Vertical Farming: Wenn Salat im Hochhaus wächst

Vertical Farming: Wenn Salat im Hochhaus wächst

Vertical Farming: Wenn Salat im Hochhaus wächst
Vertical Farming-Betreiber Mario Gatineau, Geschäftsführer der Potager Farm GmbH, verspricht gesunde Lebensmittel. Copyright: Greenman

Das vor kurzem gegründete Unternehmen Potager Farm will die vertikale Landwirtschaft in Deutschland vorantreiben - den Anbau von Gemüse und Kräutern in hohen Gebäuden mitten in der Stadt. Die neue Anbautechnologie verkürzt die Wege zu den Supermärkten und trägt dazu bei, wachsende Stadtbevölkerungen mit frischen Produkten zu versorgen. 

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Der Begriff Gewächshaus könnte bald eine neue Bedeutung bekommen. Dachte man bisher an ein zerbrechliches Glashäuschen im Garten, assoziiert man damit wohl in Zukunft ein Hochhaus, in dem Gemüse und Kräuter reihenweise übereinander wachsen. Vertical Farming nennt sich diese neue Anbaumethode, die meist ohne Erde auskommt und das Pflanzenwachstum auf engem Raum maximiert. Die Vorteile: Vertikale Landwirtschaft ist mitten in der Stadt möglich, unterstützt die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Gemüse und reduziert die Anzahl der sogenannten Lebensmittelmeilen. Das ist die Entfernung, die Lebensmittel vom Ort ihrer Erzeugung bis zum Verbraucher zurücklegen.

In den USA ist Vertical Farming schon Realität

Vertikale Farmen sind keine Laboraufbauten mehr, sie werden bereits in der Realität betrieben, unter anderem in den USA, in Großbritannien, Dänemark und in der Schweiz. Die größte vertikale Farm steht im US-Bundesstaat New Jersey. Auf zwölf Etagen wird dort ganzjährig geerntet. Möglich ist das durch eine optimale Steuerung von Luftfeuchte, Temperatur und Beleuchtung sowie einer computergesteuerten Wasser- und Nährstoffversorgung. Mit 900 Tonnen Gemüse pro Jahr wird in dieser Farm - umgerechnet auf einen Quadratmeter Grundfläche - rund 390 mal mehr Gemüse geerntet als auf einem Quadratmeter Ackerboden.

Vertical Farming in Einzelhandelszentren

Nun will die in Dublin ansässige Greenman Group das Vertical Farming in Deutschland voranbringen. Dazu hat der irische Immobilieninvestor und Fondsmanager im Lebensmittelbereich im November 2021 die Potager Farm GmbH in Berlin gegründet. Der neuernannte Geschäftsführer Mario Gatineau erklärt: „Potager Farm ist Teil der Greenman Gruppe, zu der unter anderem der Greenman OPEN Fonds gehört, einer der größten deutschen Investmentfonds mit Schwerpunkt Lebensmitteleinzelhandelsimmobilien. Durch unsere Zugehörigkeit zur Greenman Group sind wir in der Lage, in allen Einzelhandelszentren, die zum Greenman OPEN Fonds gehören, Vertical Farming einzurichten. Dadurch werden die Transportstrecken kürzer und die Kundinnen und Kunden bekommen eine gesunde, umweltfreundliche und nachhaltige Lebensmittelauswahl.“

Vorbereitungen für erstes Projekt laufen bereits

„Wir planen, die erste vertikale Farm im ersten Halbjahr 2022 einzurichten“, sagt Mario Gatineau. Hierbei wird Potager Farm mit Intelligent Growth Solutions (IGS) zusammenarbeiten, einem in Schottland ansässigen Technologieunternehmen, das weltweit vertikale Farmen für die Lebensmittel-, Pharma- und Duftstoffbranche baut. Die Technologie des Unternehmens wird bereits auf vier Kontinenten eingesetzt.

„Unser Ziel ist es, vertikale Farmen Schritt für Schritt überall in Deutschland in den Objekten von Greenman zu installieren.“ Über die Greenman Group könne Potager Farm die größten Lebensmittelhändler in Deutschland erreichen und mit Ihnen praktikable Lösungen besprechen. „Zu den Lebensmittelvollsortimentern, die Ankermieter in den Einzelhandelsobjekten von Greenman sind, zählen unter anderem EDEKA, REWE, Kaufland und Aldi“, sagt Mario Gatineau.

Frischer, schmackhafter und gesünder

“Wir müssen rund um unsere vertikalen Anbausysteme eine völlig neue Infrastruktur aufbauen, um das Klima im Inneren der Gebäude präzise steuern zu können“, erklärt der Potager Farm-Geschäftsführer. „Vorgesehen ist, diese Infrastruktur auf dem Gelände oder in der direkten Nachbarschaft der Einkaufszentren von Greenman zu errichten, um eine hohe Sichtbarkeit, schnelle Anbindung und gute Zugänglichkeit zu ermöglichen.”

Die vertikalen Farmsysteme von IGS verfügen über ein patentiertes LED-Beleuchtungssystem, das 50 Prozent Energie einspart. "Dieses Beleuchtungssystem ermöglicht es uns außerdem, das Lichtspektrum für jede einzelne Pflanzenkultur anzupassen, wodurch wir den Geschmack und das Aroma der Pflanzen verbessern können“, so Gatineau weiter. „In Verbindung mit dem Verzicht auf Pestizide aufgrund der geschlossenen, sauberen Umgebung werden unsere Pflanzen frischer, schmackhafter und gesünder sein.”

Johnnie Wilkinson, CEO der Greenman Group, ist überzeugt: „Vertical Farming wird für ganz Europa immer relevanter, da die landwirtschaftlichen Flächen immer knapper werden und der Druck auf die Nachhaltigkeit der Versorgungsketten und der Lebensmittelproduktion weiter zunimmt.“ Greenman sei mit seinen Beziehungen zu einigen der größten Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland gut aufgestellt, um diese Initiative voranzutreiben.

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