI) hat die aktuellen Zahlen zusammengetragen und blickt in die Zukunft – in der Unternehmen wie International Campus große Pläne verfolgen.

Bayerischer Immobilientag in Nürnberg

Die Preise gehen wieder nach oben: „Viel deutet darauf hin, dass dies nur der Anfang einer deutlichen Preissteigerungswelle beim Studentischen Wohnen ist, verstärkt durch steigende Energiepreise, welche hier überproportional wirken“, sagt Dr. Stefan Brauckmann, Geschäftsführender Direktor am Moses Mendelssohn Institut (MMI). Das ist das Ergebnis einer Studie, die das MMI mit dem Immobilienportal WG-gesucht.de im Auftrag des Immobilienprojektentwicklers GBI durchführte.

Zwei Jahre lang hatte der Corona-Effekt für eine Preisdämpfung der Wohnkosten für Studierende gesorgt. Doch zum Ende des aktuellen Wintersemesters und Start des Jahres 2022 dreht sich der Spieß: Studierende müssen im Schnitt mit 414 Euro rechnen, wenn sie sich eine neue Bleibe suchen. 97 Hochschulstädte mit mehr als 5.000 Studierenden wurden unter die Lupe genommen. Zwei Jahre lang hatte die Pandemie dafür gesorgt, dass sich der durchschnittliche Zimmerpreis bei Neuvermietungen in einer engen Spanne zwischen 389 und 400 Euro bewegte.

Preisauftrieb beim Studentischen Wohnen trifft Standorte jeglicher Art

Dr. Stefan Brauckmann spricht von einem „umfassenden Trend“. Ob Metropole, klassische Uni-Städte oder kleinere Städte – überall sind Studierende von steigenden Wohnkosten betroffen. Für die Analyse der Anspannung des Studentischen Wohnungsmarktes auf Bundes- und Städteebene werden regelmäßig jeweils 23 Kriterien untersucht, von Mieten über Studierenden-Zahlen bis zur Attraktivität im Ausland. „Alle Daten lassen sich aktuell als eine Art Frühindikator interpretieren, die eine deutliche Reaktion des Marktes anzeigen. Danach wird es schon im Sommersemester, aber vor allem dann im September eine weitere, deutlich zu spürende Entwicklung bei den Wohnkosten für Studierende geben.“

Die höchsten WG-Mieten zahlen Studierende in München mit 680 Euro für ein Zimmer. Dicht auf den Fersen folgen Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg. Alle deutschen Städte übertreffen die Vor-Pandemie-Werte klar und damit kommt es nach der Corona-Seitwärtsbewegung wieder zu einem deutlichen Anstieg der Mietkosten. So steigen diese in klassischen Hochschulstädten wie Tübingen von 400 auf 445 Euro, in Heidelberg von 400 auf 450 Euro und in Münster ist mit 395 Euro die 400 Euro Schallmauer erstmals nicht mehr fern. In Freiburg wurde die 450 Euro-Marke durchbrochen, der neue Durchschnittswert der Neuvermietungen liegt nun bei 464 Euro.

International Campus erwirbt 2021 Objekte im Wert von 670 Millionen Euro

International Campus ist ein führender Investor, Entwickler und Betreiber von Konzepten für studentisches und urbanes Wohnen in Europa. Im Jahr 2021 hat International Campus insgesamt sechs Projekte akquiriert und damit sein Portfolio auf 13 eigene Immobilien ausgebaut. Die dazugewonnenen Projekte befinden sich in Berlin, Freiburg, Hamburg (zwei Objekte), Ludwigshafen/Mannheim sowie im niederländischen Leiden. Daneben wurden 2021 fünf Objekte in Aachen, Freiburg, Hamburg, München und Utrecht in den laufenden Betrieb übernommen

„Die sechs Akquisitionen mit einem Investitionsvolumen von rund 670 Millionen Euro im Jahr 2021 illustrieren die Bandbreite der möglichen Investitionen, die für International Campus in Betracht kommen: Wir entwickeln und bauen selbst oder kaufen über Forward Deals von Projektentwicklern. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf die Metropolen, sondern gehen mit unserem studentischen Wohnkonzept auch gerne in kleinere Städte mit starken Universitäten“, so Rainer Nonnengässer, Executive Chairman der International Campus Group.

International Campus beabsichtigt, an diesem Weg festzuhalten. Für 2022 sind Akquisitionen im Volumen von rund einer halben Milliarde Euro geplant. Mit ihrer raschen Expansion hilft die International Campus Group, den großen Bedarf an Apartments zu decken, denn Wohnraum für Studierende ist in den meisten Hochschulstädten trotz des Preisanstiegs Mangelware.

Urban meets studentisch: Darauf setzt International Campus als Projektentwickler und Betreiber Studentischen Wohnens. Copyright: International Campus
Urban meets studentisch: Darauf setzt International Campus als Projektentwickler und Betreiber Studentischen Wohnens. Copyright: International Campus

Wintersemester 2021/22: Der Last-Minute-Effekt als Branchenphänomen

Ausgangspunkt für die neue Entwicklung war der Herbst vergangenen Jahres. Viele Studierende trafen mit dem Start des Wintersemesters erst nach langem Zögern und in letzter Sekunde ihre Entscheidung, dass sie am Hochschulort eine eigene Bleibe wollen. Auch die GBI Holding AG beobachtete als Projektentwickler dieses Phänomen an den 22 Standorten der Eigenmarke SMARTments student: „Normalerweise sind August und Anfang September die Hauptzeit für Vertragsabschlüsse. Wegen der Pandemie-Ungewissheiten gab es aber 2021 wie auch im Jahr zuvor bis dahin nur vergleichsweise wenige Unterschriften neuer Mieter“, sagt Anja Bachmann, verantwortlich für die Entwicklung der SMARTments-Produktlinie: „Doch dann kam geballt der Last-Minute-Effekt, der für eine fast vollständige Belegung unserer Häuser sorgte. Diese zeitliche Verzögerung ist ein Branchenphänomen.“

Das zeigen auch die Analysen von WG-Gesucht.de zur Vermittlung von Mietwohnungen und WG-Zimmern. „Seit Oktober traf innerhalb kürzester Zeit ein Nachfrageplus von bis zu 21 Prozent auf ein unverändert begrenztes Angebot“, erklärt Annegret Mülbaier, Sprecherin von WG-Gesucht.de. „Auch die Anbieter von Zimmern hatten sich zunächst überraschenderweise zurückgehalten –offensichtlich, weil sie nicht in einer schwachen Marktphase zu billig vermieten wollten“, so Annegret Mülbaier. Doch mit dem Semesterstart kam es zum großen Umsatz-, Preis- und Interessenten-Sprung. Besonders bei gewerblichen Anbietern sei dann das Interesse zur Vermietung von Zimmern in WGs stark gestiegen, da die Vorteile überwiegen, schnell und flexibel auf den Markt reagieren zu können.

Dass viele Studierende im zweiten Corona-Jahr doch auf Wohnungssuche gingen, ist für Dr. Matthias Brauckmann keine Überraschung. „Auch wenn in manchen Studiengängen ein Großteil der Hochschullehre weiter oder wieder online stattfinden, wurde vielen Studierenden schnell bewusst, dass eine ausschließliche Teilnahme aus der Ferne keine Alternative mehr ist.“ Denn viele Veranstaltungen und Lerngruppen finden verstärkt wieder in Präsenz statt. In der aktuellen Situation scheinen viele Eltern und Verwandte sogar bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen: „Preislimits werden angehoben, finanzielle Reserven mobilisiert.“ Für auf einen Nebenverdienst angewiesene Studierende wird die aktuelle Situation zum großen Problem. Denn die Möglichkeiten, einen verlässlichen Job etwa in der Gastronomie oder in Freizeit-Einrichtungen zu finden, sind extrem geschrumpft.

Auch Studierende leiden unter hohen Energiekosten

Zurückgestellte Umzugsüberlegungen während der Pandemie, längere Studienzeiten aufgrund von Ausfällen oder verlängerten Regelstudienzeiten sowie internationale Studierende, die ein Auslandsemester in Deutschland nachholen wollen, treiben den Run auf Studentisches Wohnen nach oben. Die finanzielle Belastung der Studierenden erhöht sich zusätzlich durch die anziehende Teuerung, insbesondere bei den Energiekosten. „Nicht allein die Kaltmiete, sondern vor allem die Nebenkosten werden dann zur finanziellen Herausforderung für viele Studierende“, so Dr. Matthias Brauckmann. Ohne spezifische Wohnangebote, die nur Studierenden und Auszubildenden offenstehen, werden die jungen Leute unter der Teuerungstendenz besonders leiden.

Dass mit den Investments in Studentisches Wohnen also gerade denjenigen geholfen wird, die ansonsten auf dem umkämpften Wohnungsmarkt das Nachsehen haben, spielt auch auf der Anlageseite eine immer wichtigere Rolle. Simon Behr, Geschäftsführer der GBI Capital, erklärt: „Die Vorgaben der EU-Taxonomie machen soziale Investments geradezu zwingend. Und bei Studentenapartments lässt sich das gut mit hoher und aufgrund der Nachfrage gut kalkulierbaren Wirtschaftlichkeit vereinbaren.“

Die MMI-Analyse zu Zimmer-Kosten in Wohngemeinschaften ist dabei ein aussagekräftiger Indikator für die Entwicklung Studentischer Wohnungsmärkte: „WG-Zimmer liegen in der Regel preislich zwischen geförderten Wohnheimplätzen und allein bewohnten Kleinwohnungen. Mehr als ein Drittel der Studierenden (rund 37 Prozent), die nicht bei den Eltern wohnen, leben in einer Wohngemeinschaft. Die Preisermittlung ist daher gut auf andere studentische Wohnformen übertragbar“, so Dr. Matthias Brauckmann.

Markt für Studentenwohnen steht vor neuen Rekordjahren: Die Corona-Pandemie war für das Geschäft mit privaten Studentenapartments nicht mehr als eine kurzfristige Unterbrechung eines langfristigen Trends. Das Segment zeigt sich in diesem Jahr gut erholt und zurück auf dem Wachstumspfad, sagen Experten.
Trend

Markt für Studentenwohnen steht vor neuen Rekordjahren

Bei Studentenapartments sollten Investoren genauer hinschauen: Dank anhaltendem Wohnungsboom und steigender Studentenzahlen hat sich das Segment Student Housing vom Nischensegment zur attraktiven Assetklasse entwickelt. Entsprechend bieten sich auch für Investoren zahlreiche Möglichkeiten.
Trend

Bei Studentenapartments sollten Investoren genauer hinschauen

Mieten für Studentenwohnungen: Grenze des Bezahlbaren erreicht?: Eine Studie von Immowelt.de legt offen, in welchen Hochschulstädten Studenten die höchsten Mieten berappen müssen.
Trend

Mieten für Studentenwohnungen: Grenze des Bezahlbaren erreicht?