Wohnungsgenossenschaften in Sachsen blicken besorgt auf 2022

Wohnungsgenossenschaften in Sachsen blicken besorgt auf 2022

Wohnungsgenossenschaften in Sachsen blicken besorgt auf 2022
Der VSWG blickt besorgt auf 2022. Copyright: (links) Michael Gaida auf Pixabay; (rechts) VSWG

Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) hat ein positives Resümee für das Geschäftsjahr 2021 gezogen. Doch der Ausblick auf 2022 ist von Sorgen geprägt. Gründe dafür sind die steigenden Energiepreise und Baukosten sowie der plötzliche Förderstopp für energieeffiziente Gebäude.

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Die Bilanz der 208 im Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften organisierten Wohnungsgenossenschaften für das Jahr 2021 kann sich sehen lassen. Nach vorläufigen Schätzungen haben die Genossenschaften zwischen 550 und 650 Millionen Euro investiert und rund 400 neu gebaute Wohnungen auf den Markt gebracht. Zugleich wurden rund 500 Wohnungen zurückgebaut. Die Mieten sind bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften nur moderat auf 5,20 bis 5,30 Euro gestiegen (2020: 5,11 Euro). Auch die Nebenkosten haben sich nach ersten Hochrechnungen nur geringfügig auf rund 2,25 bis 2,35 Euro pro Quadratmeter erhöht (2020: 2,22 Euro). Finale Zahlen will der Verband am 11. Mai 2022 präsentieren.

Sächsische Wohnungsgenossenschaften kritisieren „Holterdiepolter-Wegfall der KfW-Förderung“

„Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften waren und sind Garant für sicheres und bezahlbares Wohnen im Freistaat. Aber das müssen wir auch so halten können. Explodierende Energie- und Sanierungskosten, verschärfte Regelungen zu den Nebenkosten, Mietpreisbremse und vieles mehr gefährden dies massiv“, erklärte VSWG-Vorstand Mirjam Luserke auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Verbands am 27. Januar 2022 in Dresden.

Luserke kritisierte, dass die politischen Rahmenbedingungen „unzuverlässig“ seien. Dies habe auch der „Holterdiepolter-Wegfall der KfW-Förderung für energieeffizientes Bauen“ gezeigt. Dadurch fielen zehn Millionen Euro an Zuschussbeträgen für Neubau, Modernisierung und Aufstockung weg. Betroffen davon seien zehn Unternehmen, die geplante und angefangene Projekte nun von KfW 40 auf KfW 70 umstellen müssten. Das Ergebnis seien energetisch schlechtere Gebäude, in denen das Wohnen teurer werde. Darum fordert Mirjam Luserke „schleunigst verlässliche Rahmenbedingungen, um das bezahlbare Wohnen für unsere Mieter und Mitglieder zu erhalten.“

Nicht die Kaltmieten sind das Problem, sondern die Nebenkosten

Der VSWG begrüßt die Schaffung eines eigenständigen Bundesbauministeriums und bewertet die Inhalte des Koalitionsvertrages als in die richtige Richtung gehend, mahnt aber eindrücklich, dass die hohen Klimaschutzanforderungen nicht auf Kosten der Bezahlbarkeit des guten Wohnens umgesetzt werden dürfen.

Sven Winkler, Referent Betriebswirtschaft beim VSWG, stellt klar: „Wenn wir von Wohnkostensteigerungen sprechen, sind nicht die Kaltmieten das Problem, sondern die Nebenkosten.“ Kostenintensive Regularien zu CO2-Preisen, aber auch zu Rauchwarnmeldern, E-Stellplätzen, unterjährigen Verbrauchsinformationen und vielem mehr summierten sich zusammen mit den rasant steigenden Energiepreisen schnell auf Mehrkosten von einer ganzen Monatsmiete oder mehr. „Das wird für großen Frust sorgen, wenn 2023 die Betriebskosten-Abrechnungen für 2022 verschickt werden“, blickt der VSWG-Referent voraus.

Auswirkungen von Corona auf sächsische Wohnungsgenossenschaften

Wie eine Schnellumfrage zu den Auswirkungen von Corona ergab, sind die sächsischen Wohnungsgenossenschaften finanziell sehr gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Seit deren Beginn kam es bei 0,4 Prozent der Wohneinheiten (=1.260 Wohneinheiten) und 2,83 Prozent der Gewerbeeinheiten (=40 Gewerbeeinheiten) zu Zahlungsschwierigkeiten. Zum 31. Dezember 2021 waren aber lediglich noch bei rund 20 Prozent dieser Einheiten (270 Wohneinheiten und 15 Gewerbeeinheiten) Forderungen offen.

Die weitaus größeren Folgen von Corona seien Lieferengpässe und extreme Baukostensteigerungen. Laut VSWG verteuerten sich von November 2020 bis November 2021 zum Beispiel Holzbauarbeiten um 38,9 Prozent, Betonarbeiten um 16,5 Prozent, Raumlufttechnische Anlagen um 16,4 Prozent und Dachdeckerarbeiten um 17,1 Prozent. Durch diese Entwicklung und den Wegfall der KfW-Förderung stünden die Genossenschaften vor der Frage, wie viel Neubau sie sich noch leisten können, so Sven Winkler.

Ausblick auf 2022

Der VSWG erwartet im laufenden Jahr einen leicht höheren Anstieg der Nettokaltmieten um etwa zwei Prozent auf 5,30 bis 5,45 Euro pro Quadratmeter. Wie sich die Investitionen entwickeln, sei offen. Der Verband hält aber Aufwendungen in einer Bandbreite von 500 bis 700 Millionen Euro für möglich. Beim Neubau wird ein Niveau von rund 500 Wohneinheiten erwartet, beim Rückbau ebenso.

Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) steht für rund 300.000 Wohnungen

Die 208 im Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. (VSWG) organisierten Wohnungsgenossenschaften sind ein bedeutender Faktor im sächsischen Wohnungsmarkt. Sie bewirtschaften mit insgesamt 297.724 Wohneinheiten 20,5 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestandes im Freistaat Sachsen und bieten damit rund einer halben Million Menschen ein Zuhause.

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