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Thüringen: Leerstand auf dem Land belastet Wohnungsunternehmen

Obschon die Corona-Krise den ländlichen Raum verstärkt als interessanten Wohnstandort in den Fokus gerückt hat: In Thüringen wird der Leerstand von Wohnungen auf dem Land zu einem immer größeren Problem. Der vtw hat jetzt ein besorgniserregendes Bild gezeichnet.

Obschon die Corona-Krise den ländlichen Raum verstärkt als interessanten Wohnstandort in den Fokus gerückt hat: In Thüringen wird der Leerstand von Wohnungen auf dem Land zu einem immer größeren Problem. Ländlicher Raum. Copyright: Holger Kraft auf Pixabay.
Von Redaktion IMMOBILIEN AKTUELL MAGAZIN / MATTHIAS KLÖPPEL / PRESSEMITTEILUNG VTW, 27.03.2021

Der Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. (vtw) mahnt einen Paradigmenwechsel zur Entwicklung des ländlichen Raumes an. Verbandsdirektor Frank Emrich betont: „Wir brauchen für Thüringen eine ganzheitliche Strategie mit ressortübergreifenden Handlungskonzepten auf Basis konkreter Zahlen, Daten und Fakten. Nur so lässt sich der aktuelle Teufelskreis durchbrechen und die Attraktivität ländlicher Gebiete sicherstellen.“

vtw: Leerstand auf dem Land „katastrophal“

Tendenziell wachse in ländlichen Gegenden vor allem der Leerstand katastrophal. Insgesamt standen Ende 2020 rund 23.200 Wohnungen bei den vtw- Mitgliedsunternehmen leer. In den drei Städten Erfurt, Jena und Weimar lag die Leerstandsquote bei 3,5 Prozent, aber auf dem Land stieg sie im Jahr 2020 trotz zahlreicher Rückbauten auf 10,7 Prozent (20.300 Wohneinheiten).

„Dieser Prozess wird sich in den nächsten Jahren unweigerlich fortsetzen“, warnt Frank Emrich. „Denn mehr als die Hälfte der leerstehenden Wohnungen wird nie wieder bewohnt werden.“ Im ländlichen Raum seien derzeit gut 2.600 Wohnungen unmittelbar für den Abriss vorgesehen (13 Prozent des Leerstandes). Für weitere gut 8.000 Wohnungen (40,3 Prozent des Leerstandes) gebees in absehbarer Zeit keine Nachfrage mehr. 

Mietniveau zu gering für Investitionen

Problematisch sei dem vtw zufolge auch das Mietniveau. Die durchschnittliche Miete im Bestand der im Verband organisierten Unternehmen im ländlichen Raum betrug 2019 lediglich 4,87 Euro je Quadratmeter. Zum Vergleich: Jena-Weimar-Erfurt kamen insgesamt auf im Schnitt 5,54 Euro, ganz Thüringen auf 5,08 Euro. Selbst die Neuvertragsmieten liegen zu 87 Prozent unter 6,00 Euro je Quadratmeter, so der vtw (Jena-Weimar-Erfurt gesamt bei 55 Prozent, Thüringen gesamt bei 76 Prozent).

Verbandsdirektor Frank Emrich: „Mit diesen geringen Mieteinnahmen lässt sich gerade einmal die notwendige Grunderhaltung der Wohnung sicherstellen. Übertrieben gesagt: Das Dach wird geflickt, die Wohnung bleibt trocken.“ Keinesfalls könnedavon aber die Wohnung im erforderlichen Maße instandgehalten oder gar modernisiert werden.

vtw fordert zusätzlichen Baukostenzuschuss

Der bevorstehende zweite Sanierungszyklus, politisch gewünschte energetische Maßnahmen, berechtigte Qualitätsansprüche der Mieter, stetig steigende Baukosten und vorhandene Bestandskredite aus den 1990er Jahren bereiten den Verantwortlichen der Wohnungsunternehmen im ländlichen Raum zusätzlich große Sorgen. Damit sie Investitionen zukunftssicher gestalten können, seien sie laut dem vtw auf strukturelle Hilfe angewiesen. Über die Förderung des Jahres 2020 hinaus ist nach Berechnungen des Verbandes ein zusätzlicher Baukostenzuschuss zwischen 310 und 510 Euro je Quadratmeter nötig.

„Doch das Wohnen allein zu fördern reicht nicht“, so vtw-Direktor Frank Emrich. „Der ländliche Raum muss in seiner Gesamtheit attraktiver werden.“ Es müssten demnach Entwicklungsimpulse geschaffen werden, was insbesondere eine Stärkung der öffentlichen Infrastruktur einschließlich Bildung, Handel, Medizin und Telekommunikation bedeute. Die Menschen vor Ort brauchten Kompetenzen, Budgets und das Gefühl ernst genommen zu werden, so Frank Emrich:  „Es lohnt sich, etwas für den ländlichen Raum zu tun. Es lohnt sich, die Menschen dabei mitzunehmen.“

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